Wie rechtshistorische Quellen zeigen, beginnt die legislative Strukturierung des Bühnenwesens in Österreich im 18. Jahrhundert. Um die Wende zum „langen“ 19. Jahrhundert haben die frühen theaterrechtlichen Normen und Dekrete eine völlige Neuausrichtung erfahren: Im Zentrum stand nicht mehr das zuvor dominierende aufklärerische Ideal der Heranbildung eines kritisch denkenden Bürgertums, sondern die präventive und repressive Kontrolle des Werk- und Wirkbereichs der Bühnenkunst. Neben zensorischen Eingriffen in die Textgrundlage und die Aufführung eines Bühnenwerks umfassten die Regelungen auch die jeweilige Theaterspielstätte, da die gleichzeitige Anwesenheit einer Vielzahl an Personen in einem geschlossenen Raum in Verbindung mit gefährlichen Bühnenpraktiken ein Sicherheitsrisiko bedeutete. Die im Vergleich zu Zensurbestimmungen (rechts-)historisch kaum erforschten feuer-, bau- und sicherheitspolizeilichen Regelungen sowie die Stadt- und Hoftheatergesetze des 19. Jahrhunderts ermöglichen es neue Einblicke in die Infrastruktur des Theaterbetriebs, in Zuschauergepflogenheiten, aber auch in inszenatorische Details zu gewähren. Das Verständnis des komplexen Wechselverhältnisses zwischen künstlerischer (Un-)freiheit, und der konkreten Ausgestaltung des Theaterraums soll somit um bisher kulturrechtshistorisch kaum beachtete Aspekte erweitert werden.[1] Ab dem 20. Jahrhundert sind dazu neben den verfassungsrechtlichen Veränderungen auch vereinzelt Rechtsquellen des Theaterprivatrechts zu beleuchten, die sich ebenso mittelbar auf den meinungsbildenden Aspekt der darstellenden Kunst auswirkten. Dazu zählen etwa urheberrechtliche Bestimmungen (Stichwort: Werktreue), das Schauspielergesetz aus dem Jahr 1922 aber auch der Theaterbesuchsvertrag, der das Rechtsverhältnis zwischen Theaterbesucher und Theaterunternehmer bestimmt. Durch eingehende Analyse der Rechtgeschichte des früher als ‚Massenmedium‘ fungierenden Theaters werden bis heute bestehende Besonderheiten des österreichischen Medien- und Kulturrechts verständlich und auch einige Lösungsansätze für gegenwärtige und zukünftige Probleme in diesem Bereich erkennbar.


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[1] Vgl. bis zum 20. Jahrhundert Christoph M. Stoll, Das österreichische Theaterrecht im 19. Jahrhundert, in: Nestroyana 1–2 2020, [im Erscheinen]

 

Theater-Gesetze für das ständische Theater zu Gratz 1853. Quelle: http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ204574900) S. 7

Theater-Gesetze für das ständische Theater zu Gratz 1853
(Quelle: http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ204574900) S. 7.

 

Burgtheater vor 1888 (Quelle: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Datei:HMW_029474.jpg) 

Burgtheater vor 1888
(Quelle: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Datei:HMW_029474.jpg). 

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