Zwischen Traum und Tod –
Das Kind(-liche) in der musikalischen Welt Gustav Mahlers

 
Bereits der junge Anton von Webern beobachtete, dass der kindliche Ton eine wichtige Komponente des gesamten Schaffens Gustav Mahlers darstelle. Doch nicht nur der musikalische Tonfall, sondern auch das lyrische Ich, Kompositionstitel, Vortragsanweisungen oder gar der Einsatz von Kinderstimmen verweisen immer wieder konkret auf das Kind(-liche) in der Musik des Komponisten. Dabei wird das Kind bei Mahler dialektisch behandelt: Während es sowohl mit Frohsinn, dem Traumhaften sowie der Erinnerung an einer unbeschwerten Welt in Verbindung gebracht werden kann, tritt es auch als Botschafter des Unheils und des Todes auf. Des Weiteren schreibt Mahler dem Kind, wie auch F. Nietzsche, einen besonderen (psychischen) Zustand zu, der sich auf das „Unhistorische“ zurückführen lässt. Der Komponist kreiert dadurch den musikalischen Ausdruck eines psychologisch nicht-subjektiven Selbst. Das Kind symbolisiert somit die Grenze zwischen den Wirklichkeits- sowie Bewusstseinswelten und fungiert als Kritiker des Weltlaufs. Im Kontext kulturgeschichtlicher sowie sozialhistorischer Entwicklungen der Zeit soll anhand einer systematischen Musik-, Text- und Briefanalyse der Frage nachgegangen werden, welche Rolle das Kind(-liche) in der musikalischen Welt Gustav Mahlers einnimmt.

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