Aufgabe dieser Dissertation ist es, jenem Segment von Frauen, die wegen ihrer Bindung an die katholische Kirche als konservativ bezeichnet werden, Platz in der Forschung einzuräumen und eventuell bestehende Stereotypisierungen in Frage zu stellen. Bruderschaften nahmen Männer und Frauen gleichermaßen auf. Trotzdem gab es gewisse Unterschiede in der Besetzung wichtiger Ämter; diese waren meistens nur Erstgenannten vorbehalten. Dem Bruderschaftswesen in der Habsburgermonarchie wird zwar seit einigen Jahren Beachtung geschenkt, welche Rolle aber Frauen und deren Partizipation spielten, ist noch Teil eines Desiderates. Um auf die Rolle der Frauen im Bruderschaftswesen eingehen zu können, werden verschiedene (Laien-)Bruderschaften miteinander in Beziehung gesetzt. Als Quellen fungieren sogenannte „Bruderschaftszettel“ (die eine Art Leitfaden für die Mitglieder darstellten) sowie Rechnungen, Protokolle und Suppliken.
Nicht nur die Frauen- und Geschlechterforschung, sondern auch Religions- und Kirchengeschichte sehen ein enges Verhältnis von Frauen zu Kirche und Religion, besonders seit 1800. Sie füllten im Zuge der Trennung zwischen Kirche und Staat „Leerstellen“ kirchlich gebundener Frömmigkeit aus. Die im Rahmen dieses Dissertationsvorhabens unter anderem untersuchte St. Anna-Bruderschaft zu Brixen weist während ihres Bestehens von 1497 bis 1819 sehr viel mehr weibliche als männliche Mitglieder auf. Diese Tatsache dürfte also bedeuten, dass ebenjenes Verhältnis demnach deutlich früher anzusetzen ist (Rupert Klieber stellte dies für seinen Untersuchungsraum Salzburg ebenfalls fest).
 

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