Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung: Aushandlungsprozesse homosexueller Lebensweisen in Tirol und Vorarlberg in der Zwischenkriegszeit (Arbeitstitel)

Dissertationsprojekt | Laufzeit 2024 – 2028

 

Die strafrechtliche Verfolgung und soziale Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher bzw. queerer Beziehungen erreichte in Österreich im Jahr 2002 mit der Streichung der letzten diskriminierenden Sonderstrafbestimmung ein Ende. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung steht damit jedoch erst am Anfang.

Das Dissertationsprojekt untersucht Strafverfahren wegen „Unzucht wider die Natur“ (§ 129 b), die in den 1930er Jahren an den Landesgerichten Innsbruck und Feldkirch geführt wurden. Sie richteten sich gegen Personen, die gleichgeschlechtlichen Sexualhandlungen verdächtigt wurden. Analysiert wird damit eine Region, in der die traditionellen Geschlechterverhältnisse lange kaum in Frage gestellt wurden und die von wirtschaftlichen Krisen, politische Zäsuren und kulturelle Umwälzungen gezeichnet war.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Verfolgungspraxis der Strafbehörden auf lokaler und regionaler Ebene. Wie manifestiert sich die Dynamik der Strafapparate im Akt und welches Raumregime wird dadurch erzeugt? Welche Vorstellungen von Devianz lagen diesem zugrunde? Und welche Personengruppen waren insbesondere von Ermittlungen betroffen? 

Neben der spezifischen Strafpraxis möchte das Forschungsprojekt Einblicke in die Praxen, Netzwerke und Räume queeren Lebens sowohl im urbanisierten ebenso wie im ländlichen Raum in einem durch zwei Zäsuren geprägten Untersuchungszeitraum eröffnen und damit eine regionalgeschichtliche Forschungslücke schließen.


Kontakt: 

Institut für Zeitgeschichte
Universität Innsbruck
Innrain 52d, 6020 Innsbruck

 

betreut von: 
 

 

 

Institut für Zeitgeschichte

Nach oben scrollen