PEARL Projektphasen und entsprechende Aktivitäten

Das Sparkling Science Projekt PEARL erstreckt sich über den Zeitraum von Anfang 2015 bis Jänner 2017. Wie im Navigationspunkt Projektbeschreibung erklärt, liegt der leitende Gedanke in einer kollegialen Kooperation zwischen den beteiligten Schulen und deren Schüler/innen und dem wissenschaftlichen Projektteam.

Der Projektverlauf ist durch fünf aufeinander aufbauende Phasen gekennzeichnet, in denen die beteiligten Akteure unterschiedliche Aufgaben, Rollen und Aktivitäten übernehmen:

 

projektphasen

 

Weite Informationen zu den einzelnen Phasen erhalten Sie nachfolgend:

Phase I (Jan - Mai 2015) 

Kick-Off Veranstaltungen

Diese 2-3 stündige Kick-Off Veranstaltung an den beteiligten Schulen HTL Innsbruck und HLT Bludenz diente einerseits dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Aufbau eines gemeinsamen, kollegialen Arbeitsverständnisses (Schüler/innen als Co-Forscher/innen). Andererseits wurden inhaltlich die Erfahrungen und Eindrücke der bisherigen Praktika erfasst. Die Schüler/innen beantworten einen quantitativen Fragebogen über ihre Einschätzungen zur Qualität der im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung absolvierten betrieblichen Praktika. Zudem wurden in Murmelgruppen folgende Leitfragen diskutiert und dokumentiert: Was habe ich im Praktikum gelernt? Was hat mir während des Praktikums gefehlt? Wie würde ich ein idealtypisches Praktikum gestalten? Als Einstieg für den nächsten Workshop forderten wir die Schüler/innen auf ein Objekt, welches sie mit ihren bisherigen Praktika (emotional) verbinden, mitzubringen.

Poster PEARL

Workshop I: Einsichten und Methoden der qualitativen Sozialforschung

Am Beginn dieses 3 stündigen Workshops spiegelten wir die Ergebnisse der quantitativen Befragung und der qualitativen Erarbeitungen der Schüler/innen zu ihren Erfahrungen vergangener Praktika wider. In einem weiteren Schritt reflektierten die Schüler/innen ihre mitgebrachten Praktikums-Objekte anhand folgender Leitfragen: Was drückt das Objekt für mich aus? Was bedeutet das Objekt für mich? Was löst das Objekt bei mir aus?. Diese Übung sollte deutlich machen, dass Objekten Handlungspotential innewohnt und sie als Repräsentationsformen flüchtiger Lernerfahrungen agieren können.

Um die Forschungskompetenz der Schüler/innen zu festigen, stellten wir am Beginn die Phasen und den Ablauf eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts vor. In Abgrenzung zu einem Ausschnitt des Films „Kitchen Stories“ erarbeiteten wir gemeinsam ein Verständnis sozialwissenschaftlicher, qualitativer Feldforschung. Wir präsentierten den Schüler/innen die PEARL-Toolbox, ein Dokument, welches sechs qualitative Forschungsmethoden kurz vorstellt. Im Anschluss daran diskutierten die Schüler/innen den möglichen Einsatz dieser Instrumente in ihren kommenden Praktika.

Zur Festigung und als Methodenübung sollten die Schüler/innen eine Praxisunterrichtseinheit (Werkstätten-Unterricht, Praxisunterricht in der Gastronomie und Hotelerie) mit Hilfe der vorgestellten Instrumente erforschen und dokumentieren.

Praktikumsobjekte der Schüler/innen der HLT Bludenz

Praktikumsobjekte der Schüler der HTL Innsbruck

Forschungskreislauf

PEARL Toolbox

Workshop II: Erarbeitung und Festigung des individuellen PEARL-Forschungsplans

Als Einstieg in diesen drei stündigen Workshop präsentierten wir den Schüler/innen die Analysen ihrer Objekteassoziationen und die Auswertungen ihrer Dokumentationen zum Praxisunterricht. Schon durch diese kurze Feldforschung Praxisunterricht wurde ein buntes, vielschichtiges und komplexes Netz von Lern- und Erfahrungsräumen, als auch deren positive und negative Rahmenbedingungen erkennbar.

In einem zweiten Schritt erarbeiteten die Schüler/innen anhand von Leitfragen ihren individuellen Forschungsplan für ihr Praktikum: als autoethnographische Forscher/innen überlegten sie, welche Methoden und Instrumente zur Erfassung von Lern- und Erfahrungsräumen sie wann, wie und warum in ihrem Praktikum einsetzen wollen. Das PEARL-Projektteam stand beratend und impulsgebend zur Seite.

Impressionen vom zweiten Workshop an der HLT und HTL

Objekte und Praxisunterricht HLT

Objekte und Praxisunterricht HTL

Leitfragen zum individuellen Forschungsplan

Workshop III: Welcome to the University

Zu diesem letzten Workshop vor dem Praktikum luden wir die Schüler/innen an die Universität Innsbruck ein. Treffpunkt war der Vorplatz der Universitäts- und Landesbibliothek: Von hier aus starteten wir zu einer Sonderführung zu den historischen Buchbeständen, der Entstehung und den Wesensmerkmalen handgeschriebener und gedruckter Bücher, als auch einer weiteren Führung durch die Räumlichkeiten der Bibliothek und anschließender Information zur effizienten Literaturrecherche in Bibliothekskatalogen, Datenbanken und Zeitschriften.

Gemeinsam ging es dann Richtung Campus Universitätsstraße, der die Fakultäten für Betriebswirtschaft, Politikwissenschaft und Soziologie, Volkswirtschaft und Statistik, sowie die katholisch-theologische Fakultät beheimatet. Frau Prof. Ostendorf gestaltete einen Vortrag zum Thema „wissenschaftliches Arbeiten und wissenschaftliche Redlichkeit“.

Die bisherigen PEARL-Workshops dienten nicht nur der Festigung der Forschungskompetenz für die Feldforschung im Praktikum, sondern auch als Hilfe für die Anfertigung der Diplomarbeit Neu.

Als Abschluss überreichten wir jedem Schüler/ jeder Schülerin die PEARL-Forschungsbox, welche ein individuell gestaltetes Logbuch, einen USB-Stick, einen Marker und Post-it beinhaltet und die den Schüler/innen während des Praktikums als Dokumentationsort für die Erforschung ihres Praktikums dienen soll.

wissenschaftliches Arbeiten

Phase II (Juni - September 2015)

Im Sommer 2015 erforschten die Schüler/innen der 4AHLT und 4 BHLT (Tourismusschule Bludenz), als auch die Schüler der 4AHEL und 4BHEL (HTL Innsbruck-Anichstr.) ihre Praktika. Ausgestattet mit der PEARL Forschungsbox und wissenschaftlich geschult im Sammeln und Dokumentieren von Daten waren die Schüler/innen in einer Doppelrolle unterwegs: als Praktikant/in in dem jeweiligen Betrieb und als ethnographische Forscher/in interessiert an den Lern- und Erfahrungsräumen in Praktika.

Das PEARL Team war Ansprechpartner bei (wissenschaftlich methodischen) Fragen und erinnerte die Schüler/innen alias Praktikant/innen alias Forscher/innen via Social Media immer wieder an ihre Forschungsfragen.

Nach Abschluss der Phase II haben wir die Schüler/innen der HLT Bludenz und der HTL Innsbruck gebeten, ein kurzes Statement zu ihren autoethnographischen Erforschungen der Praktika zu verfassen. Das nachfolgende Video liefert Blitzlichter über die Lernerfahrungen im Praktikum als auch im Projekt PEARL.

Link zum Video


Phase III (Oktober 2015 - April 2016)

Von den insgesamt 88 Schüler/innen der zwei Kooperationsschulen HLT Bludenz und HTL Anichstraße Innsbruck waren 59 Schüler/innen im Sommer 2015 in einem Praktikum tätig. Die knapp 60 Praktikant/innen wurden an zwei Tagen im Oktober an die Fakultät für Betriebswirtschaft eingeladen und das PEARL-Projektteam führte mit ihnen Material-stimulierte Interviews durch. Einerseits dienten die leitfadengestützten Interviews der kommunikativen Validierung des Materials der jugendlichen Forscher/innen, andererseits erweiterten die reflexiven, qualitativen Gespräche den Datenpool zur anstehenden Analyse der Lern- und Erfahrungsräume im Praktikum.

Das PEARL-Team, drei studentische Mitarbeiter/innen als auch Masterstudierende der Wirtschaftspädagogik Innsbruck transkribieren, digitalisieren und archivieren das vielfältige Datenmaterial. Erste Klassifizierungen des Materials auf Basis des Grounded Theory Ansatzes wurden mit der QDAS (Qualitative Data Analysis Software) atlas.ti vorgenommen.

Ausgehend von diesen offenen Kodierungen spiegelte das PEARL-Team erste Ergebnisse und Interpretationen zuerst den Schüler/innen der Tourismusschule Bludenz wider. In einem Nachmittagsworkshop im April 2016 partizipierten die Schüler/innen an der Ergebnissicherung der Daten aus ihren Praktika. Das PEARL-Projektteam stellte in groben Zügen die qualitative Erstauswertung des Datenmaterials vor und verwies auf Gütekriterien qualitativer Datenauswertung: Im Sinne einer kommunikative Validierung und einer gemeinsamen Auswertung und Interpretation der Daten bekam jede/r Schüler/in eine erste Kodierung ihres/seines Praktikumsfalls überreicht. Die Schüler/innen sollten die Kodes auf ihre Gültigkeit und Wichtigkeit im Praktikum einschätzen und kommentieren.

Der zweite Teil des Nachmittags war als Innovationsworkshop konzipiert. Dem Fördergeber Sparkling Science entsprechend stellten wir uns den Fragen, wie die Einsichten und Erfahrungen aus dem Projekt PEARL nachhaltig und längerfristig für die Schule nutzbar gemacht werden könnten. Folgende Transferfragen wurden in einem Open-Space-Setting gemeinsam bearbeitet: Welche Einsichten hattet ihr durch PEARL, die man für jüngere PraktikantInnen nutzen könnte? Wenn ihr nochmals ein Praktikum machen müsstest: Was würde euch helfen, um eure ForscherInnenrolle gut umzusetzen?“. Auch die didaktische Frage einer wissenschaftspropädeutischen Ausbildung in berufsbildenden Schulen wurde mit den Schüler/innen erarbeitet.

Workshop HLT "Ergebnissicherung und -interpretation"

Vorlage "Validierung der Kodierungen"

Präsentation "Erste Ergebnisse der Auswertungen HLT"

Phase IV (Mai - September 2016)

Die Phase IV des PEARL Projekts ist in zwei unterschiedliche Aufgabenbereiche geteilt:

Einerseits arbeitete das PEARL Projektteam intensiv an der wissenschaftlichen Dissemination der Projektergebnisse. Das Forschungsteam war mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten (Betreuung von Novizen, Mini PEALR als ein Ansatz des forschenden Lernens in BHS, Lernräume im Betriebspraktikum, ...) an Konferenzen im In- und Ausland präsent. Zwei Publikationen in der aktuellen wissenplus Sonderausgabe Wissenschaft (10. Wirtschaftspädagogik-Kongress) beziehen sich auf erste Ergebnisse und Analysen aus dem Datenmaterial von PEARL. Weitere Informationen finden Sie auf der PEARL-Website im Bereich „Publikationen“.

Andererseits nützten wir den Sommer 2016 um eine weitere Feldforschungsphase mit den SchülerInnen durchzuführen. Für diese zweite Erforschung der Praktika kooperierten das PEARL Team wieder mit der HLT Bludenz. Ausgestattet mit einem Erkundungsauftrag „betriebliche Betreuung von Praktika“ waren SchülerInnen der ersten vier Jahrgänge (je eine Klasse/Jahrgang)  als Junior ForscherInnen tätig. Zusätzlich überreichten die SchülerInnen ihren PraktikumsbetreuerInnen im Betrieb einen Link für einen online Fragebogen zu diesem Thema.

Mit Oktober 2016 hatten wir zusätzlich zur ersten Feldphase im Sommer 2015:

  • 118 Erkundungsaufträge
  • 40 ausgefüllte online Fragebögen von betrieblichen Betreuungspersonen

Phase V (Oktober 2016 - Dezember 2017)

Das PEARL Team startete mit zwei intensiven Klausurtagen vom 26. auf den 27.Oktober im Bildungshaus St.Matrei am Brenner in diese fünfte Phase. Während dieser zwei Tage arbeiteten wir an dem Grobentwurf eines Lehrbuchs zum Themenkomplex Pflichtpraktika in berufsbildenden Vollzeitschulen. Auf Basis des Materials und der Interpretationen der SchülerInnen, als auch unserer wissenschaftlichen Analysen des Materials wurde deutlich erkennbar, dass das Öffnen des Lernraums Praktikums ein zentrales Element für eine nachhaltige, kompetenz- und professionserweiternde Praktikumserfahrung darstellt. Im Lehrbuch wird die Idee einer konnektivitätsorientierten Praktikumsdidaktik für die zentralen Akteure Schule, SchülerIn alias PraktikantIn und Betrieb entfaltet. Geplant ist das Erscheinen des Lehrbuchs für Ende 2017.

Das vielfältige Datenmaterial aus der autoethnographischen Feldforschung der SchülerInnen im Sommer 2015 wurde in Phase III vom PEARL-Team im Verständnis einer Grounded Theory offen kodiert und diese Kodierungen durch die SchülerInnen kommunikativ validiert. Mit Beginn 2017 unterzog das PEARL-Team die Daten der zweiten, selektiven Kodierungsphase, um alle relevanten Kategorien für das Phänomen „Öffnen des Lernraums Praktikum“ zu erfassen. Zusätzlich arbeitet ein studentische Mitarbeiterin an der quanitativen Auswertung der betrieblichen Fragebögen. Die Auwertung der Erkundungsaufträge wird durch Studiernde des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik in Zusammenarbeit mit dem Projektteam erfolgen.

Am 04. Juli 2017 war die Abschlussveranstaltung des Sparkling Science Projekts PEARL, zur der am Thema interessierte Person eingeladen waren. Der Nachmittagsworkshop startete mit einem Referat der Projektleiterin Prof. Annette Ostendorf. Sie beschrieb die Facetten des Lernraums Praktikum und stellte das Innsbrucker Modell einer konnektivitätsorientierten Praktikumsdidaktik vor. Nach einer Stärkung bei Kaffee und Kuchen boten vier Stationen tiefere EInblicke und einen kommunikativen Austausch zum Thema. Die vier Stationen repräsentierten  drei zentrale Akteure des Lernraums Praktikum und weiters wurde als vierte Station ein konkretes Instrument vorgestellt.

Abschluss_2

Eine Station gab Einblicke, mit welchen Instrumenten und Methoden die SchülerInnen angehalten wurden, über ihre Praktikumserfahrungen zu reflektieren.

Abschluss_3

Die zweite Station widmete sich den Rollen, Aufgaben und Verantwortungen des Akteurs Schule, der besonders in der Vor- und Nachbereitung eine zentrale Postion einnimmt.

Abschluss_4

An der dritte Station wurden die Aufgaben des Akteurs Praktikumsstätte diskutiert, dem unterschiedliche strukturelle und betreuende Pflichten besonders während des Praktikums zugeteilt sind.

Abschluss_1

Eine vierte Station stellte den Prototyp einer online Praktikumsbörse vor, welche von zwei Wirtschaftspädagogik-StudentInnen im Zuge ihrer Masterarbeit programmiert wurde.

Folien zum Vortag von Annette Ostendorf

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