Fünf Personen sitzend auf Stühlen vor einer Leinwand

Im Podiumsgespräch präsentierten Nikolaus Potapow vom Startup Datum Coffee, Teresa Weber vom Arbeitsbereich für Umwelttechnik und Maschinenbauer Hannes Grissemann ein gelungenes Beispiel für die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft.

Wissen­schaft und Wirt­schaft auf Augen­höhe

Mit „Wissen.Wirtschaft.Wirkung – Indus­trie und Forschung im Dialog“ haben die Univer­sität Inns­bruck, die Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung Tirol und die Wirt­schafts­kammer Tirol am 30. September ein neues Veran­stal­tungs­format gestar­tet. Unter dem Jahres­motto „Materialien & Prozesse“ trafen Forschende auf Unter­neh­mer:innen mit dem Ziel, Hemm­schwellen abzu­bauen und neue Koope­ra­ti­onen anzu­sto­ßen.

Der Auftakt fand ganz bewusst nicht auf dem Campus statt, sondern im Festsaal der Bauakademie im WIFI Tirol. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Transferstelle Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft und dem Vizerektorat für Forschung gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol. In monatelanger gemeinsamer Vorbereitung entstand ein Format, das konsequent auf Partnerschaft setzt: Moderation, Vorträge und Gesprächsrunden waren durchgehend mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft besetzt. Auch der Umgangston war Programm – auf Titel wurde verzichtet, man war per Du.

„Wir wollen eine Begegnungszone schaffen, in der sich Unternehmer:innen und Forschende noch öfter treffen und noch mehr kooperieren“, sagte Sara Matt, Leiterin der Transferstelle, die gemeinsam mit Michael Mairhofer, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Tirol, durch den Nachmittag führte. Dabei sei Kooperation weit mehr als das große gemeinsame Forschungsprojekt: „Wir möchten jede Interaktion fördern und unterstützen.“ Schon ein Gespräch mit der richtigen Expertin oder dem richtigen Experten, eine Abschlussarbeit oder ein Prüfauftrag könnten Türen öffnen. Für Mairhofer ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft ein Standortthema: Bei einer Technologiereise an die ETH Zürich habe sich gezeigt, welche Bedeutung ein starker Forschungsstandort für den Wirtschaftsstandort habe.

Wissen, das hinausgeht

„Universitäten produzieren Wissen. Aber dieses Wissen soll nicht bei uns bleiben, sondern hinausgehen“, betonte Vizerektor Gregor Weihs. Dabei gehe es nicht nur um geistiges Eigentum, sondern auch um Know-how darüber, wie Dinge wirklich funktionieren. „Wenn wir immer nur unsere eigenen Sachen machen und nur mit den Expert:innen darüber reden, wird am Ende die Menschheit nicht weiterkommen.“ Erste Anlaufstellen für Unternehmen seien die Transferstelle und das projekt.service.büro. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten aber oft Berührungsängste, „da ist es besser, man trifft jemanden persönlich, bei Veranstaltungen wie dieser, wo man einfach einmal nachfragen kann.“

Zahlreiche Personen auf einer Bühne

Organisiert wurde das Event von der Transferstelle Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft und dem Vizerektorat Forschung gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol.

Was sich die Wirtschaft von der Universität wünscht, schilderten Albert Rössler, Leiter der F&E-Arbeitsgruppe der Industriellenvereinigung Tirol, und Markus Dax, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Tirol. Für Rössler entsteht erfolgreiche Zusammenarbeit über Vertrauen und gegenseitiges Verständnis – auch dafür, dass Universität und Unternehmen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten arbeiten. Langfristig brauche es eine gemeinsame Forschungsagenda, eine stärkere Brücke zur anwendungsorientierten Forschung, mehr Spin-offs und klare Schwerpunkte: „Wenn man den Fokus auf ein oder mehrere Themenfelder legt, dann entsteht Exzellenz. Mit der Gießkanne wird das nicht gelingen.“ Dax hob hervor, dass gerade Gewerbe und Handwerk bislang wenig Berührung mit der Wissenschaft hätten. Er selbst habe vor 15 Jahren über die Transferstelle erstmals mit der Universität zusammengearbeitet und dabei festgestellt: „Mit den Leuten an den Instituten kann man wirklich etwas schaffen, vor denen braucht man keine Angst zu haben.“

Von Quantenphysik bis Kaffeeröstung

Einen Einblick in die Spitzenforschung der Universität gab die Wissenschaftlerin des Jahres 2026 Francesca Ferlaino, in ihrem Impulsvortrag „A new frontier called quantum“. Wie langfristige Kooperation in der Praxis aussieht, zeigten anschließend Hubert Huppertz vom Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie und Martin Straßburg, Direktor bei ams-OSRAM International: Seit über 15 Jahren arbeiten sie gemeinsam an neuen Leuchtstoffen für LEDs. Dass auch Start-ups, Universität und KMU erfolgreich zusammenfinden, bewiesen Nikolaus Potapow (Datum Coffee), Teresa Weber vom Arbeitsbereich für Umwelttechnik und Hannes Grissemann (Maschinenbau Grissemann, Kufstein) mit ihrem Projekt zur Entwicklung eines Open-Source-Kaffee-Ökosystems, unterstützt durch die Tiroler Innovationsförderung.

Thementische für den direkten Austausch

Nach kompakten Kurzpräsentationen unter dem Titel „F&E-Expertise auf den Punkt gebracht“ ging es an den Thementischen in den persönlichen Austausch. Die Bandbreite reichte von 3D-Druck von Metallen und Dünnschicht-Technologien über die zerstörungsfreie chemische Analyse von Rohstoffen bis zu neuen Materialien aus Hanf, Holz, Pilzen oder Abfallstoffen. Am Institut für experimentelle Architektur wird etwa mit Vulkanfiber geforscht, einem der ältesten Bio-Kunststoffe der Welt, der als ökologische Alternative zu Plastik, Metall und Holz neue Anwendungen in Architektur und Design ermöglicht. Unternehmen wie IONICON, ADLER-Werk Lackfabrik, Tiroler Rohre und Steka-Werke präsentierten ihre Forschungsthemen und Kooperationsmöglichkeiten.

Karolin Schmidbaur hat mit ihrem Team eigens für die Veranstaltung Exponate und Installationen entwickelt.

Fortsetzung folgt

Der Auftakt ist erst der Beginn: Im Laufe des Studienjahres folgen Labor- und Institutsführungen an der Universität, Firmenbesuche vor Ort sowie Workshops und Vernetzungsformate in kleinen Gruppen. Dort sollen Kontakte vertieft und konkrete Kooperationsprojekte angebahnt werden. „Ein Erfolg wäre für uns, wenn die Folgeveranstaltungen Zulauf haben und sich das Format als etwas etabliert, mit dem wir jedes Jahr aufs Neue starten, an der Uni und draußen in den Betrieben“, so Vizerektor Weihs.

Mehr Informationen zu der Veranstaltungsreihe unter: 
www.uibk.ac.at/de/transferstelle/wissenwirtschaftwirkung

  • Nach oben scrollen