Im Rahmen der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik diskutierten Forscher:innen, Praktiker:innen und Entscheidungsträger:innen an der SOWI aktuelle wirtschaftspolitische Fragen und stellten sich den großen Herausforderungen einer zunehmend konfliktreichen und polarisierten Gesellschaft und globalen Wirtschaft.
Wirtschaftswissenschaftler:innen und wirtschaftspolitischen Expert:innen des deutschsprachigen Raums und internationale Kolleg:innen in Innsbruck willkommen zu heißen bietet nicht nur die Möglichkeit für den Austausch neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern schafft vor allem Räume für persönliche Begegnungen, neue Kooperationen und den Austausch über Disziplinen und Ländergrenzen hinweg. Zentrales Thema der diesjährigen Konferenz waren die neuesten Entwicklungen der Verhaltensökonomik und ihre Bedeutung für wirtschaftspolitische Entscheidungen, Kommunikation und die Gestaltung ökonomischer Rahmenbedingungen.

Jürgen Huber bei der Begrüßung im Rahmen der Keynote Session von Ernst Fehr.
Die Universität Innsbruck versteht sich dabei nicht nur als Veranstaltungsort, sondern als aktive Gastgeberin und wichtiger Baustein eines internationalen wissenschaftlichen Netzwerks. Die Möglichkeit, mit Unterstützung der Österreichischen Nationalbank, des WIFO Instituts, des Instituts für Höhere Studien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sowie der Deutschen Bundesbank führende Vertreter:innen der Wirtschaftsforschung in Innsbruck zusammenzubringen, stärkt die Sichtbarkeit des Standorts und eröffnet zugleich neue Perspektiven und Kontakte für die Forschenden der Universität Innsbruck.
Verleihung des Stolper-Preises an Gabriel Felbermayr
Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des renommierten Stolper-Preises an Gabriel Felbermayr, Präsident des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Ausgezeichnet wurde er für die prägende Wirkung seiner Forschung auf die öffentlichen wirtschaftspolitischen Debatten in Österreich und Deutschland. In seiner Dankesrede richtete Felbermayr den Blick auf grundlegende Veränderungen der internationalen Wirtschaftsordnung.
Überzeugungen wie das Bekenntnis zu freiem Welthandel und einer offenen technologischen Entwicklung würden durch zunehmend aggressive Handelskonflikte und die strategische Nutzung neuer Technologien – etwa der künstlichen Intelligenz – zunehmend infrage gestellt. Daraus leitete Felbermayr die Forderung nach einer Wirtschaftswissenschaft und Politikberatung ab, die politische Konflikte und gesellschaftliche Bruchlinien stärker in den Mittelpunkt rückt.

Ansprache von Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Rahmen des BTV-Empfangs.
Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Alumnus der Universität Innsbruck, Martin Kocher, schloss sich in seinen Beiträgen dieser Diagnose an. Er betonte insbesondere die Bedeutung zunehmend polarisierter individueller Erwartungen und Wahrnehmungen auch im Hinblick auf konjunkturelle und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen.
Für Markus Walzl, Organisator der Tagung und Dekan der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik, liegt gerade darin eine zentrale Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft: „Wenn Weltbilder und Grundüberzeugungen immer weiter auseinanderdriften und Reformen vor allem als Nullsummenspiel zwischen Gewinnern und Verlierern verstanden werden, wird die notwendige Konsensbildung schwieriger und fragiler. Gerade deshalb müssen wir Weiterentwicklungen als Chance für alle begreifen, gemeinsam Neues schaffen und lernen, voneinander zu profitieren – andernfalls nehmen Polarisierung und die damit verbundenen internationalen und innergesellschaftlichen Konflikte weiter zu.“
Die Jahrestagung hat sehr deutlich zeigen können, welchen Beitrag hierzu die Wissenschaft und die Universität Innsbruck im Besonderen leisten können: Sie schaffen Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven ausgetauscht, wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeitet und neue gemeinsame Zugänge entwickelt werden können.
Die Universität Innsbruck freut sich, in den vergangenen Tagen Gastgeberin für mehr als 600 Forscher:innen gewesen zu sein und damit einen wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen Austausch im deutschsprachigen Raum und mit Forscher:innen aus der ganzen Welt geleistet zu haben. Dass Expert:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aber auch Forscher:innen u.a. aus Harvard, Stanford und Yale nach Innsbruck kommen, hier präsentieren, diskutieren und sich vernetzen, ist zugleich eine Anerkennung für die wissenschaftliche Arbeit am Standort und eine Chance, die Universität Innsbruck noch stärker als internationalen Ort des wissenschaftlichen Dialogs zu positionieren.
Wissenschaft lebt von Begegnung – und die Universität Innsbruck hat mit dieser Tagung einmal mehr gezeigt, wie wichtig solche Begegnungsräume sind und wie gut sie sie bereitstellen kann.
Das Organisationsteam der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik sowie des Forschungsschwerpunkts EPoS (Economy, Politics, and Society) bedankt sich bei allen Universitätsmitgliedern, die für diese Tagung vor Ort so erfolgreich zusammengearbeitet haben.
(Eva Zipperle-Mirwald, Markus Walzl und Tobias Haller)







