Was passiert, wenn man PhDs und Faculty aus unterschiedlichen Forschungsbereichen auf über 1.900 Meter Seehöhe bringt, sie mit eigenen Arbeitsplätzen, Kaffee, Essen, Schreibcoaches, Netzwerkgelegenheit und ziemlich beeindruckender Bergkulisse versorgt? Im besten Fall: sehr viel Text und noch mehr gute Gespäche. Und manchmal auch die Erkenntnis, dass eine Runde Yoga oder ein Spaziergang wirklich wichtig für den nächsten guten Absatz sein können.
Auch in diesem Jahr bot der DK-X-Change wieder Raum für genau das: konzentriertes wissenschaftliches Schreiben, Austausch über Fachgrenzen hinweg und die Möglichkeit, für ein paar Tage aus dem üblichen Arbeitsalltag auszusteigen.
Kennernlernen und Ziele setzen
Los ging es mit der vielleicht wichtigsten Frage jeder wissenschaftlichen Veranstaltung: Who is who and what is going on? In der gemeinsamen Vorstellungsrunde lernten sich die Teilnehmenden und die beteiligten Doktoratskollegs kennen, bevor es beim Kick-off der Schreibwerkstatt ans Eingemachte ging: Was möchte ich in dieser Woche eigentlich schaffen? Was ist realistisch? Und womit fange ich an?
Unterstützt von den Schreibcoaches wurden in der Schreibwerkstatt Ziele definiert, Schreibprojekte konkretisiert und geregelte Arbeitsrhythmen ausprobiert. Für die PhDs bildete die Schreibwerkstatt den Rahmen, während sich die Faculty in die Bibliothek zurückzog, um dort ebenfalls an eigenen Projekten zu arbeiten.

Konzentriertes Arbeiten in der Schreibwerkstatt
Schreibtisch, Kaffee und Schreib-Strategien
Neben den gemeinsamen Schreibzeiten gab es individuelle Writing Consultations, in denen Fragen rund ums Schreiben, Zeitmanagement besprochen oder Textfeedback eingeholt werden konnten. Bei den Round Tables ging es um Schreibstrategien, die Nutzung von textgenerierenden KI-Tools im Schreibprozess (gemeinsam mit dem Bereich Digitalisierung) und die Frage, wie man einen Diskussionsteil schreiben kann.
Eine Erkenntnis zog sich dabei durch die Woche: Die Dissertation wird leider auch in Obergurgl nicht über Nacht fertig. Aber sie wird überschaubarer, wenn man sie in kleine Portionen zerlegt.
Oder auch: Sitzen. Schreiben. Pause machen. Repeat.
Wissenschaft trifft Familienleben – und plötzlich weht ein anderer Wind
Und dann waren da noch die kleinen Teilnehmer:innen, die beim DK-X-Change für ordentlich frischen Wind sorgten. Denn Familienfreundlichkeit bedeutet in Obergurgl nicht nur, dass Kinder mitkommen dürfen, sondern dass sie wirklich Teil der Woche werden. Dank der täglichen Kinderbetreuung können PhDs und Faculty ihre Kinder mitbringen und während die Großen über ihren Texten saßen, sammelten die Kinder Eindrücke und Steine, erlebten gemeinsam Abenteuer und fanden neue Freunde.
So wurde ganz praktisch erlebbar, dass Wissenschaft und Familie kein Gegensatz sein müssen – im Gegenteil: Beim DK-X-Change gehören sie ganz selbstverständlich zusammen. Möglich gemacht wird dieses familienfreundliche Konzept auch durch die finanzielle Unterstützung des Rektorats. Denn manchmal braucht es eben nicht nur einen guten Schreibplatz, sondern auch jemanden, der mit den Kindern auf Entdeckungstour geht.
X-Change heißt aber nicht nur Schreiben
Mindestens genauso wichtig wie die konzentrierte Arbeit war der Austausch. Beim Faculty-X-Change diskutierten Faculty-Mitglieder der verschiedenen Doktoratskollegs organisatorische und strategische Themen, befassten sich mit der Frage, wie Academic AI Lehre und Studium verändert, und gingen der Frage nach, welche neuen Synergien durch die Begegnungen in Obergurgl in den vergangenen Jahren entstanden sind.
Und auch für die PhDs zeigte sich einmal mehr: Manchmal kommen die besten Gedanken nicht am eigenen Schreibtisch, sondern im Gespräch mit jemandem, der vom eigenen Forschungsgebiet zunächst einmal herzlich wenig Ahnung hat.
Genau diese interdisziplinären Begegnungen machten für viele einen besonderen Reiz der Woche aus.
Und wenn der Kopf voll ist? Dann hilft Bewegung. Neben den Schreibsessions blieb deshalb auch Zeit, um die Bergwelt rund um Obergurgl zu erkunden oder bei den Yoga-Sessions Körper und Gedanken wieder einigermaßen zu entknoten.
Für Abwechslung sorgten außerdem die DK-Challenge und das campusKino@UZO mit dem Film „Requiem in Weiß“. Ein weiterer Programmpunkt führte zum Gedächtnisspeicher und zur Ausstellung anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl.
Mit frischem Kopf zurück ins Tal
In der abschließenden Runde wurde reflektiert: Was hat funktioniert? Was lässt sich mitnehmen? Und was soll beim nächsten Mal verändert und wiederholt werden?
Die Antworten lassen sich ungefähr so zusammenfassen:
- Ziele setzen.
- Den eigenen Schreibrhythmus finden.
- Routinen entwickeln.
- Große Aufgaben in kleine Pakete zerlegen.
- Pausen machen.
- Für Balance sorgen.
- Und: Mit Menschen reden, die andere Perspektiven mitbringen.
So bleibt vom DK-X-Change 2026 neben neuen Texten und frischen Ideen vor allem eine Erkenntnis: Gute Wissenschaft braucht Konzentration und Struktur – aber manchmal eben auch Berge, Yoga, Kaffee und die richtigen Menschen am Nebentisch.
Herzlichen Dank an das Rektorat, das Vizerektorat für Forschung und die Alpine Forschungsstelle Obergurgl für die großzügige Unterstützung; an die Forschungsschwerpunkte „EPoS“, „Kulturelle Begegnungen - Kulturelle Konflikte“ und „Alpiner Raum“, das CGI, die Transferstelle Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft, die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol sowie das Amt für Mobilitätsplanung des Landes Tirol für die gute Kooperation.
(Eva Zipperle-Mirwald & Daniela Rothe)
