Unter der Schutzherrschaft ihres Wappentiers, des Dinosauriers, erfreuten sich die Teilnehmer:innen an einer berauschenden Vielfalt an Themen: Von „Aspetta un po’ / Woart a biss(er)l! Interaktions-, pragma- und kontrastiv-linguistische Einblicke in das Funktionsprofil der Partikel un po’ und ihrem deutschen Äquivalent a biss(er)l“ über „¡Trágame tierra! – Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken!: Die phraseologische Produktivität der Scham, deutsch-spanisch kontrastiv“ und „Da haben wir den Salat!: Kürbiskernöl und Balsamicoessig als regionale Spezialitäten und ihr Auftritt im Internet“ bis hin zu „¡De ninguna manera! Auf keinen Fall! Unstimmigkeit monologisch und multimodal im Sprachenpaar Deutsch-Spanisch“.
Die Tagung wies eine hohe sprachliche Vielfalt auf – es wurde in nicht weniger als 6 Sprachen referiert: Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch und Portugiesisch. Noch mehrsprachiger waren die Themen, die nicht weniger als 27 verschiedene Sprachen behandelten: Neben dem Deutschen (44 Vorträge) kamen 15 romanische Sprachen und Varietäten vor, nämlich Französisch (35), Spanisch (34), Italienisch (30), Portugiesisch (11), Rumänisch (8), Katalanisch (6), Aragonesisch (1), Galicisch (1), Napoletanisch (1), Okzitanisch (1), Piemontesisch (1), Rätoromanisch (1), Sardisch (1), Sizilianisch (1) und Valencianisch (1); und an nicht-romanischen Sprachen gab es bei den germanischen Sprachen noch Englisch (12), Niederländisch (1), Dänisch (1) und Schwedisch (1) sowie bei den slawischen Sprachen Kroatisch (1) und Mazedonisch (1); dazu kamen noch Litauisch (1) und Griechisch (1), und bei den nicht indoeuropäischen Sprachen Ungarisch (1) und Maltesisch (1). All diese Sprachen wurden in den verschiedensten Kombinationen miteinander verglichen: Es gab 37 Vorträge, in denen ein Vergleich zwischen 2 Sprachen angestellt wurde, 14 Vorträge, die 3 Sprachen verglichen, und immerhin weitere 7 Vorträge mit 4 Sprachen und 5 Beiträge mit 5 Sprachen. Schließlich widmeten sich 4 Vorträge sogar dem Vergleich von 6 bis 9 Sprachen. Somit waren nicht weniger als 38 verschiedene Sprachkombinationen vertreten, von gängigen Paarungen wie Deutsch-Spanisch (die häufigste Paarung) bis hin zu bunt gemischten Cocktails wie Deutsch, Dänisch, Italienisch, Rumänisch und Französisch, oder Englisch, Deutsch, Schwedisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch.

Dinosaurier von Jules Dias Meulleman - Das Wappentier der Sprachvergleichstagungen.
Dinosaurier von Jules Dias Meulleman - Das Wappentier der Sprachvergleichstagungen.

Zahlreiche Teilnehmer:innen reisten für die Tagung nach Innsbruck. Im Bild die Abschlussveranstaltung.
Die Tagungsreihe, die im Vierjahresrhythmus stattfindet, war 1987 von Prof. Gerd Wotjak in Leipzig ins Leben gerufen worden und hatte dort auch fünfmal stattgefunden. Aufgrund der Pensionierung von Prof. Wotjak heimatlos geworden, übersiedelte sie dank der Initiative von Prof. Eva Lavric (Romanistik) und Prof. Wolfgang Pöckl (Translationswissenschaft) 2008 nach Innsbruck, wo sie nun bereits zum fünften Mal stattfand (2008, 2012, 2016, 2022, 2026). Sowohl die Stammgäste der Tagung als auch eine Reihe neuer Teilnehmer:innen freuten sich sehr über das Zusammentreffen und über den intensiven Austausch mit den Kolleg:innen.
Für die Organisation sorgten die Institute für Romanistik und Translationswissenschaft wie immer gemeinsam, diesmal allerdings in einem teilweise erneuerten Kreis gegenüber der letzten Tagung: Von der Romanistik blieb Eva Lavric trotz Pensionierung dem Organisationskomitee erhalten, ebenso machten Christine Konecny und Carmen Konzett-Firth weiterhin mit; die Translationswissenschaft wurde erstmals von Astrid Schmidhofer vertreten; zusätzlich verstärkten zwei Mitglieder aus dem Ausland das Team: Paul Mayr von der FAU Erlangen-Nürnberg, der schon bei der vorigen Tagung (damals noch als Innsbrucker Student) dabei gewesen war, und Machteld Meulleman von der Universität Reims Champagne-Ardenne. Unterstützt wurde das Organisationsteam von einer kleinen Gruppe von Studierenden (Magdalena Antloga, Loana Élodie Le Bacq, Sofiia Partalian), die gemeinsam nicht nur für die Logistik und für die Gastfreundschaft zuständig waren, sondern auch den Empfang in der Claudiana kulinarisch betreuten. Für die musikalischen Darbietungen (mit Melodien aus verschiedenen romanischen Kulturräumen) sorgte der Tagungsteilnehmer Marco Agnetta (Translationswissenschaft) mit seinem klassischen Streichquartett.
Einen Höhepunkt der Tagung stellten die vier international besetzten Plenarvorträge von Gerda Haßler, Carmen Mellado Blanco, Wolfgang Pöckl und Michael Schreiber dar. Wolfgang Pöckl sprach über Eponymie, d.h. die Verwandlung von Eigennamen in Gemeinnamen – wie im Falle von ein Don Juan, eine Odyssee, ein Zeppelin, usw. In dem Abschnitt über Ortsnamen kam dabei die Stadt Mekka vor, und ein Zwischenruf aus dem Publikum bekundete prompt: „Innsbruck ist das Mekka der Kontrastiven Linguistik!“.
(Eva Lavric)
