Another Other: Queer­ness als das Andere im Anderen

Eine deko­lo­ni­ale musli­mi­sche Spuren­su­che 

96. Inns­bru­cker Gender Lecture mit Sa­boura Naqs­h­band
4. Mai 2027, 18:00

Was geschieht, wenn dekoloniale und queer_feministische Denkbewegungen in einen Kontext übersetzt werden, in dem „Muslimischsein" selbst bereits als das Andere konstruiert wird? Der Vortrag begibt sich auf eine dekoloniale muslimische Spurensuche nach queeren Formen des Denkens, Begehrens und religiösen Lebens jenseits der vermeintlichen Gegensätze von Islam und Queerness. Ausgehend von der Figur des „Anderen im Anderen“ fragt der Vortrag danach, was in Prozessen der Translation verloren geht, wenn westlich-liberale Vorstellungen von Queerness, Emanzipation und Geschlecht auf muslimische Kontexte übertragen werden – und zugleich danach, welche Ausschlüsse entstehen können, wenn queere Perspektiven innerhalb muslimischer Communities unsichtbar gemacht oder als „westlich“ markiert werden.

Im Zentrum steht damit die Frage, wie sich Transformation und Translation verschränken: Wo reproduziert Übersetzung koloniale und heteronormative Ordnungsvorstellungen, wo erzeugt sie Irritation, Öffnung und neue Möglichkeiten? Schließlich wird nach Praktiken gesucht, die sich dieser doppelten Vereinnahmung entziehen: nach queeren muslimischen Formen des Widerstands, der spirituellen Aneignung und der Neuerfindung, die weder in westliche Emanzipationsnarrative noch in vermeintlich „authentische“ Vorstellungen von Muslimischsein vollständig übersetzbar sind. Das Nicht-Übersetzbare wird dabei nicht als Defizit, sondern als produktiver Ort dekolonialer Transformation verstanden.

Kommentar: Inès Moumen
Moderation: tba
Vortragssprache: Deutsch

Portriat Saboura Naqshband

Saboura Naqshband (sie/they) ist Politik- und Erziehungswissenschaftler*in, Kulturanthropolog*in und wissenschaftliche Mitarbeiter*in im Fachbereich Grundschulpädagogik / Musisch-Ästhetische Erziehung / Kunstdidaktik der Universität der Künste Berlin.  Sie promoviert und lehrt zu Theorien und Praktiken diskriminierungskritischer ästhetischer Bildung in der postmigrantischen Gesellschaft. Darüber hinaus liegen ihre Schwerpunkte in Rassismuskritik, post-/dekolonialer Theorie, (materialistischer) Intersektionalitätsforschung, kritischer Migrationsforschung, (Queer-)Feminismus, sowie Religion, Sexualität und Geschlecht im Kontext des antimuslimischen Rassismus. They ist außerdem intersektionale Berater*in, tanz- und körperbewegte Empowermenttrainer*in und Performer*in, sowie Mitglied des postkolonialen bildungsLab* und Mitgründer*in des Berlin Muslim Feminists Kollektiv. 

Zuletzt von ihr erschienen ist der Sammelband "Art that Cares - (Kunst)pädagogik als kollektive Fürsorge" (Unrast 2024), sowie die Beiträge "Unlearn Klasse" (in Unlearn Patriarchy II; Ullstein 2024), „Muslimischer Feminismus intersektional“ (BPB 2024), „Becoming European: Muslim* als Queer“ (in (K)ein Kopftuchbuch, Transcript 2023), "decolonize body/Körper" (in Decolonize Erziehungswissenschaften, BeltzJuventa 2023), „Under Surveillance“ (in Double Bind postkolonial, Transkript 2023) und die Pilotstudie "Wer bleibt?-Eine Pilotstudie zu Karrierewegen von BiPoC-Wissenschaftler*innen in der Migrations-, Integrations- und Rassismusforschung" (NaDiRa WP #11, DeZIM 2024). 


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