Projektinhalt
Wenn Menschen zwischen städtischen und ländlichen Gebieten umziehen, geschieht dies oft in bestimmten Lebensabschnitten – und teilweise auch mehr als einmal im Laufe ihres Lebens.
Das INDUST-Projekt will typische Charakteristika von Migrationsverläufen innerhalb des österreichischen Stadt-Land-Systems anhand von Mikrodaten der Statistik Austria aufdecken und untersuchen, inwiefern sich diese im Laufe der Zeit und über Generationen verändert haben. Ziel des Projekts ist es, Urbanisierungsprozesse auf individueller Ebene aufzuschlüsseln. Dabei wird ein longitudinaler Ansatz verfolgt, bei dem individuelle Lebensverläufe im Zeitverlauf verglichen werden, um Aufschluss über das komplexe Zusammenspiel zwischen individuellen Wohnentscheidungen, kontextuellen Faktoren des Lebensverlaufs und der (sozio-räumlichen) Makroebene zu geben. INDUST identifiziert nicht nur die Vielfalt von Binnenwanderungsmustern, sondern erklärt auch, wie diese zu Trends der Urbanisierung (sowie zu Gegentrends) beitragen. Zusätzlich werden zusammenhängende Lebensereignisse wie Bildung, Beschäftigung oder Familiendynamiken sowie wirtschaftliche und ökologische räumliche Trends und deren Einfluss auf Migrationsverläufe in unterschiedlichen Altersgruppen untersucht.
Das Projekt orientiert sich an drei Forschungsfragen:
- Wie sehen typische interne Migrationsverläufe entlang des Stadt-Land-Spektrums für verschiedene Altersgruppen aus, und wie haben sie sich in den letzten 20 Jahren verändert?
- Inwiefern korrespondieren Migrationsverläufe mit Prozessen in anderen soziodemografischen Lebensbereichen (Familiendynamik, Bildung, Erwerbsbeteiligung)?
- Wie werden Migrationsverläufe durch räumliche und sozioökonomische Makrofaktoren beeinflusst?
Methodik
Die Daten werden durch das Austrian Micro Data Center der Statistik Austria zur Verfügung gestellt und mit Hilfe von Längsschnitttechniken analysiert, darunter auch die Methode der Sequenzanalyse. Sie wird verwendet, um den zeitlichen Verlauf von Längsschnittdaten zu beschreiben, zu visualisieren und zu typisieren um so Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Sequenzen und dem zeitlichen Verlauf von Prozessen festzustellen. Eine Sequenz ist eine Abfolge von kategorialen Zuständen, die verschiedene Status, Bedingungen oder Orte und damit unterschiedliche Verläufe beschreiben können. Zur Anwendung kommen auch Multichannel-Sequenzanalysen, ebenso wie Regressions-Modelle um soziale und räumliche Einflussfaktoren in Erfahrung zu bringen. Die Untersuchung zeitlich- sequenzieller Phänomene ist von zentralem Interesse für das Verständnis sozio-räumlicher Prozesse wie Migration oder Urbanisierung.
Projektleitung: Elisabeth Gruber (Universität Innsbruck), Alois Humer (Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW)
Mitarbeit: Fabian Windhager (Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW), Anna Kajosaari (Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW)
Fördergeber: Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Data:Research:Austria
Bearbeitungszeitraum: 01.07.2025 - 30.6.2027