Zur politischen Kultur des Ordens vom Goldenen Vlies: Kontinuitäten in der jüngeren Ordensgeschichte (1919–1973)

„Burgund war der Ausgangspunkt der ganzen Entwicklungen auch bei uns im Donauraum. Denn wir sind ja eigentlich nur mehr Erben der burgundischen Tradition gewesen. Eines der Zentralstücke dieser burgundischen Zivilisation war der Orden des Goldenen Vlieses.“
Dr. Otto Habsburg-Lothringen (1912 bis 2011), Chef und Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies von 1930 bis 2000
Der Orden vom Goldenen Vlies wurde 1430 von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, als weltlicher Ritterorden gegründet, der kraft seines spätmittelalterlichen Statuts nach wie vor in Wien existiert. Durch die Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund gelangte die Ordenssouveränität samt dem kunsthistorisch herausragenden Ordensschatz an das Haus Österreich. Nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie konnte der Orden weiterbestehen – die Gründe hierfür sollen in diesem Projekt beleuchtet werden.
Im Vertrag von Saint-Germain wurde im Sinne einer Rückführung an den ursprünglichen Sitz die Übergabe des Ordensschatzes an das Königreich Belgien vorgesehen; dies wurde jedoch von der Republik Österreich erfolgreich angefochten. Später erfolgte die deklarative Anerkennung des Ordens als Rechtspersönlichkeit durch die österreichische Bundesregierung. Es sollen politische und rechtshistorische Besonderheiten der postmonarchischen Entwicklung einer fast 600 Jahre alten Institution aufgezeigt werden, die nach dem Untergang des Wiener Kaiserhofes als europäisches Netzwerk zum Aufstieg des westlichen Liberalismus beigetragen hat.
Marco Freek