WS2026/27 Master

EP Entwurfsstudio 1
Andreas Rumpfhuber
Wer baut Wien?
Wer baut die Stadt? Im Entwurfsstudio gehen wir dieser Frage nach: Wie stellt sich der vielzitierte Strukturwandel unserer urbanen Lebensräume, unserer Ökonomien und damit unserer Gesellschaft(en) konkret dar? Als Beispiel dient uns die Wiener Stadtproduktion: Wer sind die Akteur/innen, wer erstellt die Konzepte, wer investiert, wer plant?
Der öffentliche Diskurs über Architektur bleibt meist an den Objekten und ihren Autor/innen hängen, sei dies nun geschmäcklerisch oder politisch-ideologisch. Das Entwurfsstudio will diesem Diskurs Material geben und Zusammenhänge sichtbar machen. Durch eine systematische Analyse aktuellen Baugeschehens werden Prozesse der Stadtproduktion konkret sichtbar und diskutierbar gemacht.
Die Forschung stützt sich auf Interviews mit den Akteur/innen der Stadt – Verwaltung, Investor/innen, Bauträger, Architekt/innen – sowie auf das Sammeln von Daten: Wer baut beispielsweise geförderten Wohnbau; wie viele gemeinnützige und wie viele gewerbliche Bauträger gibt es derzeit in Wien, wie hat sich ihre Zahl seit 2015 verändert; wie groß sind diese Unternehmen, und wem gehören sie? Anhand von Case-Studies, z. B. im Wohnungsbau, wird dieses Material vertieft und konkretisiert.
Ziel ist es, den subjektiv wahrnehmbaren Um- und Ausbau der Stadt zu kartographieren. Erst durch die Sammlung und Darstellung empirischen Materials – etwa, wie sich Geschäftsmodelle im Raum verteilen und darstellen – können wir beginnen zu verstehen, wie sich die Stadt konkret verändert. In diesem Sinne setzt die Forschung im Studio die Architektur in Beziehung zu ökonomischen, juristischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Das Master-Entwerfen am Institut für Architekturtheorie vertieft Kompetenzen der räumlich-empirischen Forschung, der Teamarbeit, der (räumlichen) Darstellung von Material sowie des Schreibens von Texten.
Voraussetzung ist die Freude an Recherche – inklusive entsprechender Vorkenntnisse –, am Schreiben und am Zeichnen. Das Studio startet mit dem Kick-off am Mittwoch, 7. Oktober 2026, 9:00 Uhr. Voraussichtlich in KW 44 (26.–30.10.) findet eine Exkursion nach Wien statt – mit Inputs von Akteur/innen, von Forscher/innen sowie einem Methodenworkshop. Output des Studios ist eine Publikation sowie eine gemeinsame Präsentation der Forschungsergebnisse Ende Jänner.

SE Sonderkapitel der Architekturtheorie
Mathieu Wellner
Utopien
Das Seminar widmet sich der Analyse architektonischer Utopien und visionärer Entwürfe für die gebaute Umwelt. Im Mittelpunkt stehen Projekte, Zeichnungen, Texte und Manifeste, die als Visionen, oder Gegenentwürfe zur Realität entstanden sind oder alternative gesellschaftliche, räumliche und technische Zukunftsvorstellungen formulieren. Viele dieser Entwürfe waren ernst gemeinte Projekte ihrer Zeit, deren Realisierung scheiterte, verschoben wurde oder deren Ideen erst Jahrzehnte später wirksam wurden.
Ziel des Seminars ist es, ausgewählte utopische Konzepte, ihre Autor:innen sowie die jeweiligen historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexte zu untersuchen. Aufbauend auf wissenschaftlichen Recherchen und studentischen Referaten werden die entwickelten Zukunftsbilder kritisch reflektiert und hinsichtlich ihrer Relevanz für aktuelle Fragestellungen der Architektur, Stadtentwicklung und gebauten Umwelt neu kontextualisiert.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Übersetzung theoretischer Inhalte in ein öffentlich wirksames Ausstellungsformat. Die Studierenden entwickeln Beiträge, die ausgewählte Utopien für ein gegenwärtiges Publikum aufbereiten und als Teil einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert werden.
Das Seminar untersucht architektonische Utopien als Ausdruck gesellschaftlicher, politischer und räumlicher Zukunftsvorstellungen. Anhand von Projekten, Zeichnungen, Manifesten und theoretischen Texten werden nicht realisierte Entwürfe der Architekturgeschichte analysiert und in Beziehung zu aktuellen Fragestellungen der gebauten Umwelt gesetzt. Neben Referaten und wissenschaftlicher Analyse entwickeln die Studierenden eigene Beiträge zur Vermittlung ausgewählter Positionen, die abschließend im Rahmen einer Ausstellung präsentiert werden.

SE Gendermainstreaming in der Architektur
Katerina Haller
EQUAL SPACE – Gendergerechte Strategien im Spannungsfeld von Gleichheit und Verschiedenheit
Die Lehrveranstaltung reflektiert und analysiert entlang von Schlüsseltexten, künstlerischen Interventionen und Architektur kritisch die Verwobenheit von Geschlecht, Herkunft und Klasse. Was wird und Wer baut Stadt? Wo liegen Reglementierungen und Ausschlüsse, wo mögliche Raumaneignungen und subversive Zwischenräume? Wie kann Gleichheit entwickelt werden ohne Verschiedenheiten zu negieren?
Diesen Fragestellungen werden entlang der disziplinübergreifenden Gender Studies aktiv nachgegangen und fordern ein Nachdenken und Sprechen über geschlechtergerechtes Bauen.

VO Architekturtheorie (Master)
Andreas Rumpfhuber
Unter dem Titel „Die Geschichte zeitgenössischer Architektur“ spüren wir der Genese einer Architektur nach, deren Praxis sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber der Moderne radikal verschoben hat.
Symbolischer Bezugspunkt ist der 8. Februar 1971, die Eröffnung des NASDAQ-Datenzentrums, der ersten vollelektronischen Wertpapierbörse, sowie Nixons Bretton-Woods-Ausstieg am 15. August desselben Jahres – ein Moment, auf den wir im Semester zurückkommen werden. Seither wird Geldproduktion virtuell, Technologie durchdringt die Gesellschaft, und der Neoliberalismus wird zum dominanten Denkmuster – auch der Architekturproduktion, deren Themen sich verschieben.
Die Vorlesung ist deshalb nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut und umkreist, statt einer linearen Erzählung, Themenfelder wie das Wohnen, die Arbeit oder die Freizeit anhand signifikanter Projekte der letzten fünfzig Jahre.
Ziel ist es, den Master-Studierenden ein analytisches Werkzeug an die Hand zu geben, um in den aktuellen Diskursen der Architektur navigieren und im besten Fall eine eigene Position entwickeln zu können.