Call for Papers

Veranstalter: Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck (Ass. Prof. Dr. Elena Taddei / PD. Dr. Robert Rebitsch) und Historisches Seminar – Neuere Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Matthias Schnettger) 

Datum/Ort: 11.-13.9.2014 / Saal New Orleans, Universität Innsbruck

Deadline: 30.11.2013

 

„Reichsitalien“ in Mittelalter und Neuzeit

Die Untersuchungen zu „Reichsitalien“, also zu jenen Gebieten der italienischen Halbinsel, die in Mittelalter und Neuzeit zum Heiligen Römischen Reich gehörten, unter kaiserlicher Herrschaft bzw. Gerichtsbarkeit waren und/oder als Lehen des Kaisers vergeben wurden, sind wie zuletzt Marcello Verga in der Einleitung zu dem 2006 erschienenen Tagungsband („L’Impero e l’Italia nella prima età moderna/Das Reich und Italien in der Frühen Neuzeit“ hg. von Matthias Schnettger und Marcello Verga) festgehalten hat, nur punktuell, auf alle Fälle jedoch unzureichend für ein zufriedenstellendes Gesamtbild dieser Territorien an der Peripherie des Reiches erforscht. Dabei lag der Fokus bisher vor allem auf dem 17. und 18. und weniger auf dem 16. Jahrhundert. Nicht zuletzt fehlt noch der Brückenschlag zum Mittelalter. Ebenso vereinzelt und punktuell sind die Untersuchungen zur tatsächlichen Machtausübung des Reiches/Kaisers in diesen Lehen und der Ausübung und Inanspruchnahme der kaiserlichen Gerichtsbarkeit. Auch die dynastischen Beziehungen zwischen italienischen und deutschen Dynastien sind nur unzureichend erforscht, ebenso die Wirkungsweise und Reichweite der kaiserlichen Patronage in Reichsitalien.

Neben den rechtlichen, makro- und mikropolitischen Beziehungen zwischen Reich und italienischen Reichslehen sind der Kulturaustausch, -transfer und -einfluss zwischen dem Kaiser bzw. den Reichsfürsten und den an der Peripherie des Reiches lebenden und herrschenden italienischen Fürsten ein Desideratum der Forschung. Schließlich ist nach den Bildern des Reiches in Italien zu fragen, die nicht zuletzt durch Zeremoniell und Repräsentation evoziert wurden. Wurde das Reich als heilig, römisch oder als das Reich der Deutschen dargestellt und wahrgenommen?

Ziel der Tagung ist es, das Mosaik der bisherigen Erkenntnisse über „Reichitalien“ zu ergänzen und so auf dem Weg zu einem Überblick über die kaiserlichen Lehen in Italien, ihre Beschaffenheit, ihr Verhältnis zum Reich und ihre Wahrnehmung im und vom Reich voranzuschreiten.

Der zeitliche Fokus der Tagung soll am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und in der Frühen Neuzeit liegen, Untersuchungen zur späteren Neuzeit sind, sofern sie dem Leitgedanken der Tagung entsprechen, ebenfalls willkommen.

Als Themenschwerpunkte und Leitfragen der Tagung sind anvisiert

  • noch unerforschte Reichslehen in Italien und ihre Charakteristika
  • die „Italienpolitik“ des Kaiserhofs im Wandel der Zeit
  • die Präsenz, Ausübung und Repräsentation der kaiserlichen Herrschaft in Italien
  • die Handlungsspielräume von Kaiser und Reichshofrat bei Lehensbestätigungen und   -erneuerungen
  • das kaiserliche Privilegienwesen
  • Lehenszins, Gefolgschaft und andere Formen der Abhängigkeit italienischer Reichslehen
  • die kaiserliche Gerichtsbarkeit und deren Inanspruchnahme durch die Bevölkerung italienischer Reichslehen
  • „italienische Angelegenheiten“ am Reichstag und bei Kurfürstentagen
  • Aspekte und Ausdrucksformen der „Reichszugehörigkeit“
  • die Stellung der italienischen Republiken im Reichssystem
  • der Antagonismus zwischen Reich, Papsttum und spanischer Vorherrschaft in Italien und dessen Folgen für die italienischen Reichslehen
  • personale Netzwerke zwischen dem Reich und Italien
  • kulturelle Austauschprozesse zwischen Reich und Reichsitalien
  • die Wahrnehmung des Reiches und des Kaisers in den Reichslehen und umgekehrt der italienischen Lehensfürsten im Reich bzw. beim Kaiser

 Die Ausschreibung richtet sich sowohl an etablierte Forschende als auch an Nachwuchsforschende (Dissertanten und Habilitanden), die zu den genannten Themenbereichen arbeiten. Wir bitten um Zusendung von Beitragsvorschlägen in Form eines einseitigen Abstracts und Kurzbiografie an elena.taddei@uibk.ac.at bis zum 30.11.2013.

Konferenzsprachen sind Deutsch, Italienisch und Englisch. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist vorgesehen.