Auslandsaufenthalt an der University of Alberta, Edmonton, Kanada


September 2015 – April 2016,  von Anna Katharina Sieberer


Organisatorisches
Nachdem die Entscheidung fest stand im Rahmen meines Masterstudiums der Geologie für zwei Semester nach Kanada zu gehen, war durch die tolle Zusammenarbeit mit dem KANADAZENTRUM die Auswahl des richtigen Studienortes auch gar nicht mehr schwer. Rasch fiel die Entscheidung auf Edmonton, da die University of Alberta (U of A) ein richtig gutes Programm im Bereich der Geologie anbietet und es auch jene Universität im Joint-Study-Partnerprogramm ist, die mit einer Entfernung von 4 Stunden (!!) am nächsten zu den Rocky Mountains gelegen ist. Somit perfekt für alle berg- bzw. naturbegeisterten (Geologie-) Studenten.
Die Bewerbung nimmt einige Zeit in Anspruch um alle wichtigen Unterlagen wie Englisch Test (TOEFL oder ILTS), Bewerbungsschreiben, Empfehlungsschreiben, usw. zusammenzutrommeln. In meinem Fall lohnte es sich diese Zeit zu investieren, da ich zwar erst spät (Juni 2015) aber doch die Zusage bekam, für zwei Semester an der U of A studieren zu dürfen. Mit der Bestätigung der U of A konnte dann auch sofort ein Studentenvisum für Kanada angefordert, sowie ein Flug gebucht werden. Empfehlen kann ich Icelandair (ca. 10 Stunden MUC-YEG mit Zwischenstopp in Reykjavik), da man 2 Gepäckstücke zu je 23 kg mitnehmen darf. Eines davon war bei mir z.B. der Schisack mit Tourenschi.


Wohnen in Edmonton
Da ich unbedingt mit Kanadiern zusammenwohnen wollte um deren Kultur und Lebensweise nonstop mitzuerleben, habe ich mich dazu entschlossen mich nicht für ein Studentenwohnheim zu bewerben, sondern mir über Edmonton’s Wohnungsbörse (www.rentingspaces.ca oder www.kijiji.ca) noch von Innsbruck aus eine Unterkunft zu suchen. Angebot gab es für jeden Geschmack und jede Preiskategorie genug und somit hatte ich einige E-Mails und Skype Konversationen später ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit tollen Mitbewohnerinnen. Dort konnte ich von September bis Dezember (also 1 Semester) wohnen und suchte mir anschließend völlig unkompliziert vor Ort eine neue Unterkunft fürs 2. Semester. Ich persönlich kann das Leben in Wohngemeinschaften abseits des Campus nur empfehlen, da es einerseits etwas günstiger ist als die Studentenwohnheime am Campus und man andererseits auch außerhalb des Universitätsgeländes Kontakte knüpft. Außerdem ist die Gastfreundschaft und generelle Herzlichkeit und Offenheit der Kanadier beeindruckend und jeder sollte meiner Meinung nach die Chance bekommen, dies mitzuerleben.


Falls du dich ebenso für eine Unterkunft außerhalb des Campus entscheiden solltest, sind die Gegenden rund um die Uni und der Whyte Avenue, also auf der süd- bzw. südöstlichen Seite des North Saskatchewan River, am besten geeignet. Dort gibt es wunderschöne Nachbarschaften mit tollen Häusern, Gärten und Parks und man erspart sich somit auch längere Wege per Bus, LRT (einzige U-Bahn Linie der Stadt) oder Fahrrad, was im Winter durchaus beschwerlich sein könnte.
Empfehlenswert ist es definitiv, sich im Herbst bzw. Frühling ein Fahrrad zu leihen (Bike Library an der U of A http://su.ualberta.ca/services/sustainsu/projects/bikelibrary/) oder eines online auf www.kijiji.ca zu erwerben um flexibler in der Stadt voranzukommen. Im Winter kann ± problemlos auf das öffentliche Verkehrsnetz mit Bussen und LRT zurückgegriffen werden.


Studieren an der University of Alberta
Obwohl ich mir bereits von Innsbruck aus Gedanken über potentielle Kurse gemacht habe, war das konkrete Kursangebot dann doch etwas anders und man konnte die ersten zwei Wochen jedes Semesters nutzen um sich in alle Klassen hineinzusetzen und dann die interessantesten Kurse (max. 3 für Masterstudenten mit Kursnummer 500+ bzw. 5 für Bachelorstudenten) zu wählen. Für jeden Kurs, welcher entweder 3 Mal die Woche für 50 min oder 2 Mal die Woche für 1,5 Std. gelesen wird, bekommt man 3 credits, was wiederum 7,5 ECTS entspricht. Der entsprechende workload pro Kurs beinhaltet alles was das Studentenherz begehrt, von in-class exercises und quizzes, über poster presentations, paper discussions und assignments, bis hin zu Prüfungen zur Semesterhalbzeit und zum Semesterende. Somit unterscheidet sich das kanadische System sehr von dem Österreichischen und man ertappt sich wirklich am Schreibtisch sitzend und hart arbeitend, da sehr viel außerhalb der Kurszeiten zu erledigen ist. Aber das kontinuierliche Arbeiten während des gesamten Semesters lohnt sich, da erstens der Lernerfolg nicht nur exponentiell zur Prüfung hin ansteigt und andererseits die Endprüfungen dann auch nicht mehr allzu schwierig sind.
Mich persönlich hat das kanadische System trotz vermehrt schulischem Charakter angesprochen, da die wissenschaftliche und selbständige Arbeitsweise stark gefördert wird und man durch wöchentlich korrigierte assignments und papers immer Feedback bekommt. Die freie Zeit unter der Woche war durch die vielen workloads zwar sehr limitiert und die strikten Abgabetermine oft nervig, man gewöhnt sich aber relativ schnell daran.


Freizeit
Freie Zeit blieb im Endeffekt trotz des straffen Uniprogramms genug. Unter der Woche war ich sehr gerne im der U of A angrenzenden River Valley des North Saskatchewan Rivers unterwegs, das mit einem dichten Netz an Parks besonders zum Rad fahren, Laufen, Spazieren und im Winter zum Langlaufen einlädt.
Auch bietet die U of A ein immenses Angebot an auch für Austauschstudenten kostenlosen Sporteinrichtungen, wie ein riesiges Fitnesscenter, Schwimmbäder und die Kletterhalle, in welcher ich beinahe alle Schlechtwettertage bzw. kalten Wintertage verbracht habe und viele tolle Menschen kennengelernt habe. Für Sportkurse wie Yoga, etc. muss man einen Semesterbeitrag bezahlen (vgl. USI), was sich aber durchaus in Grenzen hält und auch sehr zu empfehlen ist.


Gleich zu Beginn des ersten Semesters, noch während der Orientierungswoche, habe ich mich in den Outdoorsclub der U of A eingeschrieben. Das war die wohl beste Entscheidung! Kannst auch du dich für jegliche Outdoor Aktivitäten begeistern bist du dort richtig. Gemeinsame Abende rund ums Lagerfeuer in einem der zahlreichen Parks im River Valley, wöchentliche Lauftreffs, wöchentliches gemeinsames Klettern, sowie vor allem organisierte und sehr günstige Trips in die Rocky Mountains mit richtig tollen und motivierten Menschen machen den Outdoorsclub aus. Mit dort geknüpften Kontakten und vielen anderen Kollegen war ich dann so gut wie jedes Wochenende und alle Ferien in den Bergen unterwegs, egal welche Jahreszeit. Wandern, Klettern, Langlaufen, Campen, Schi fahren, oder Schitouren gehen, in den Rockies kommt einfach jeder auf seine Kosten. Wer auf intensivere Trips in den Bergen Lust hat, ist wahrscheinlich beim Alpenverein (Alpine Club of Canada) der Sektion Edmonton gut aufgehoben (http://www.accedmonton.ca/).


Vielen Dank an alle Beteiligten vom KANADAZENTRUM, die mir diese wundervolle Zeit ermöglicht haben!!
Anna.