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Station 4:
München – Gustav Mahlers Produkt einer Sommerfrische

Ludwig Ficker. © Brenner-ArchivGemeinsam mit zahlreichen Größen der damaligen Zeit stand wahrscheinlich auch Rudolf von Ficker vor der Neuen Musik-Festhalle in München, um, nachdem er das Programmheft um 20 Pfennig erstanden hatte, an einem der musikalischen Höhepunkte der Konzertsaison 1910 teilzunehmen – der Achten Symphonie Gustav Mahlers. Von dem Komponisten selbst als Hauptwerk angesehen, mit einer monomentalen Besetzung ausgeführt, dirigierte Mahler selbst diese Uraufführung.

Rudolf von Ficker war mit einem der engsten Freunde von Gustav Mahler, Guido Adler, lange Jahre in Freundschaft verbunden. Adler war von Fickers Doktorvater gewesen und die beiden arbeiteten bis zum Tod Adlers eng zusammen. Vermittelt durch diesen Kontakt erlebte Rudolf von Ficker das Konzert sicher als Endpunkt einer jahrelangen Entwicklung dieses Meisterwerks.

 

© FIBA, Sig. 078-002-029-003 

   

Schon in seinen Jugendjahren pflegte Mahler eine Beziehung zur Natur, die der Literatur der Romantik entsprach. Er genoss die Klänge und Geräusche der Umwelt und die Kulisse, die ihn dazu inspirierte, seinen künstlerischen Tätigkeiten nachzugehen. Außerdem verbrachte er ab 1892 beinahe jährlich seine Sommer auf Sommerfrische in den Bergen. Seine Tätigkeiten in diesen Sommermonaten waren jedoch wohl eher ungewöhnlich: Mahler arbeitete hart und war mit seinen Kompositionen beschäftigt, gleichzeitig lebte er sehr minimalistisch. Er verbrachte seine Sommerfrische im Jahre 1906 in Maiernigg, in Kärnten, am Wörthersee. Dabei komponierte er seine achte Symphonie in einem Häuschen, das auch heute noch besichtigt werden kann. Mahler stand früh auf und arbeitete dann, um von Mitte Juni bis Anfang September den musikalischen Kern seiner Symphonie festzuhalten.

Allgemein lässt sich sagen, dass das Motiv der Natur in Mahlers Werken eine große Rolle spielt. Interessanterweise aber nicht in einer Form, die der Tradition und Epoche der Romantik entspricht. Die Rezeption von Naturphänomenen geschieht durch ein Zitieren von volksliedähnlichen Melodien. Die dadurch gewonnenen Themen beschwören gemeinsam mit den anderen musikalischen Mitteln ein Bild der Natur.

Celina Kerle


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Literatur
Programmheft: Gustav Mahler, 8. Symphonie, Uraufführung, München 1910. FIBA, Nachl. Rudolf von Ficker, Sig. 078-002-029-003-001 bis -008.
     
Gustav Mahlers 8. Symphonie kann hier angehört werden. https://www.youtube.com/watch?v=SFl0wx34qC4
 
Elisabeth Fritz-Hilscher: Rudolf von Ficker und die Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich. In: Lukas Christensen, Kurt Drexel, Monika Fink (Hg.): Rudolf von Ficker (1886-1954). Tagungsband zum Symposium anlässlich seines 125. Geburtstages und des 85-jährigen Bestehens des Innsbrucker Institutes für Musikwissenschaft. Innsbruck: innsbruck university press 2012, 69-101.
 
Christian Wildhagen: VIII. Symphonie in Es-Dur (Symphonie der Tausend). In: Renate Ulm (Hg.): Gustav Mahlers Symphonien. Entstehung – Deutung – Wirkung, 6. Aufl., Kassel: Bärenreiter 2012, 226-263.

 


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