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Carl
Dallagos unbeschriebene Bildpostkarten vom Gardasee

Im Nachlass des Schriftstellers und Philosophen Carl Dallago (1869–1949) liegen 38 unbeschriebene Bildpostkarten von der Gegend um den Gardasee vor.

Die vier ausgewählten Karten – sie stammen vermutlich aus der Zeit vor 1914, als das Nordufer des Gardasees noch zu „Welschtirol“ und damit zu Österreich-Ungarn gehörte – bilden das Leben am Gardasee ab. Es stehen nicht attraktive Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt, sondern die Tätigkeiten von Einheimischen und Tourist*innen.

 

FIBA, Nachl. Carl Dallago, Sig. 215-004-008
  

Auf der ersten Karte sieht man zwei junge Männer, die am See stehen und angeln. Im Hintergrund sieht man Ausflugs- oder Fischerboote. Die zwei Angler können sowohl Einheimische als auch Sommerfrischler sein. Aufgrund ihrer Kleidung und der Tatsache, dass sie sich nicht auf einem Fischerboot befinden, sind sie eher letzteres, die das Fischen als einen guten Zeitvertreib sehen. Hierbei ist ein interessanter Aspekt der Sommerfrische das Leben am See, das damit verbunden ist, sich aus dem See selbst zu versorgen. Die zweite Bildpostkarte zeigt den Gardasee von einem Hügel oder Berg aus, man kann den See und den nahegelegenen Ort betrachten. Mit dieser Bildpostkarte könnte das Wandern und Spazierengehen in der Natur und die damit verbundene Stille evoziert sein. Die dritte Bildpostkarte mit der Aufschrift „Lavandaie sul Lago di Garda“ zeigt Frauen, die im See ihre Wäsche waschen. Man kann davon ausgehen, dass dies schon zu Zeiten der Aufnahme der Fotografie eine Seltenheit war, denn mit den steigenden Gästezahlen und den damit verbundenen Verschönerungen und Glättungen des Ortsbildes dürfte das Wäschewaschen im See untersagt worden sein. Das Bild zeigt also die Idylle, bevor die Orte rund um den Gardasee zu Tourismusmagneten wurden. Die vierte Bildpostkarte zeigt eine Frau unter hohen Zypressen. Es scheint, als würde die Frau gerade einen sommerlichen Spaziergang machen. Auch hier geht es, wie bei den anderen drei Bildpostkarten, um das Leben und Verweilen in der Natur.

Die Bildpostkarten werden so zu Erinnerungsstücken für Freunde, Verwandte oder für einen selbst an den Aufenthalt oder den Ort der Sommerfrische. Sie können aber auch als Zeichen für den Tourismus gesehen werden: Durch den Verkauf von Bildpostkarten wird Werbung für einen Ort gemacht und Geld verdient.

Carl Dallago, Varena 1926. © Forschungsinstitut Brenner-Archiv

Carl Dallago wird in seiner Biografie als ein „Landschaftsmensch“ bezeichnet, welcher gerne allein in der Natur wanderte und dabei auch gelegentlich unter freiem Himmel zu Stift und Papier griff. Diese Beschreibung der Person spiegelt sich in seinen gesammelten Bildpostkarten wider, welche die Natur, Berge, weite Landschaften und kleine Ortschaften rund um den Gardasee abbilden, an dem Dallago ab 1902 einige Jahre lebte.

Lisa Warger



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Literatur

Bildpostkarten: Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Nachlass Carl Dallago, Signaturen 215-004-008-007 ("Riva - Il lago dai Giardini della Rocca"), 215-004-008-020 ("Lago di Garda - Garda"), 215-004-008-027 ("Lavandaie sul Lago di Garda"), 215-004-008-037 ("Viale con cipressi al lago di Garda").

Carl Dallago: Foto des Autors. In: Christine Riccabona, Anton Unterkircher (Hg.): Lexikon Literatur in Tirol. Stichwort: Carl Dallago. O.J. Online

Anton Unterkircher: Ich hab gar nichts erreicht. Carl Dallago (1869–1949). Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag 2013.

 


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