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Max Esterle blickt auf den Schlern – und auf eine Frau im Dirndl

Eine der zentralen Ideen der Sommerfrische war jene des unberührten Bergidylls. In diesem Bild von Max Esterle ist ebendies trefflich dargestellt. Als Teil eines Zyklus aus vier Bildern spielt Die vier Jahreszeiten / Der Sommer mit dem Licht und der Motivik, um sowohl die idyllische Ruhe als auch die beeindruckende Pracht der Schlerngruppe hervorzuheben.
 

FIBA, Sig. 073-003-089-001

 

Bei der Frau im Vordergrund des Bildes handelt es sich sehr wahrscheinlich um Frau Philippine Kohn, mit der Max Esterle eng befreundet war und auf deren Burg er viele Sommer zubrachte. Kurz nach der Rückkehr des Künstlers aus der jahrelangen Kriegsgefangenschaft nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, zeigt das Bild, in Anlehnung an Giovanni Segantinis Alpentryptichon, beinahe eine Rückkehr in eine heile, ruhige Welt – weit entfernt vom Leid und den Strapazen der Jahre zuvor.

Und so wie die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm im Deutschen Wörterbuch 1905 die Sommerfrische als Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Land bezeichnen, steht dieses Bild für die Erholung des geplagten Menschen in der ruhigen Pracht der Berge, in Gesellschaft einer in sich ruhenden, verwurzelten Persönlichkeit.

Von dem Gemälde gibt es ein Diapositiv im Material zum Werkverzeichnis von Sibylle Tepser im Brenner-Archiv. Damals befand sich das Original laut Angabe in Privatbesitz in Schwaz, der Aufenthaltsort des Originals ist heute unbekannt.

Stefan Laichner

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Literatur

Max Esterle: [Eine Frau in Rückenansicht blickt über ein Kornfeld zum Schlern], Tempera auf Pappe, entstanden in Völs am Schlern 1920/22, Diapositiv des Gemäldes. Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Nachl. Max (von) Esterle, Sig. 073-003-089-001.

Max Esterle: Foto des Malers. In: Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Nachlassverzeichnis Max (von) Esterle. Online

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: „sommerfrische, f.“, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21. Online

Sibylle Tepser: Max von Esterle. Leben und Werk. Innsbruck: Phil. Diss. 1985.



 

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