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Stadttheater Innsbruck:
Erotische Abenteuer in der Sommerfrische

FIBA, Sig. 15.2.6.1.4-008Wie der vorliegende Theaterzettel aus dem Nachlass der Exl-Bühne zeigt, wurde im Sommer 1933 im Innsbrucker Stadttheater das Stück Seitenspringer. Eine lustige Geschichte aus der Sommerfrische von J. Brucker aufgeführt. Trotz ausführlicher Recherchen war es nicht möglich, die Autorin/den Autor „J. Brucker“ zu identifizieren. Es handelt sich wohl um ein Pseudonym; und obwohl eine Handlung dieser offensichtlich volkstümlichen Komödie aus dem vorliegenden Dokument nicht ableitbar ist, lässt sich bereits vom Titel des Stücks das Hauptthema feststellen: Seitensprünge in der Sommerfrische. Wie der Theaterzettel zeigt, spielt das Stück in der Nacht – dem Zeitraum, in dem wohl die meisten Affären, Liebeleien und Seitensprünge stattfinden.

FIBA, Sig. 15.2.6.1.4-008Affären und erotische Verwirrungen waren in der Sommerfrische keine Seltenheit – nicht umsonst bekam die Sommerfrische sogar den Ruf, dass diese sich negativ auf Ehen auswirke. Weil bei der Sommerfrische der Mann nicht selten aus Arbeitsgründen im Heimatort blieb und die Frau bzw. Mutter mit ihren Kindern alleine verreiste, öffnete sich viel Freiraum, der die Eheleute leichtsinnig machte. Wahrscheinlich waren es die neue, „fremde“ Umgebung, die neuen Gesichter, die neugewonnene Freiheit und schließlich ein Lebensgefühl der Freiheit und des „Einswerdens“ mit der Natur, was die Emotionen der Menschen veränderte und erotische Verwirrungen hervorrief.

Affären in der Sommerfrische wurden in der Literatur oft thematisiert, nicht nur in der Unterhaltungsliteratur, sondern auch in Dramen und Prosa bekannter Autor*innen wie etwa Arthur Schnitzler und Stefan Zweig, die es selbst genossen, sich auf Sommerfrische zu erholen und Natur und Idylle als Inspirationsquelle zu nutzen. Vermutlich waren es aber nicht nur die Landschaft, die die Autor*innen inspirierte, sondern auch das zu beobachtende Treiben von Eheleuten. Gerade weil uns Affären in der Sommerfrische in der Literatur so oft begegnen, stellt sich die Frage, ob diese Vorgänge im Rahmen von literarischen Werken „normalisiert“ wurden.

Elisa Kusstatscher


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Literatur
J. Brucker: Seitenspringer. Eine lustige Geschichte aus der Sommerfrische in drei Aufzügen. Theaterzettel, 25.7.1933. Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Nachlass Exl-Bühne, Sig. 15.2.6.1.4-008

Iris Fink, Roland Knie (Hg.): Überlandpartie. Kabarett auf Sommerfrische. Wien: Böhlau 2018.

Bettina Steiner, Norbert Mayer: Sommerfrische. Achtung, diese Idylle trügt. In: Die Presse, 21.04.2014. Online

 



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