Leben und Werk "Schattenkampf" Bibliographie Aus dem Nachlass Mitarbeiter

 

Christoph Zanon (1951-1997)                               

Christoph Zanon ist der wohl bekannteste Osttiroler Autor, der als Schriftsteller und Lehrer bis zu seinem frühen Tod in Leisach bei Lienz wohnte. Der Nachlass Zanons, der Ende 2003 dem Brenner-Archiv übergeben wurde, umfasst 16 Kassetten mit Notiz- und Tagebüchern, Manuskripten und Typoskripten und zahlreichen Briefen, die Aufschluss geben über Zanons Schreiben und Wirken.

 

Kurzbiografie Christoph Zanon

Quelle: Bezirkskunde Osttirol. Hrsg. v. Katholischer Tiroler Lehrerverein. Innsbruck 2001, S.84
Christoph Zanon 
(gest. 1997)

Christoph Zanon wurde am 12.3.1951 in Lienz geboren. Als Sohn des ehemaligen Landesrats Fridolin Zanon wuchs er mit seinen sieben Geschwistern in Leisach, einem kleinen Ort in der Umgebung von Lienz auf. Die Volksschule besuchte er in Leisach und 1970 maturierte er am Gymnasium in Lienz. Nach der Matura absolvierte Zanon den Wehrdienst und begann anschließend an der Universität Innsbruck das Studium der Bauchtechnik, wechselte allerdings schon nach einem Semester zu den Fächern Deutsch und Latein. In den Sommermonaten war er immer wieder in der Kulturforschungsabteilung deutscher Auto- und Elektrokonzerne in Stuttgart und München tätig. 1980 kehrte er nach Ablegung der Lehramtsprüfungen endgültig nach Osttirol zurück, wo er bis zu seinem frühen Tod am Lienzer Gymnasium Deutsch und Latein unterrichtete und mit seiner Frau Olga und seinen vier Kindern Stefan, Benjamin, Nora und Katja in Leisach lebte. Christoph Zanon starb am 17.12.1997 an einer Krebserkrankung. Zanon ist auch heute noch die zentrale Figur der Literatur in Osttirol.

Zanons literarisches Schaffen

Geschrieben hat Christoph Zanon immer schon, das beweisen seine Tagebücher, von denen die frühesten aus dem Jahre 1964 datieren. Seine ersten Veröffentlichungen erfolgten 1980 in der Tiroler Kulturzeitschrift "das Fenster". Dort und auch in anderen Tiroler Literatur- und Kulturzeitschriften, wie beispielsweise im "Inn" oder im von Johannes E. Trojer im Villgratental herausgegebenen "Thurntaler", erschienen immer wieder kurze Texte und Gedichte von Christoph Zanon. Außerdem verfasste er unter der Rubrik "Gedanken" regelmäßig Kolumnen für die "Kleine Zeitung". In diesen Kolumnen lernte man neben dem Schriftsteller Christoph Zanon den aufmerksamen Beobachter und scharfzüngigen Kritiker der gesellschaftspolitischen Situation in Osttirol kennen.

Christoph Zanon, Die blaue Leiter

Bücher veröffentlichte Christoph insgesamt fünf, eines davon ("Freude und Abschied") erschien allerdings erst nach seinem Tod im Jahre 1999. Im ursprünglich aus Lienz stammenden und in Salzburg lebenden Galeristen Thaddäus J. Ropac fand Zanon 1984 einen Verleger für sein erstes Buch "Wie der Tag lang ist". Den literarischen Durchbruch schaffte er vier Jahre später mit "Die blaue Leiter", einem Werk, das den Leser von der irrealen und traumhaft kafkaesk anmutenden Welt eines Gebäudekomplexes in die reale Umgebung der Osttiroler Bergwelt entführt.

Schattenkampf. Texte von der Heimat. Mit einem Fotoessay von Klaus Dalpra. 
Christoph Zanon,
Schattenkampf 

Das wohl bekannteste Buch Zanons ist aber sicher der 1992 im Innsbrucker Haymon-Verlag erschienene "Schattenkampf. Texte von der Heimat". Zanon wagt sich mit diesem Buch an das nicht einfache Thema Heimat, doch erfolgt diese Annäherung in einer innovativen, formal vielschichtigen Weise fern der Verklärung und Idylle von Heimat. Diese beiden Werke waren es, die ihn auch über die Grenzen Osttirols hinaus in Nord- und Südtirol bekannt machten. Mit den beiden Nachfolgewerken "In eine traute Gesellschaft" (1994) und "Auf dem Trödelweg" (1997) konnte er allerdings nicht mehr an den großen Erfolg des "Schattenkampf" anschließen, obwohl die "Traute Gesellschaft" ihm persönlich sehr am Herzen lag und der "Trödelweg" einmal mehr den Christoph Zanon zeigt, der sich mit Traditionen in der Literatur auseinandersetzt und sie gekonnt zu verarbeiten, zu gestalten oder gar umzuarbeiten weiß.

"Das Gehen in der Natur ist mir die Zeit des unbedingt wirklichen Lebens. Manchmal, drunten, stimmt mich mißmutig die Nähe der Berge, und daß die engen Täler auch weniger hell sind. Aber mein Mißmut [...] verschwindet, sobald ich mich in den Hängen des Gebirges bewege [...]." (17.6.88 in TB 18.10.87-18.7.88)

Christoph Zanon beschreitet in seinem Schreiben die verschiedensten formalen Wege, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um das sein Schreiben immer wieder kreist: nicht um Heimat, sondern um die Suche nach Heimat. Seine Auseinandersetzung erfolgte niemals in einer unreflektierten Übernahme tradierter Muster und Formen, stets setzte er sich kritisch mit dem Spannungsfeld Tradition und Innovation auseinander. Charakteristisch für Zanons Schreiben ist die besondere Aufmerksamkeit für alle Einzelheiten und Sinneseindrücke. Dem Gehen in den Bergen kommt dabei im Wahrnehmungsprozess eine zentrale Funktion zu. Seine Methode der genauen Beobachtung zeigt aber auch, wie Zanon durch die Lektüre anderer Autoren in seinem Schreiben entscheidend beeinflusst wurde. Zanon selbst nannte neben vielen anderen immer wieder die Schriften Peter Handkes, die ihm vor allem in der Problematik der Beschreibung der Wirklichkeit richtungsweisend waren.
Zanons Schreiben wird aber nachvollziehbar, wenn man den Nachlass des früh verstorbenen Osttiroler Autors näher betrachtet.

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