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Postkarte Ludwig von Ficker an Gottfried Riccabona 2

Postkarte Ludwig von Ficker an Gottfried Ricccabona

Innsbruck, Maria Theresien-Strasse   

 

Ludwig von Ficker an Gottfried Riccabona in Wien,
Postkarte vom 25.9.1900,
Nachlass Max Riccabona

MAX RICCABONA

wurde am 31. März 1915 in Feldkirch geboren. Er stammt mütterlicherseits aus der aus Prag zugewanderten Familie der Perlhefter, väterlicherseits aus dem welschtiroler Geschlecht der Riccabona zu Reichenfels - Max Riccabonas Vater, Gottfried Riccabona (1879-1960), war Rechtsanwalt und Schriftsteller, als Autor pflegte er auch Kontakt mit dem Kreis des "Brenner" um Ludwig Ficker.

Beide Elternteile Max Riccabonas hatten ausgesprochenen Sinn für Bildende Kunst und Musik, waren aufgeschlossen und liberal und verkehrten mit KünstlerInnen und Intellektuellen nicht nur in Vorarlberg, sondern auch der in der Schweiz und im süddeutschen Raum. Als Jugendlicher machte Max Riccabona in Feldkirch die Bekanntschaft des auf der Durchreise befindlichen James Joyce.

Bereits 1932 erlebte er Adolf Hitler anlässlich einer Wahlversammlung und begegnete ihm mit vehementer Ablehnung - Engelbert Dollfuss hingegen erschien dem jungen Maturanten als positives Gegenbild. Die ganze Familie Perlhefter-Riccabona sollte unter dem nationalsozialistischen Regime Verfolgung und Schikane zu erleiden haben.

Max Riccabona schlug nach der Matura im Jahr 1934 zunächst die juristische Laufbahn ein. Er studierte in Graz - dort wurde er Mitglied der katholischen Verbindung "Traungau" (Vulgoname: "Putsch"). Auf sein Studium der Staatswissenschaften folgte das an der Konsularakademie in Wien, dort schloss er 1938 als Diplomkonsul ab.
1939 kam er nach Paris. Dort bewegte er sich im Kreis der Exilanten um Joseph Roth - einer Erzählung Riccabonas nach soll Riccabona ihm, Roth, sogar kurz vor dem Tod die Nottaufe gespendet haben.

Zurück von Paris, wurde Riccabona 1940 zum Wehrdienst einberufen, bis er entlassen und im Jahr 1941 wegen verbotener monarchistischer Betätigung in Salzburg verhaftet, dann ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert wurde. In den letzten Wochen seiner Internierung erkrankte Riccabona an Fleckfieber, von dessen Folgen er sich nie mehr erholen würde können.

Nach der Befreiung durch die Alliierten und nach längerer Rekonvaleszenz war er in der Kanzlei seines Vaters und als Obmann der Vorarlberger Widerstandsbewegung tätig. 1949 schloss Riccabona in Innsbruck das Studium der Rechtswissenschaften mit dem zweiten Doktorat ab.
1961 erscheinen Gedichte Max Riccabonas in der von Hubert Fabian Kulterer herausgegebenen Literaturzeitschrift "Eröffnungen", ein Jahr später erscheint als "Bogen 5" Riccabonas erste selbständige Veröffentlichung, ein schmales Heftchen postexpressionistischer Lyrik.

Riccabona musste wegen der Spätfolgen seiner KZ-Internierung nach dem Tod seines Vaters das Berufsleben aufgeben. Er verbrachte seine letzten Lebensjahrzehnte, auch nach seiner Eheschließung im Jahr 1965, im Herz-Jesu-Heim in Lochau.
Von diesem Zeitpunkt an war er als freier Schriftsteller und Bildkünstler tätig. Trotz weniger Veröffentlichungen in Zeitschriften wurde Riccabona im Laufe der siebziger Jahre mehr und mehr zu einem Begriff in der österreichischen Literaturszene um die Zentren Graz und Wien.
1979 wurde Max Riccabona das "Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" verliehen.

Im Jahr 1980 erscheint seine erste Einzelpublikation in Buchform: Josef Schweikhardt und Vintila Ivanceanu geben einen Teil des seit 1957 in Arbeit befindlichen Riccabonaschen Hauptwerkes, des "Halbgreyffers", unter dem Titel "Bauelemente zur Tragikomödie des x-fachen Dr. von Halbgreyffer oder Protokolle einer progressivsten Halbbildungsinfektion" heraus. Dieser Band ist heute vergriffen.
Um 1980 erscheint auch die gemeinsam mit Meinrad Amann erstellte Übersetzung des Bühnenstückes "Le cavalier seul" von Jaques Audiberti unter dem Titel "Ritter Mirtus" - Diese Übersetzung publiziert Max Riccabona unter dem Autornamen "Eduard von Hochpruck".

1989 widmete ihm das Vorarlberger Landesmuseum eine Personale, anlässlich derer viele Collagen Max Riccabonas zu sehen waren.
1993 erscheint eine von Wilhelm Meusburger und Helmut Swozilek zusammengestellte Faksimile-Auswahl von Texten Riccabonas unter dem Titel "POETATASTROPHEN".
Zu seinem siebzigsten Geburtstag erscheinen die von Ulrike Längle herausgegebenen KZ-Erinnerungen "Auf dem Nebengeleise".

Während seiner letzten Lebensjahre galt Max Riccabona über die Landesgrenzen hinaus als ungewöhnlicher Schriftsteller und origineller Erzähler. Die literarische Welt schätzte seine Sprachmacht und seine nicht zu versiegen scheinende satirische Energie, doch auch seinem unmittelbaren Umfeld sollte sich Riccabona durch seinen großen Reichtum an Geschichte und Geschichten nachhaltig einprägen. Max Riccabona verstarb 1997.
1999 wählt das Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek die "varianten", ein schwarz-rotes Typewriting, als zweites Beispiel aus der Faksimile-Reihe aus dem Archiv

Petra Nachbaur