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Gottfried und Anna Riccabona mit den Kindern Max und Dora im Hintergrund

Blanch Gidon im Vordergrund

 

Gottfried RICCABONA

 

Gottfried Riccabona ist am 16.6.1879 in Pocking/Bayern geboren und zunächst in Bozen aufgewachsen. 1894 wurde sein Vater im Zuge des Eisenbahnbaus nach Vorarlberg versetzt, wo Gottfried Riccabona 1897 in Feldkirch die Matura ablegte. Anschließend entschied er sich für das Studium der Rechtswissenschaften und studierte in Innsbruck, München und Wien.
Schon 1898 erscheint in der "Feldkircher Zeitung" am 17.9. aus Anlass des Todes von Elisabeth von Österreich das Gedicht "Uns'rer Kaiserin Grab" von "Gottfried Kuno Riccabona". 1899 veröffentlicht Riccabona Lyrik in der Salzburger Literaturzeitschrift "Alpenheim", wo zu jener Zeit auch Ludwig von Ficker publizierte. 1904 verfasst Riccabona das Drama "Patria Potestas". Es wird in Vorarlberg und auf einigen kleineren Bühnen in Süddeutschland aufgeführt.

1905 erscheinen "Lieder und Stimmungen in Wien (Stern Verlag). Im selben Jahr verlobten sich Anna Perlhefter und Gottfried Riccabona in Feldkirch, 1906 heirateten sie, nachdem Riccabona im gleichen Jahr die Rechtsanwaltsprüfung mit Auszeichnung bestanden hatte.

1908: "Abschied - Gnade". Zwei Einakter. Berlin: Wigand. 1909 eröffnete Gottfried Riccabona eine eigene Rechtsanwaltskanzlei und wurde für die deutsche Volkspartei Mitglied des Gemeinderates der Stadt Feldkirch.Im ersten Heft der Tiroler Kulturzeitschrift "Der Föhn" erscheint "Abend am Meer", in mehreren folgenden Ausgaben des Föhn sind Beiträge von Riccabona enthalten. Auch nach der Gründung des "Brenner" im Jahr 1910 als Gegenentwurf zum "Föhn" bleibt Riccabona dem "Föhn" treu.

Im September 1910 übersiedelte die "Advocaturskanzlei Riccabona" ins Perlheftersche Haus. Das Haus der Familie Riccabona wurde zu einem regional sehr bedeutsamen Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle.
Im Frühjahr 1914 wird "Philippine Welser", eine "dramat. Dichtung in 3 Aufzügen mit Musik von Carl Senn" (bereits 1909 in Feldkirch im Selbstverlag des Verfassers erschienen), zur Aufführung am Augsburger Stadttheater angenommen. Wegen Ausbruch des 1. Weltkriegs kommt es nicht zur Premiere.
1915 wurde dem Ehepaar Perlhefter-Riccabona ein Sohn, Maximilian, geboren, zwei Jahre später die Tochter Dora.

1934 wurde Gottfried Riccabona zum Präsidenten der Vorarlberger Rechtsanwaltskammer gewählt, sein Sohn Max entschloss sich ebenfalls zum Studium der Rechtswissenschaften.

1938 erzwang das NS-Regime das Ausscheiden Anna Riccabonas und ihres Bruders Max Perlhefter aus der vom Vater geerbten Firma. 1941 wurde Max wegen monarchistischer Betätigung inhaftiert, von Januar 1942 bis Ende April 1945 wurde er im Konzentrationslager Dachau festgehalten. 1943 sollte auch Anna Perlhefter-Riccabona von der Gestapo verschleppt werden, sie erlitt einen Schlaganfall und wurde dadurch verschont. 1944 war Gottfried Riccabona vier Wochen in Haft.
Obwohl die erlittenen Vermögensverluste nach 1945 im Rahmen der gesetzlichen
Vorgaben wiedergutgemacht wurden und die Familie Riccabona voll
rehabilitiert war, hatten die Eingriffe aus der Zeit des Nationalsozialismus
noch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten deutliche Auswirkungen.

1949 trat Max Riccabona, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit politisch tätig war, als Rechtsanwaltsanwärter in die väterliche Kanzlei ein. 1960 starb Anna Riccabona, 1964 Gottfried Riccabona.


Petra Nachbaur