Iris Kathan, Christiane Oberthanner: Literarischer Innsbruck-Führer (erscheint im Skarabaeus-Verlag Innsbruck)
 

Tirol, traditionelles Pass- und Transitland, zog seit jeher viele Reisende an. Auch zahlreiche Autorinnen und Autoren passierten das Land auf ihrem Weg in den Süden. Ein reicher Fundus an Reiseliteratur seit dem späten Mittelalter zeugt davon. Die Romantiker imaginierten sich, angeregt durch den Aufstand der Tiroler gegen die französische und bayerische Fremdherrschaft 1809, Tirol als ein Land der Freiheit und der Selbstbestimmung. Mit dem 19. Jahrhundert setzte der Fremdenverkehr in Tirol ein, das Land war nun nicht mehr lediglich Durchzugsort, sondern auch eine beliebte touristische Destination. Angezogen durch niedrige Preise und unberührte Natur, wählten Autoren aus aller Welt Tirol als längerfristigen Aufenthaltsort. Ludwig von Ficker, Herausgeber der Zeitschrift "Der Brenner", lockte viele Literaten und Philosophen nach Tirol. So verbrachte etwa der Lyriker Georg Trakl einen wesentlichen Teil seiner Schaffenszeit in Innsbruck. Aber auch in der Gegenwartsliteratur heimischer Autoren hat Tirol seinen Platz. Nicht selten setzt sie sich kritisch mit den Schattenseiten des Massentourismus auseinander.

Das am Brenner-Archiv beheimatete Projekt "Literatur-Land-Karte Tirol" beschäftigt sich seit April 2006 mit all jenen Zeugnissen, die Schriftsteller über Tirol hinterließen. Im Zuge des Projekts entsteht eine Sammlung literarischer Texte zu Tirol, es werden Tiroler Autoren, aber auch Literaturschaffende des deutsch- und fremdsprachigen Auslandes vorgestellt und deren Beziehung zu Tirol näher beleuchtet. Nicht zuletzt geht es auch um die literarische Topographie des Landes selbst, um Orte, die in der Literatur ihren Widerhall gefunden haben bzw. literarhistorisch von Bedeutung waren.

 
 
Maria-Theresien-Straße mit Annasäule gegen die Nordkette um 1840, Stahlstich von J. H. Martens (Galerie Welz)
 
Innsbruck um 1580, Unbekannter Kupferstecher (Galerie Welz)
 

In der ersten Projektphase wurde das Hauptaugenmerk auf die Stadt Innsbruck gelegt. Innsbruck, strategisch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Alpenraum, obligatorische Reisestation auf dem Weg vom Norden in den Süden, ein Ort der Passage, wurde von vielen Autoren beschrieben. Nicht selten haben wir es mit flüchtigen, manchmal auch stereotypen Blicken auf eine Provinzstadt zu tun. Ihnen gegenüber stehen Texte, die eine differenziertere Wahrnehmung der Stadt zeigen, den Versuch unternehmen, die innere Topographie Innsbrucks zu ergründen. Das reichhaltige und spannende Material soll nun auszugsweise anhand eines literarischen Innsbruckführers einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

Auf etwa 150 Seiten werden fünf literarische Spaziergänge durch Innsbruck vorgestellt, die thematisch organisiert, zu historisch bedeutsamen, aber auch zu weniger bekannten Orten und Plätzen der Stadt führen. Alle angeführten Orte wurden von prominenten und auch weniger bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen besucht und in weiterer Folge literarisch verarbeitet. Zahlreiche Zitate aus literarischen Werken, (Reise)Tagebüchern und Briefen vom Mittelalter bis in die Gegenwart sollen es dem Leser ermöglichen, sich selbst einen Eindruck von den vielfältigen Zeugnissen der Autoren zu machen und sich der Stadt in Form einer literarischen Spurenlese zu nähern. Wichtig scheint uns, mit Texten zu arbeiten, die konkrete Ortsbezüge aufweisen, und diese Texte kulturhistorisch zu verorten. Aufgelockert wird das Ganze durch ausreichendes Bildmaterial.

 
 
Sankt-Nikolaus-Gasse (Photo: Hansjörg Knabl)
 
 
Hofgarten (Photo: Hansjörg Knabl) 
 

Ein Anhang enthält eine alphabetische Anordnung aller im Führer erwähnten Schriftsteller und Schriftstellerinnen mit Kurzbiografie und Daten zum literarischen Schaffen. Darunter finden sich Autoren wie Peter Altenberg, Hans Christian Andersen, Thomas Bernhard, Otto Julius Bierbaum, Paul Busson, Paul Celan, Theodor Fontane, Denis Fonwisin, Johann Wolfgang von Goethe, Norbert Gstrein, Heinrich Heine, Johann Gottfried Herder, Ödön von Horváth, Norbert C. Kaser, Joseph Leitgeb, Niccolò Machiavelli, Michel de Montaigne, Charles de Montesquieu, Madoline Murdoch, Robert Musil, Adolf Pichler, Walter Schlorhaufer, Arthur Schnitzler, Mary Shelley, Jerzy Stempowski, Georg Trakl und Frances Trollope. 

 

Der Führer soll bei aller Genauigkeit und sorgfältigen Recherche keine wissenschaftliche Publikation darstellen, sondern sich viel mehr an ein interessiertes Laienpublikum richten. Neben Touristen werden auch literaturinteressierte Einheimische dazu eingeladen, sich der Hauptstadt einmal auf eine etwas andere Art zu nähern. 

 
 
Bäckerbühelgasse 
 
 
Schloss Büchsenhausen