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Prosa der Gegenwart aus Nord-, Ost- und Südtirol 

1. Konzept
2. Abschlussberichte

Konzept

Die Phase von 1970 bis 2010 ist für den Tiroler Literaturraum eine besonders interessante Epoche: Die 68er Jahre lassen auch den Tiroler Literaturbetrieb nicht ganz unberührt, wirken allerdings mit großer Verspätung nach; allmählich sind wesentliche Veränderungen spürbar, die in der Literatur aus Tirol vor allem in den 80er Jahren offensichtlich werden.

© Edition Löwenzahn, 1998Die Literatur hat seither sowohl inhaltlich als auch formal neue Wege beschritten, die in die Richtung einer überregional bedeutenden Literatur weisen; vereinzelte Texte dieser Art sind auch schon vor dieser Zeit entstanden. Die Autoren und Autorinnen haben zunehmend den Raum entdeckt, in dem sie kreativ neue, bisher ungedachte literarische Welten erschaffen konnten, und sie lösten sich von ihrer engen Beziehung zum regionalen Raum und zu den bisher gültigen literarischen Vorbildern. Die Literatur ließ sich immer weniger von traditionellen Moralvorstellungen und politischen Vorgaben vereinnahmen und eroberte den fiktionalen Raum, der ihr zustand. Die literarischen Figuren beginnen sich von kollektiven Wertvorstellungen zu emanzipieren und wagen es erstmals, ihre eigenen, individuellen Identitäten auszubilden.
Dieser Wandel schlägt sich auch auf der formalen Ebene der Prosa nieder. Das chronologische Erzählen vom Anfang einer Geschichte bis zu ihrem Ende verliert als Erzählform an Bedeutung, während assoziative, multiperspektivische sowie heteroglotte Erzählverfahren an Wichtigkeit gewinnen. Die Komplexität der Erzählinhalte kann nicht mehr von einer einzelnen Stimme vermittelt werden; die Texte arbeiten mit zahlreichen Stimmen, die jeweils unterschiedliche, auch gegensätzliche, Perspektiven anführen und von denen alle dieselbe Gewichtung einnehmen. Dies entspricht den Erzählinhalten, die sich zunehmend linearen, eindeutigen Interpretationen widersetzen und mehrere Versionen zulassen. Auch die Figuren sind häufig in der Postmoderne angesiedelt; als Randfiguren der Gesellschaft eignen sie sich besonders dazu, die Brüche und Zerrissenheit einer Gesellschaft zu erzählen.

© Haymon, 2004Auf diesem Gebiet sind erste Forschungsarbeiten längst geleistet worden, u.a. von Christine Riccabona und Anton Unterkircher vom Brenner-Archiv in Innsbruck. Eine Zusammenschau der Literatur Tirols mit inhaltlichen und formalen Schwerpunkten fehlt jedoch bisher. Daher ist es für die Literaturforschung wie für die Geschichte der Region von Bedeutung, die Entwicklungen dieser Prosa in einem Forschungsprojekt umfassend und methodisch-fundiert zu beleuchten.

Das Forschungsinstitut Brenner-Archiv  hat im Februar 2011 unter der Leitung von Johann Holzner und unter der Mitarbeit von Eleonore De Felip ein Projekt zur Lyrik im Literaturraum Tirol gestartet (Projektförderung Autonome Provinz Bozen). Ein Parallelprojekt zur Prosa  ist ebenfalls ein forschungsrelevantes Vorhaben.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der kritischen Regionalliteraturforschung im internationalen Bereich ist das Thema des Projektes besonders zeitgemäß. Die Erforschung des Zusammenhanges zwischen Raum und Literatur bildet gegenwärtig ein zentrales Thema in  den Kulturwissenschaften.

Das vorliegende Projekt verfolgt die Intention, ein Entwicklungspanorama der Prosa-literatur des Literaturraumes Tirol der vergangenen 30 bis 40 Jahre darzustellen, in dem thematische Schwerpunkte gesetzt, einzelne Werke im Detail beleuchtet sowie literarische Tendenzen und Bewegungen aufgezeigt werden

Beispielsweise sollen das Genre Familien- bzw. Generationsromansowie der inhaltliche Schwerpunkt Kommunikationsstrukturen in der Prosaeingehender erörtert werden.
Dadurch kann neben einer Überblicksanalyse auch eine Detailanalyse einzelner Werke geboten werden. Daneben soll den innovativen Entwicklungen im formalen Bereich sowie den Veränderungen des Literaturbetriebs und der Rezeptionsmechanismen besondere Beachtung geschenkt werden.

Methodik:

Als textbezogene Methode wird das close-reading-Verfahren gewählt. Die Texte sind die Quellen dieses literarischen Projektes und sie stehen demzufolge im Mittelpunkt der Analyse. Dabei werden einerseits die Analysekategorien der traditionellen Literaturwissenschaften (Stoff, Motive, Stilmittel, Erzählverhalten usw.) verwendet, andererseits werden auch dekonstruktivistische Ansätze genutzt, die auf ein wide-reading abzielen.
Die Erforschung der Regionalliteratur kann mittlerweile auf eine längere Tradition zurückblicken. Norbert Mecklenburg beispielsweise hat sich eingehend mit Regionalliteratur beschäftigt und vielbeachtete Standardwerke zum Thema verfasst. Diese Erkenntnisse werden in die folgende Projektforschung miteinbezogen. Das Brenner-Archiv hat eine ganze Reihe von Fachspezialisten, die sich theoretisch mit Regionalliteratur auseinandersetzen.

Wir danken dem Land Südtirol (Autonome Provinz Bozen – Südtirol Bildungsförderung, Universität und Forschung) für die freundliche Unterstützung dieses Projekts.

 

Zielsetzungen:

Ein erstes Ziel dieses Projektes ist, die Prosa aus Nord-, Süd- sowie Osttirol der letzten 30-40 Jahre auf ihre Thematiken hin zu untersuchen. U.a. werden folgende Fragen diskutiert:

  • Welche Themen werden in der narrativen Literatur erzählt? Sind dabei Themenschwerpunkte auszumachen?
  • Welche thematischen Wandlungen sind innerhalb dieses Zeitraumes festzustellen? Lassen sich in der gegenwärtigen Literatur inhaltliche Tendenzen erkennen?
  • Inwiefern spielt der Regionalraum für die Auswahl und Darstellung der Themen eine Rolle, d.h. wo werden Räume textkonstitutiv bzw. wo schließt sich die Prosa einem größeren Literaturraum an?
  • Sind thematische und formale Unterschiede zwischen den drei Literaturen erkennbar, wenn man die drei Literaturräume (Nord-, Ost- und Südtirol) und die verschiedenen Rahmenbedingungen differenzierend betrachtet?

Für die Textanalyse bzw. die Darstellung der Rezeptionsgeschichte werden folgende Schwerpunkte gesetzt:

1. Familien- und Generationenromane: Familienromane haben in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur einen wichtigen Stellenwert. Familiengeschichten sind eng verwoben mit persönlichen Erinnerungen,  die eingebettet sind in die Ereignisse der erzählten Zeit. Die Familie ist nach innen hin ein intimer, individueller Ort und gleichzeitig nach außen hin eine Beziehungseinheit, die gesellschaftlich ist. Sie ist in die größeren gesellschaftlichen Einheiten (beispielsweise politische Vereine, Freizeitvereine, Dorfbevölkerung usw.) eingebettet und funktioniert nach bestimmten Regeln, die häufig den Regeln der nächstgrößeren Einheit entsprechen. Daher ist die Familie oft das Spiegelbild der Gesellschaft, deren Strukturen und Regeln, Verhaltensmustern und Ritualen sie folgt. Innerhalb dieser Thematik spielt der Vater-Sohn-Konflikt eine wichtige Rolle, der von hierarchisch-patriarchalischen Machtstrukturen gekennzeichnet ist.

Familienromane sind jedoch immer auch Erinnerungsromane; innerhalb der Familie werden Erinnerungen bewahrt, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Literatur aus Nord-, Ost- und Südtirol nutzt dieses Genre für das Erzählen von Familiensituationen und -erinnerungen, für das Erzählen der individuellen Geschichten, die immer in einem Verhältnis zu den historischen Ereignissen stehen. Dabei werden u.a. folgende Fragen zur Diskussion gestellt:

  • Welche Handlungssituationen, Erfahrungen und Ereignisse (historische, familiär-persönliche) schildern die untersuchten Prosatexte?
  • Wie sind die dargestellten Erzählinhalte vor dem Hintergrund psychoanalytischer Theorien zu verstehen?
  • Wo und wie wird neben dem Erzählten Erinnerung selbst als Prozess reflektiert?
  • Welche Rollen haben die Frauenfiguren in den Texten und welche feministischen Ansätze beleuchten ihre Situation?
  • Welche Erzählformen werden in den Texten genutzt? Inwiefern entsprechen sie den Erzählinhalten?
  • In welcher Beziehung stehen die Familienromane aus dem Tiroler Literaturraum zum internationalen Kontext? Worin bestehen die inhaltlichen sowie formalen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede? 

2. Kommunikationsformen: Stereotypisch und essentialistisch werden die Tiroler-Innen als Menschen gezeichnet, die wortkarg sind. Den ländlichen, auch heute noch teilweise in der Region Tirol bäuerlichen Lebensräumen wird ein geringes Interesse an Sprache und Kultur zugeschrieben. Das Sprechen, Diskutieren, Verhandeln wird in den geschilderten Gemeinschaften oft beinahe ausgegrenzt, dagegen nimmt die körperliche Arbeit eine zentrale Rolle ein. Zahlreiche Prosatexte aus dem Tiroler Literaturraum zeichnen wiederholt schweigsame Figuren.
Schweigsam sind diese literarischen Figuren aus unterschiedlichen Gründen; doch oft verbergen sich hinter dem Schweigen subtile Gewaltformen, die hierarchischen Strukturen entstammen. Daneben spielt die soziolinguistische Dimension eine Rolle: Sämtliche Teile Tirols sind dialektgeprägte Räume, in denen das Standarddeutsch die Schriftsprache darstellt, während der Dialekt vor allem den mündlichen Sprachgebrauch bestimmt. Dies kann sich auch auf die Kommunikation der Figuren auswirken bzw. auf die Thematisierung von Sprache und Sprechen im Text: einerseits also das Minderwertigkeitsgefühl der Figuren aufgrund des Dialekts als Muttersprache, andererseits ein Erkennen des Potentials und ein bewusster Gebrauch umgangssprachlicher bzw. dialektaler Redewendungen und Metaphern im Standardtext.

Das Schweigen innerhalb einer Gesprächssituation wird traditionell außerhalb der reibungslos funktionierenden Kommunikation angesiedelt. Neben dem Schweigen schildern die Texte auch andere Kommunikationsformen, an denen Störungen eines funktionierenden Kommunikationskreises festzustellen sind: z.B. das Stottern, Schreien sowie Monologisieren. Die Analyse der Kommunikation der literarischen Figuren ist besonders deshalb interessant, weil sie gesellschaftliche Strukturen aufdeckt, reflektiert und kritisiert. All diese Formen der Kommunikation sind Sprechakte und somit gesellschaftliche Handlungen. Dementsprechend sind sie eingebettet in einen soziologischen Raum, der sie beeinflusst, hervorbringt, zulässt bzw. ausgrenzt.

  • Welche Kommunikationsformen beschreiben die Texte?
  • Welche Funktionen können diesen zugeordnet werden?
  • Inwiefern lässt sich an den Sprechhandlungen die soziale Position des Sprechers ablesen?
  • In welchen sozialen Handlungsräumen entwickeln sich diese Kommunikationsformen bzw. welche Beziehung besteht zwischen den Sprechakten und den Räumen, in denen sie vollzogen werden?
  • Lassen sich gender-spezifische Kommunikationsformen ausmachen? 

3.  Eng verbunden mit dem Erzählinhalt ist die Erzählform. Eine brüchige Lebenswelt kann schwer in ein chronologisches Erzählraster gefasst werden, und umgekehrt widerspricht multiperspektivisches Erzählen einem Inhalt, der auf eine einzige Interpretation abzielt. U.a. werden in diesem Teil folgende Fragestellungen wichtig:

  • Welche für die Region neuen Erzählverfahren werden eingesetzt?
  • In welcher Beziehung stehen sie zu den Erzählgegenständen?
  • Wo werden traditionelle Erzählformen bewahrt und mit welchem Zweck?
  • Wo werden heteroglotte Erzählstrategien eingesetzt und welche Bedeutung übernehmen sie?
  • Welche Genres sind für diesen Zeitraum wichtig?
  • Inwiefern stehen die formalen Tendenzen im Kontext der Postmoderne?
  • Welchem Erzählverhalten und welcher Erzählperspektive begegnet man in den literarischen Texten? Inwiefern eröffnet der Wandel hinsichtlich der Erzählinhalte und Erzählfiguren auch neue Formen des Erzählens?

4.  Besondere Aufmerksamkeit innerhalb der Forschung der Regionalliteratur ver-dient die Analyse der Rezeptionsgeschichte. Lange Zeit haben die Autoren und Autorinnen auf der Suche nach einem Verlag in Tirol die beiden Verlage Tyrolia und Athesia vorgefunden. Diese Verlage förderten ein konservatives Literaturprogramm und nahmen darin nur jene Literatur auf, die ihren verlagspolitischen Vorstellungen entsprach. Viele der Autoren sahen sich daher gezwungen, ihre Werke in Kleinverlagen zu publizieren. In diesem Bereich hat sich ein wesentlicher Wandel vollzogen. Damit vergrößert sich auch der Rezeptionsraum, die Literatur erhält ein breiteres Kritiker- und Leserpublikum.

  • Welche Auswirkungen hat die überregionale Rezeption der Tiroler Literatur auf die Literatur selbst bzw. auf die Literaten?
  • Wie wird die Tiroler Literatur überregional wahrgenommen und nach welchen Maßstäben wird sie bewertet? Wird auf regionalspezifische Aspekte hingewiesen oder wird die Literatur in einen größeren Kontext gestellt?

Ein wesentlicher Punkt betrifft die Bestimmung und Definition des Forschungs-gegenstandes: Wer wird als Autor/in aus dem Literaturraum Tirol bezeichnet? Was bezeichnet man als Literatur aus dem Literaturraum Tirol?

Diese Frage kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Für dieses Projekt wird folgende Definition gewählt: AutorInnen, die über einen bestimmten Zeitraum in Tirol gelebt haben oder/und dort geboren sind, werden zu dieser Kategorie gezählt. Es wird sowohl Literatur berücksichtigt, in welcher der Regionalraum textkonstitutiv ist, als auch jene, in der er keine oder kaum eine Rolle spielt. Somit kann eine breite Palette von unterschiedlichen Texten untersucht und ein differenzierter Überblick geboten werden. 

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Abschlussberichte

 

  1. ENDBERICHT

 

Projekt: Prosa der Gegenwart aus Nord-, Ost- und Südtirol

Projektleiter: Ao. Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner

Projektmitarbeiterin: Dr. Barbara Siller

 

Endergebnisse:

 

Im Rahmen des Projektes hat die Projektmitarbeiterin ihre Dissertation zum Literaturraum Südtirol in den Innsbrucker Beiträgen zur Kulturwissenschaft – Germanistische Reihe publiziert:

  • Monographie: Identitäten – Imaginationen – Erzählungen. Literaturraum Südtirol seit 1965. iup, Innsbruck 2015 (= Innsbrucker Beiträge zur Kultur-wissenschaft – Germanistische Reihe 82)
  • Eine Monographie zur Prosa der Gegenwart aus Nord-, Ost- und Südtirol ist in Vorbereitung und wird den Abschluss dieses Projektes bilden. Die Arbeit konnte nicht mehr innerhalb der Projektzeit fertiggestellt werden, da Dr. Barbara Siller im Januar 2016 eine Stelle am Department of German/  University College Cork angenommen hat. In Vertretung ist Dr. Maria Piok im Januar 2016 mit einem neuen Schwerpunkt (Drama der Gegenwart in Tirol) in das Projekt eingestiegen (siehe Bericht von Dr. Piok).

 

Innerhalb der Projektzeit konnte die Mitarbeiterin gemeinsam mit weiteren wissenschaftlichen MitarbeiterInnen aus dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv die Vorbereitungen für einen Sammelband (Erscheinungsjahr 2017) treffen, der sich mit dem Raum von Tirol bis in die Poebene auseinandersetzt: 

  •  Ender, Markus / Fürhapter, Ingrid / Kathan, Iris / Leitner, Ulrich / Siller, Barbara (Hrsg.): Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Poebene. Transcript, Bielefeld 2017. 

 
Dr. Barbara Siller hat während ihrer Projektzeit folgende einschlägige Artikel publiziert bzw. für die Veröffentlichung vorbereitet: 

 
Aufsätze:
 

  •  (in Vorbereitung): Der Raum – Ein Richtsaal. Die den Orten und Landschaften eingeschriebenen Erinnerungen in Gerold Foidls Roman ‚Der Richtsaal‘. In: Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Poebene. Transcript, Bielefeld 2017.
  • (in Vorbereitung): Einleitung (gemeinsam mit Ender, Fürhapter, Kathan und Leitner). In: Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Poebene. Transcript, Bielefeld 2017.
  • (in Druck): „Ich schäme mich, dass ich meinen Freund so wenig gekannt habe. Die Literarisierung einer Freundschaft in Konrad (Haymon 2012) von Joseph Zoderer und in Der Freund und der Fremde (Kiepenheuer & Witsch 2005) von Uwe Timm. In: Joseph Zoderer. Symposionsband. Sieglinde Klettenhammer, Erika Wimmer (Hrsg.). Edition Brenner-Forum, Innsbruck 2017.
  •  (in Druck) Verschwiegenes sagbar machen – Erinnerungsmedien und Anhaltspunkte für ein Übersetzen des Schweigens in Anna Rottensteiners Lithops. Lebende Steine, Bernd Schuchters Link und Lerke und Christoph W. Bauers Die zweite Fremde. Zehn jüdische Lebensbilder. In: Über das Schweigen – das Verschwiegene – das Ungesagte – das Unsagbare. Paul Martin Langner (Hrsg.), Weidler Buchverlag, Berlin 2017.
  • Poesia in due lingue – Ricezione monolinguale? Poesie in zwei Sprachen – Monolinguale Rezeption? Selbstübersetzung als literarische Handlungsform am Beispiel Gerhard Koflers. In: Lyrik transkulturell. Eva Binder, Sieglinde Klettenhammer, Birgit Mertz-Baumgartner (Hrsg.). Königshausen & Neumann, Würzburg 2016 (= Saarbrücker Beiträge zur Vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft, 78), 223-250.
  • Mütterlicherseits. Generationenromane und Geschlechter. In: Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur. Goran Lovrić, Marijana Jeleć (Hrsg.). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2016, 41-59. (Aufsatz zu Helene Flöss: ein Vergleich zu Sabine Scholl)
  • „Durch Abenteuer Berg und Tal / ich wollte fahren um nicht zu verliegen“ – Die Suche nach einem unverschlüsselten Ort in Anita Pichlers Texten. In: Kulturen an den ,Peripherien‘ Mitteleuropas (am Beispiel der Bukowina und Tirol). Andrei Corbea-Hoisie, Sigurd Paul Scheichl (Hrsg.). Hartung Gorre, Konstanz 2015 (= Jassyer Beiträge zur Germanistik 18), 429-440. 
  • „Erlöse uns von allem übel, habe er gebetet – und auch vor den bergen“ – Der Berg als Dystopia im Literaturraum Südtirol. In: Das Erschreiben der Berge. Die Alpen in der deutschsprachigen Literatur. Johann Georg Lughofer (Hrsg.). iup, Innsbruck 2014 (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft – Germanistische Reihe 81), 273-285.
  • Wörter, Sprichwörter und Geschichten als Referenzpunkte für die Ausbildung transkultureller Identitäten. In: Sprachen und Kulturen in (Inter)aktion. Kongressakten, Institut für Germanistik, Thessaloniki. Teil 2. Nikolaos Katsaounis, Renate M. Sidiropoulou (Hrsg.).  Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2014, 217-228.
  • Nahaufnahme Anita Pichler: „Ich wollte fahren, um nicht zu verliegen“. In: online LiLit. Forschungsinstitut Brenner-Archiv/Universität Innsbruck 4/2014.
  • Topographie Dorf. Darstellungen dörflicher und kleinstädtischer Räume in ausgewählten Texten aus dem Literaturraum Südtirol. In: Raum – Region – Kultur. Regionale Kultur- und Literaturgeschichtsschreibung im Kontext aktueller germanisti-scher Diskurse. Marjan Cescutti, Johann Holzner, Roger Vorderegger (Hrsg.), Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2013 (Reihe Schlern-Schriften), 83-93. 

 
Rezensionen:
 

 
Konferenzbeiträge:
 

  • Ich schäme mich, dass ich meinen Freund so wenig gekannt habe.“ Die Literarisierung einer Freundschaft in Konrad (Haymon 2012) von Joseph Zoderer und in Der Freund und der Fremde (Kiepenheuer & Witsch 2005) von Uwe Timm. Internationales Joseph-Zoderer-Symposion. Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Universität Innsbruck, 23.-25. November 2015.
  • I grew up – in der Bauernfeldgasse“ – Longing for and belonging to in Christoph W. Bauers Die zweite Fremde. Zehn jüdische Lebensbilder (2013) and in the performance Alte Heimat/Schnitt/Neue Heimat. Erinnerungstheater directed by Irmgard Bibermann (2011). ENCLS/REELC 6th Biennial Congress. Dublin City University and National University of Ireland, Galway, 24.-28. August 2015. In partnership with the Comparative Literature Association of Ireland. 
  • Mütterlicherseits. Generationenromane und Geschlecht. Internationale literaturwissenschaftliche Tagung Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur, Abteilung für Germanistik, Universität Zadar, 14.-16. Mai 2015.  
  • Literaturraum Tirol: Erzählen. Von N.C. Kaser und Johannes Trojer bis zu Norbert Gstrein und Sabine Gruber. Vortrag gemeinsam mit Iris Kathan, Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen (Freie Universität Bozen), 10. Mai 2015. 
  • Der Raum – ein Richtsaal. Die dem Ort eingeschriebenen Erinnerungen in Gerold Foidls ,Der Richtsaa‘. Vortrag im Panel (organisiert gemeinsam mit Iris Kathan, Ingrid Fürhapter und Markus Ender): Literarische (Re-)Figurationen der Provinz: Repräsentationen kultureller Identitäten im Grenzraum Tirol. Internationale Tagung des Forschungsschwerpunkts „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“: Grenzräume – Raumgrenzen: Ländliche Lebenswelten aus kulturwissenschaftlicher Sicht. Universität Innsbruck, 16.-18. April 2015.
  • Lyrik in zwei Sprachen – monolinguale Rezeption? Selbstübersetzung als literarische Handlungsform am Beispiel Gerhard Kofler. Internationale Tagung Lyrik transkulturell. Universität Innsbruck, 21.- 24.Januar 2015. 
  • Nahaufnahme-Vortrag. ‚Ich wollte fahren, um nicht zu verliegen.‘ Ein Abend für Anita Pichler. gemeinsam mit Erika Wimmer. Literaturhaus am Inn, Forschungsinstitut Brenner-Archiv. 10. Oktober 2013.
  • Verschwiegenes sagbar machen – Erinnerungsmedien und Anhaltspunkte für ein Übersetzen des Schweigens in Anna Rottensteiners ,Lithops. Lebende Steine‘, Bernd Schuchters ,Link und Lerke‘ und Christoph W. Bauers ,Die zweite Fremde‘.  2. interdisziplinäre Tagung des Neophilologischen Instituts, Fachbereich Germanistik, Pädagogische Universität, Kraków. „Über das Schweigen“:  Das Verschwiegene – das Ungesagte – das Unsagbare. 26.-29. September 2013
  • Oneself and the Other in Joseph Zoderer’s Novels ,L’italiana‘ and ,Il dolore di cambiare pelle‘. A Kristevan Reading. American Association of Teachers of Italian (AATI) – conference in Strasbourg. Sektion: Disputed Borders: Italian Texts of and about the Autonomous Northern Regions: Südtirol/Alto Adige and Valle D’Aosta. 30. Mai-4. Juni 2013. 

 
Moderationen bei Lesungen und AutorInnengesprächen:
 

  • Mitorganisation (gemeinsam mit Angelo Pagliardini und Sieglinde Klettenhammer) der Präsentation des 2. zweisprachigen Gedichtbandes aus dem Nachlass von Gerhard Kofler: Trilogie der Situation an Orten/Trilogia di situazioni sui luoghi. Universität Innsbruck (Mai 2015): Kurzbeitrag Der vielstimmige Dichter Gerhard Kofler.
  • Gespräch mit den HerausgeberInnen Rut Bernardi und Paul Videsott bei der Vorstellung der dreibändigen ladinischen Literaturgeschichte (Januar 2015). 
  • Ein Abend der Erzählungen. Ilma Rakusa und Anne Marie Pircher. Literaturhaus Innsbruck (November 2014).
  • Kurzbeitrag Das Haus als narratives Strukturelement und Lesung bei der Buchvorstellung Il vento della storia. Ritratti di famiglia a Villa Clementi. Carla Festi und Nicolao Merker (Hrsg.) (Dezember 2014). 

 
Jurytätigkeit:

  • European Region’s Young Researcher Award. Forum Alpbach, August 2014

 

Auszeichnungen:

 

Barbara Siller

 

 * 

 

  1. ENDBERICHT „DRAMA DER GEGENWART IN TIROL“

 

Projekt: Prosa der Gegenwart aus Nord-, Ost- und Südtirol – Exkurs Drama

Projektleiter: Ao. Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner

Projektmitarbeiterin: Dr. Maria Piok

 

Ergebnisse: 

Vom 1. November 2015 bis zum 30. September 2016 arbeitete Maria Piok am Projekt weiter, wobei auf Anregung des Projektleiters der Schwerpunkt auf die (bislang vonseiten der Literaturwissenschaft wenig beachtete) dramatische Literatur aus Nord-, Ost- und Südtirol gelegt wurde. Folgende Bereiche standen im Vordergrund: 

  • Sichtung der Sekundärliteratur und der verfügbaren (also im Druck erschienenen, als Vor- bzw. Nachlass im Brenner-Archiv aufbewahrten oder anderweitig einsehbaren) Stücke aus Tirol;
  • Entwicklung der Theaterszene im regionalen Raum seit den 1960er Jahren: Gründung von Verbänden, Theatergruppen, und Veranstaltungen (Passionsspiele in Thiersee, Erl und Lana, Volksschauspiele Telfs, verschiedenste Freilichtbühnen in Südtirol, Tiroler und Südtiroler Theaterverband, Vereinigte Bühnen Bozen, Gastspiele des Südtiroler Kulturinstituts etc.), Erhaltung bzw. Errichtung von Spielstätten (Tiroler Landestheater, Teatro Stabile di Bolzano, Bozner Stadttheater etc.); Untersuchung der Theaterspielpläne;
  • Veranstaltungen und Initiativen zur Förderung der Tiroler Dramatik (u.a. Südtiroler Initiative, Tiroler Dramatikerfestival, Preis der Stadt Innsbruck für Dramatik);
  • Entwicklung der dramatischen Produktion seit den 1960er Jahren unter besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Dramatiker aus Nord- und Südtirol (Otto Grünmandl, Josef Feichtinger, Egon A. Prantl, Felix Mitterer, Klaus Händl, Toni Bernhart) und ihrer Rezeption in und außerhalb der Region; Analyse ausgewählter Stücke;
  • Theater und Region – besondere Bedingungen der Dramatik aus Tirol:
    enge Verflechtung mit der regionalen Theaterszene, Gebundenheit an Erwartungen von Veranstaltern, Ensembles und lokalem Publikum;
    Anbindung an regionale Traditionen (Volksstück, Passionsspiel etc.): Fortschreiben, Weiterentwicklung und kritisch-satirische Reflexion traditioneller Theaterformen;
    Auseinandersetzung mit wichtigen Themen der Region: Regionalgeschichte (Andreas Hofer, Faschismus und Option) und aktuellen Gegebenheiten/Problemen des Landes (Zusammenleben der Sprachgruppen, touristischer Ausverkauf der Alpenregion etc.);
    lokale Sprache als Bühnensprache: Lokalkolorit; formales Gestaltungsmittel zur Betonung bestimmter Aspekte (Gegensatz Stadt-Land, Region und überregionaler deutschsprachiger Raum, Einheimische vs. Touristen, ,bodenständiges‘ regionales Leben vs. alltagsferner (Pseudo-)Intellektualismus etc.);
  • Vergleich der Bühnen- und Prosaliteratur aus Tirol – Rückbindung an die von Barbara Siller erarbeiteten Schwerpunkte:
    engere Bindung der Dramatik an lokale Bedingungen und daher geringere Reichweite und überregionale Resonanz;
    thematische Berührungspunkte (Reflexion dörflicher Strukturen, Ausgrenzung des ,Anderen‘, Sprachlosigkeit und Scheitern der Kommunikation, Gefühl der Beengung und Sehnsucht nach Sprengen der Grenzen etc.);
    Wechselwirkung dramatischer und epischer Produktion (u.a. bei Alois Hotschnig, Kurt Lanthaler, Selma Mahlknecht).

 

Konferenzbeiträge:

Hunger und Völlerei im Volksstück. IFK-Akademie „Hunger, Essen und Askese“, Maria Taferl (Niederösterreich), 21.-27. August 2016.

 

Veranstaltungen:

(gemeinsam mit Ulrike Tanzer): für das evangelische Bildungswerk Tirol veranstaltete Führung durch das Brenner-Archiv und Präsentation des Nachlasses Otto Grünmandl.

 

Weitere Konferenzbeiträge (u.a. bei Internationalen Nestroygesprächen in Schwechat 2017, bei einem Kolloquium zum Thema „Theater in kleinen und regionalen Sprachen“ in Flensburg – Bewerbungen dafür wurden eingereicht), Aufsätze und ein ausführlicher Beitrag für die von Barbara Siller geplanten Monographie sind in Vorbereitung bzw. Planung.

 

Eine erste Vorstellung des Projekts fand am 15. November 2016 in der Öffentlichen Bücherei in Laas statt.

Maria Piok

 

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