leitgeb1946Josef Leitgeb: Gesammelte Werke

Vier Bände wurden von Walter Methlagl, Manfred Moser und Hans Prantl über Josef Leitgeb herausgebracht. Nun wird die Ausgabe mit einem teilweise neuen Herausgeberteam weitergeführt: Johann Holzner, Walter Methlagl, Anton Unterkircher. Prantl und Moser werden weiterhin an einzelnen Bänden mitarbeiten. Geändert hat sich aber auch die Konzeption der Ausgabe. Es wird vom Prinzip "Gesammelte Werke" abgegangen und eine rigorose Auwahl getroffen.

Soeben erschienen: Josef Leitgeb, Christian und Brigitte. Roman

Herausgeber dieses Bandes: Johann Holzner, Manfred Moser, Hans Prantl, Daniela Rummel-Volderauer, Anton Unterkircher


Mit einem Vorwort von Martin Pichler
 

Josef Leitgeb: Christian und Brigitte. RomanDas kleine Dorf, im Tiroler Unterland gelegen, der Hauptschauplatz dieses Romans, wirkt auf den ersten Blick idyllisch. Aber der Schein trügt. Aus freien Stücken in dieses Dorf zu ziehen, käme keinem Fremden in den Sinn. In ein solches Dorf wird man hineingeboren - oder strafversetzt.
Christian, der neue Dorfschullehrer, ist dennoch bereit, an diesem Ort sich zu integrieren, obwohl gleichzeitig ihn alles drängt, sich aus der Gesellschaft, aus den vorgegebenen, gleichsam behördlich abgestempelten Bindungen mehr und mehr zurückzuziehen. Er hat den ersten Weltkrieg an der Front schon mitgemacht; die Zeit danach, auf die er zunächst alle seine Hoffnungen gesetzt hat, erweist sich als eine richtungslose Zeit, das Leben, in der Stadt wie auf dem Lande, erscheint ihm zunehmend klein, erbärmlich, brutal, beklemmend fremd.
Brigitte, anders als der Dorfschullehrer aus einer gutbürgerlichen Familie stammend, jung, unerfahren, setzt der Flucht Christians ins Ich abrupt ein Ende und befördert, wenn auch nur für kurze Zeit, seinen Traum von einem Leben, das die Kreise der Schulbehörden wie der Dorfkaiser, die wohlbehüteten Felder aller weltlichen und kirchlichen Institutionen nach Kräften meidet.
Der Erzähler wiederum geht jeder Schwarz-Weiß-Zeichnung  umsichtig aus dem Weg. Zum einen, weil er seinen Figuren ein Eigenleben einräumt und dieses keineswegs  permanent charakterisieren möchte. Zum andern, weil er selber unsicher ist oder jedenfalls recht unschlüssig, vor allem wo es gilt, klar zu entscheiden, ob in der Natur das Regellose oder das Regelgebende zuallererst zu sehen wäre.
Der Roman schließt, einigermaßen überraschend und wenig konsequent, mit einem Happy-End. Leitgeb, der damit Vorschläge seines Lektors Max Tau aufgegriffen hat,  selbst aber darüber ganz und gar nicht glücklich, hat auch andere Handlungsabläufe in Erwägung gezogen. - In diesem Band wird erstmals die Entstehungsgeschichte des Romans dokumentiert.

Anhang: Materialien und Dokumente zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Romans; Faksimiles, Fotos; Darstellungen zur Konzeption, zu den Wandlungen der Konzeption des Romans von der ersten Manuskript- bis zur letzten Buch-Fassung, zum Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion, zum literarischen und sozialen Kontext des Romans.

Textgrundlage: 1. Buchfassung (Bruno Cassirer Verlag, Berlin 1936).
 


 

  • Das unversehrte Jahr. Chronik einer Kindheit [Prosa]. Hg.: Manfred Moser, Hans Prantl.  Nachw.: Walter Methlagl. Innsbruck, Wien: Tyrolia, 1997.
  • Von Blumen, Bäumen und Musik. [Prosa]. Hg.: Walter Methlagl, Manfred Moser. Innsbruck, Wien: Tyrolia, 1997.
  • Gedichte. Hg.: Sabine Frick, Sabine Hofer. Nachw.: Walter Methlagl. Innsbruck, Wien: Tyrolia, 1997.
  • Kinderlegende. Roman. Hg.: Sabine Hofer, Walter Methlagl, Hans Prantl. Innsbruck, Wien: Tyrolia, 2000.