Christine Lavants „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“ in Presse-Stimmen

     „Was die Lavant als Weg schreibend hinter sich gebracht hatte, ist durch Tatsachen belegt. Man kann sie im Nachwort nachlesen. Eine Krankenakte belegt, dass sie als Zwanzigjährige nach einem Suizidversuch im Herbst 1935 freiwillig sechs Wochen in der Klagenfurter ‚Landes-Irrenanstalt’ gewesen ist und dort mit einer Arsenkur behandelt wurde. Und wo es solche Fakten gibt, lassen sich auch in der Personnage genügend Vorbilder nachweisen, die die Furcht der Autorin berechtigt erscheinen lassen, ihre ‚stückweisen Spiegelbilder’ möchten als reale Wiedergänger, als Fratzen der Realität auf sie eindringen.“ Harald Hartung, FAZ, 4.12.01

     „... die Beschreibung eines Kampfes um Humanität, der Scharfsichtigkeit und Sanftmut auf eine rare und berührende Weise verbindet. [...] Das vielleicht Bestechendste an den ‚Aufzeichnungen’ ist die Präzision, mit der Lavant den medizinischen und psychiatrischen Diskurs aus der Sicht einer Betroffenen beschreibt...“ Klaus Nüchtern, Falter 48/01

     „... liebevolles Festhalten und dem namenlosen Vergessen Entreißen auf der einen Seite, dokumentierende Anklage, Festschreiben des Grauens auf der anderen Seite werden durch poetische Sprache möglich. Beeindruckend sind Erkenntnis und Verhängnis der Ich-Erzählerin, die einerseits bemerkenswert sensibel ist, genau wahrnimmt und in verschiedene Richtungen kritisch denkt, andererseits gefangen scheint in einem fatalen Konzept und Konstrukt von ‚Liebe’, das mitverantwortlich gewesen zu sein scheint für die psychische Krise der jungen Frau.“ Petra Nachbaur, 20er, Nr. 34/April 02

     „In Mikroporträts der Patientinnen und Krankenschwestern erscheint die Welt als geschlossene Anstalt...“ Angelika Overath, NZZ, 26./27.1.02

     „Nicht allein ein autobiographisches Dokument von schlagender Wucht ist zu rühmen, sondern ein Akt des Widerstands zu würdigen: Ein Mensch soll gebrochen werden und sammelt in der Sprache, in der Literatur jene Kräfte, die er braucht, um sich gegen die stupiden, bald auch schon mörderischen Mächte der Normalität zu behaupten.“ Karl-Markus Gauss, SZ am Wochenende, 26./27.1.02

     „Und tatsächlich liest man dieses Buch wie einen Spionageroman über ‚Irre’. Das hat damit zu tun, dass er der Wahrnehmung entlang geschrieben ist. Er versucht, nicht dick aufzutragen, er trägt keine Konzepte an die fremde Welt heran. Er ist eine Erkundungsreise mit ungewissem Ausgang...“ Hans-Peter Kunisch, Die Zeit, 2.5.02

     „Die Dinge nicht spielerisch, sondern mit unbeirrbarer Konsequenz genau zu nehmen, dies ist eine andere, spezielle Art von Verrücktheit, die den Leidenden zum Künstler prädestiniert. Die Schreibende beweist mit den „Aufzeichnungen“, dass sie das Wesentliche nicht nur zu sehen, sondern es auch auf eindrückliche Weise literarisch festzuhalten vermag.“ Sabine Franke, Frankfurter Rundschau, 15.8.02