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    Newsletter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv der Universität Innsbruck
    Porträt Erika Danneberg zum 10. Todestag am 29.6.2017

    Erika Danneberg (1922-2007) und Hermann Hakel (1911-1987) waren ein Paar. Sie schrieben gemeinsam ein Hörspiel in 17 Szenen

     
    1. Brief von E. Danneberg 25.8.1942, Antwort von H. Hakel , Sign. 252/13-3Mitten im Krieg, im Mai 1942, lernt die 20jährige Erika Danneberg bei einem Theaterbesuch in Wien den deutlich älteren jüdischen Schriftsteller Hermann Hakel kennen und verbringt einige Tage an seiner Seite. Es folgt ein über Jahre aufrecht gehaltener  Briefwechsel (Sign. 252/13-3) zwischen zwei Menschen, die zwar die Liebe zur Literatur und das eigene Schreiben, sonst aber nicht viel gemeinsam haben: „Zwei verschiedene Lebensanschauungen“, so Hakel am 13.9.1942 an Danneberg, „reichen sich die Hand“. Er ist gläubig, sie ist Agnostikerin, er wirkt in seinen Briefen introvertiert und zeigt einen Hang zum Philosophischen, sie gibt sich intellektuell und kritisch. Er schreibt seine Briefe stets mit der Hand, sie bevorzugt die Schreibmaschine und entschuldigt sich dafür. Eine Übereinkunft mag sich im Übrigen aus der Tatsache ergeben, dass er als Jude gefährdet ist und verfolgt wird, während sie sich mehr und mehr vom nationalsozialistischen Denken ihres Vaters und Bruders distanziert. Nach Jahren treffen sich die beiden wieder und heiraten am 31.10.1949, Erika Danneberg wird diese Verbindung gegenüber einem Freund wiederholt als ‚Wiedergutmachungsehe‘ bezeichnen. Als Wiedergutmachungsakt ist vermutlich auch die Tatsache zu werten, dass sie 1951 unter dem Namen Esther der jüdischen Gemeinde beitritt. Die Divergenzen mit Hermann Hakel nehmen allerdings bald zu und führen 1958 zum Bruch.
                 Doch der Nachwelt sind nicht nur schöne Briefe aus guten Zeiten, sondern auch eine literarische Gemeinschaftsarbeit erhalten. Das Rot-Weiss-Rot-Hörspiel Zwischen Nacht und Nacht (Sign. 252/1-11) verfassen die Eheleute vermutlich in den beginnenden 1950er Jahren, es soll, wie Danneberg im Vorspann schreibt, ein „Volkshörspiel“ sein, denn „der Rundfunkautor“ müsse sich an die Vielen da draußen, er könne „sich nicht an eine kleine, speziell literarisch interessierte Gruppe wenden“. Die Hauptfigur, Karl Mandl, ist ein 35jähriger „Werkmeister“, der sein bisheriges Arbeitsleben an einer Maschine in der Fabrik verbracht und nichts von der Welt gesehen hat. Als er ein „geographisches Rätsel“ in der Zeitung „Illustrierte Welt“, gewissermaßen „ein Welträtsel“ löst, gewinnt er eine Venedig-Reise, verlässt für zehn Tage Frau und Sohn und fährt zum ersten Mal in seinem Leben ins Ausland. Der Aufenthalt und die Begegnungen mit fremden (und fremdsprachigen) Menschen, vor allem die sich anbahnende Liebschaft mit einer schönen Italienerin, bringen den braven Mann so durcheinander, dass er schon nach einer Woche abreist und gejagt von widerstreitenden inneren Stimmen aus dem fahrenden Zug springt (er ist verletzt, wird ins Spital gebracht und sucht über die lokalen Nachrichten nun doch den Beistand seiner Frau).
                Erika Danneberg und Hermann Hakel thematisieren in diesem Hörspiel die Spaltung zwischen der hart arbeitenden und von Vorgesetzten schikanierten Unterschicht und einer privilegierten, weltläufigen Oberschicht. Mandl lehnt sich zwar verbal gegen die Obrigkeit auf, er bleibt aber letztlich seiner beengten Welt ausgeliefert. Obwohl das Stück, was die Bilder von Venedig und die Interaktion zwischen der venezianischen Bevölkerung und den Touristen angeht, zahlreiche Klischees bedient und insgesamt allzu holzschnittartig gestaltet ist, zeigt es doch den sozialen Unfrieden und die Wunde, die der Krieg in die Gesellschaft gerissen hat.
                Zwischen Nacht und Nacht wurde am 9.4.1954 in dem US-amerikanisch kontrollierten Radiosender Rot-Weiss-Rot gesendet, Regie führte Walter Davy. Vieles von dem, was die Kommunistin Erika Danneberg später geschrieben hat, ist in diesem Text bereits vorweg genommen. 

    Erika Wimmer
     

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