Von den Murmeltieren und dem Volk der Fanes.
Karl Felix Wolff (21.5.1879 – 25.11.1966) –  dem Sammler der Dolomitensagen zum 50. Todestag

 

Zum Konzept: „Als der Autodidakt Wolff 1921 in seinem Artikel Dolomitenpoesie begann, Schlüsse aus seiner Sammlertätigkeit und dem von ihm bearbeiteten Sagen-Material zu ziehen, geriet er immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Die Mehrheit der Volkskundler und Sagenforscher sprach seiner Arbeit den wissenschaftlichen Wert ab. Seine Dolomitensagen erfuhren aber einen großen Zuspruch bei der Leserschaft. Er vermehrte sie ständig; zu seinen Lebzeiten erschienen elf mehrfach veränderte und erweiterte Auflagen (insgesamt 16. Auflagen, 2003 erschien ein unveränderter Nachdruck der 16. Auflage). Ulrike Kindl, die Verfasserin einer zweibändigen Kritischen Lektüre der Dolomitensagen, kam zum Ergebnis: ‚Nach wie vor verdient Wolffs Leistung, die ladinischen Überlieferungen vor dem gänzlichen Zusammenbruch der mündlichen Tradierung im letzten Augenblick schriftlich festgehalten und damit dem bewahrenden Gedächtnis erhalten zu haben, großen Respekt und ungeteilte Hochachtung. Aber diese ladinischen Sagen und Märchen sind dabei oft genug von Wolff in eine Form gebracht worden, die den alten autochthonen Motiven und Erzählzusammenhängen nicht gerecht werden konnte.‘“ (Lexikon Literatur in Tirol, Eintrag Karl Felix Wolff)
Über die allgemeine Popularität der Dolomitensagen hinaus hat dieses Werk in den letzten dreißig Jahren in mehrfacher Hinsicht Bedeutung erlangt: Bereits Wolff selbst sprach über Spuren des Matriarchats in den Dolomitensagen (u.v.a. Manuskript Mutterrecht in den Dolomitensagen), dieser Aspekt erhielt im Zuge der genderorientierten literatur- und volkskundlichen Beschäftigung verstärkte Aufmerksamkeit. Die Darstellung der Frauenfiguren, der Geschlechterverhältnisse und, damit zusammenhängend, der Ökologie sowie die fremdartig erscheinende Bild- und Vorstellungswelt der Dolomitensagen inspirierte zahlreiche KünstlerInnen unserer Gegenwart zu Texten und bildkünstlerischen Werken. Nicht zuletzt gelten Karl Felix Wolffs Dolomitensagen heute als „der verkannte Beginn der ladinischen Literatur“ (vgl. Rut Bernardi, Paul Videsott: Geschichte der ladinischen Literatur, 2013).
 

Programm:

Nachmittag:

Gastvortrag: Dr. Ulrike Kindl (Università Ca‘ Foscari Venezia)
Kommentar zum Gastvortrag: Dr. Rut Bernardi (Freie Universität Bozen/Libera Università di Bolzano)

Abend:

Lesung aus Werken von SchriftstellerInnen, die sich auf Karl Felix Wolffs Dolomitensagen bezogen haben:
Rut Bernardi (geb. 1962): gherlandes de sunëc / Sonnettenkränze (ladinisch/deutsch, 2003); Lesung auf ladinisch und auf deutsch
Brunamaria Dal Lago Veneri (geb. 1935): Il regno dei Fanes (ital., 1989) Lesung auf italienisch; auf deutsch liest N.N.
Anita Pichler (1948-1997): Die Frauen aus Fanis (1992) Es liest Erika Wimmer, Lesung auf deutsch
Anna Rottensteiner (geb. 1962): Noch da (unveröffentlicht); Lesung auf deutsch

Ausstellung von ausgewählten Radierungen von Markus Vallazza zu den Dolomitensagen (Mappenwerk Im Reich der Fanes); Vitrinenausstellung zum Nachlass Karl Felix Wolff

 
Links:

                                                     

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