Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv Nr. 27/2008

Herausgeber: Johann Holzner und Eberhard Sauermann
Satz: Barbara Halder und Christoph Wild
Layout und Design: Christoph Wild

 

Editorial

Wo immer in Österreich über die Verleihung bedeutender Literaturpreise diskutiert wird, taucht der Name Alois Hotschnig auf; aus guten Gründen. Hotschnigs neue Erzählung Besorgungen für den Tag ist ein Zeugnis seiner Darstellungskunst: einer Kunst, die durch raffinierte Erzählstrategien scheinbar mühelos, aber auch schonungslos aufdeckt, was unter der Oberfläche von Redeflüssen, von Behauptungen oder Prophezeiungen gewöhnlich sich den Blicken entzieht. Der Tiroler Landespreis für Kunst wurde dem Autor 2007, der Erich-Fried-Preis wurde ihm 2008 zuerkannt. – Joseph Zoderers umfangreicher Vorlass ist 2007 ans Brenner-Archiv gekommen; Tagebücher, Werkmanuskripte, Briefe, Dokumentationsmaterialien, eine lange Reihe von Kassetten. In diesem Heft bringen wir einen winzigen Ausschnitt aus seinem Notizblock 1964; Zoderer, seit kurzem Ehrenbürger der Universität Innsbruck, war damals noch Journalist, Gerichtssaalreporter, er hat gerade damit begonnen, erste literarische Arbeiten zu schreiben. Was alles in seinen Notizen, kreuz und quer unter- und nebeneinander zu entdecken ist: Aufschreibungen über Literatur, über Poesie und Politik, über den Richterstaat, über die Liebe in den Zeiten der Ähren, kann der Auszug aus den ersten beiden Seiten des erwähnten Protokollblocks höchstens andeuten. Immerhin.
     In der Reihe der Reden finden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diesmal auch zwei viel beachtete Vorträge: Der Schweizer Schriftsteller Christian Haller, der 2007 für seine Trilogie des Erinnerns den Schillerpreis erhalten hat, hielt am 15.5.2008 das Eröffnungsreferat der 31. Innsbrucker Wochenendgespräche, die sich unter dem Motto Ich möcht ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist mit Bühnenfiguren, mit Existenzen zwischen Leben und Kunst beschäftigt haben. Klaus Müller-Salget wiederum, der über viele Jahre in souveräner Manier das Institut für Germanistik der Universität Innsbruck geleitet und über zahllose Klippen geführt hat, ein ausgewiesener Experte auch in Sachen Heinrich von Kleist, Alfred Döblin, Max Frisch, hielt am 26.6.2008 seine Abschiedsvorlesung.
     Árpád Bernáth (Universität Szeged), einer der führenden Germanisten Ungarns, berichtet über die Kölner Böll-Ausgabe. Das Dossier Christine Lavant und Russland informiert über die Erträge eines Moskauer Symposions. – Stichwort Information: Seit dem 30.10.2007 ist Der Brenner auch im Internet zugänglich, unter http://corpus1.aac.ac.at/brenner/, übrigens kostenlos.

Johann Holzner

   

 

Inhalt

 

   
   
Editorial 5
 
Texte
Alois Hotschnig: Besorgungen für den Tag  7
Joseph Zoderer: Aus dem Notizblock 1964  11
 
Reden
Anna Rottensteiner: Laudatio anlässlich der Verleihung
des Tiroler Landespreises für Kunst an Alois Hotschnig
13
Johann Holzner: Laudatio anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft
der Universität Innsbruck an Joseph Zoderer
17
Christian Haller: Ich möcht ein solcher werden wie einmal
ein andrer gewesen ist. Vom Wandel des Menschenbildes
und der theatralischen Figur
19
Klaus Müller-Salget: Against Resignation
Abschiedsvorlesung an der Universität Innsbruck
25
     
Aufsätze
Eberhard Sauermann: Anthologien der NS-Zeit mit Gedichten Trakls 37
Árpád Bernáth: Fortschreibung und Kommentierungsbedarf
Über die „Kölner Ausgabe“ der Werke Heinrich Bölls
51
 

 

Dossier: Christine Lavant und Russland 71
Wolfgang Wiesmüller: Facetten der österreichischen Lyrik nach 1945
Am Beispiel biblisch-christlicher Intertextualität
bei Christine Lavant und Christine Busta
75
Nina Pavlova: Christine Lavant und das Gesetz ihrer Dichtung  93
Natalia Bakshi: Der Einfluss der russischen Literatur auf Christine Lavants
„Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“
 
101
Dirk Kemper: Überblendungstechnik und literarische Moderne
Zu Christine Lavants „Das Kind“
111
Ursula A. Schneider und Annette Steinsiek: Kreuzzertretung und
Rückgrat, Luzifer und Bettlerschale
Christine Lavants Religionen im Zusammenhang mit ihrer Poetologie
 
123
Sergej Taschkenow: „Während ich, Betrübte, schreibe …“
Zu einigen Schwierigkeiten der Übersetzung von Christine Lavants Lyrik
143
   
Aus dem Archiv  
Verena Zankl: Vermittlungen, Verbindungen, Verschränkungen
Forschungsprojekt „Der Einfl uss der französischen Kulturpolitik
1945–1955 auf das literarische und kulturelle Leben
in Vorarlberg und Tirol“
161
Michael Schorner: Vertreibung und Rückkehr der Wissenschaftstheorie
Die Nachlässe von Wolfgang Stegmüller, Gerhard Frey und Viktor Kraft
171
 
Notizen
Sigurd Paul Scheichl: Rikar Bona
Eine Miszelle zu Joseph Roth und Max Riccabona
187
 
Rezensionen und Buchzugänge 191
Bericht des Institutsleiters 213
Neuerscheinungen 217
Verzeichnis der Abbildungen 222