Rezension von Helmy Schneider

 


Lois & Franziska Weinberger, Feldarbeit/Field Work [Mai 2008]
Hg. Christoph Bertsch, Silvia Höller
Innsbruck: Skarabaeus, 2007

Ein Kunstbuch, das Botschaften vermittelt

Lois Weinberger wurde in Stams im Tiroler Oberland geboren. Franziska Weinberger stammt aus Innsbruck. Beide leben seit den späten Achtzigerjahren in Wien . Die intensive künstlerische Zusammenarbeit führte 1999 dazu, dass die Arbeiten unter ‚Lois & Franziska Weinberger’ präsentiert werden .
Beide zählen heute zu den international renommiertesten Künstlern Österreichs.

Anlässlich des 60. Geburtstages von Lois Weinberger im September 2007, begleitend zur Ausstellung ‚Lois & Franziska Weinberger’ in der RLB – Kunstbrücke Innsbruck erschien im Skarabaeus Verlag die Publikation von Christoph Bertsch und Silvia Höller ‚Lois & Franziska Weinberger – Feldarbeit’.

Es ist eine Dokumentation über bislang wenig beachtete Arbeiten, die auch Zeichnungen, Fragmente, Skizzen, Entwürfe sowie frühere Arbeiten aus den Siebzigerjahren zeigt und einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Arbeiten liefert.

Die Randzonen der Wahrnehmung stehen im Mittelpunkt. Lois & Franziska  Weinberger zeigen Möglichkeiten der Betrachtung auf. Urbanität,
Natur, Unterwanderung und deren Verschränkung lassen neue Denkmodelle entstehen. Die Natur und ihre Prozesse sind zentrales Thema der Arbeiten, das
Interesse gilt dem Unbeachteten, dem am Rande Befindlichen.
Langzeitversuche und Projekte erinnern an ein wissenschaftliches Denken und
Arbeiten: Feldarbeit und Feldforschung eben.

Der Gegensatz zwischen Mensch und Natur wird in seiner Vielschichtigkeit neu
formuliert, erweitert und hinterfragt mit erstaunlichen Ergebnissen. Wichtige
Konzepte und Gedichte tragen zusätzlich zum besseren Verständnis der Kunst von
Lois & Franziska Weinberger bei. Diese andere Sichtweise betont Manfried Gantner im Vorwort, wenn er sagt: ‚Lois Weinberger hat mir nachhaltig die Augen geöffnet, wie unterschiedlich und anders man Dinge oder Umwelt sehen kann’.
Die Publikation liefert Bildmaterial aus vier Jahrzehnten und legt zentrale Wurzeln
der künstlerischen Arbeiten frei. Der Ansatz im Denken und Arbeiten, die konsequente Umsetzung, die Qualität und Intensität verdeutlichen, warum Weinberger zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten nach 1945 zählt .

Neben der ausführlichen Darstellung ihrer gemeinsamen Werke beinhaltet die
Dokumentation des weiteren eine 37-teilige Arbeit von Franziska Weinberger mit
unterschiedlichen Annäherungen zum Thema Struktur und Bewusstsein. Darin beziehen sie sich auf die Nachfahren der Maja im mexikanischen Regenwald und deren unterschiedliche Bezeichnung für ‚Bewusstsein’.
Vervollständigt wird die Publikation mit einer Chronologie der Ausstellungen von 2007 – 1989  und einer reichhaltigen Bibliographie von Veröffentlichungen über Lois & Franziska Weinberger.

Dieses Buch ist ein vielschichtig spannender Dialog zur zeitgenössischen Kunst,
und wie die Autoren Christoph Bertsch und Silvia Höller sagen: ‚ein Kompendium, das der Geduld des Wissens untersteht und den Betrachter dieser
Seiten auffordert, sich in ein ‚Übermaß an Brachliegendem’ zu vertiefen.
   

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