Rezension von Martin Kolozs 


 
 

Rut Bernardi, gherlandes de sunec. Sonettenkränze.
Innsbruck: Skarabaeus Verlag, 2003.

Im ersten Moment stellt das Büchlein gherlandes de sunec / Sonettenkränze von Rut Bernardi, aus dem Skarabaeus Verlag, eine doppelte Herausforderung dar. Zum ersten ist es Lyrik, eine stiefmütterlich behandelte Literaturgattung, und zum zweiten sind die Gedichte in ladinischer Sprache verfasst und liegen nur in einer sinngemäßen Übersetzung (wie am Umschlag hingewiesen wird) vor. Zur Vereinfachung der Lektüre oder zum besseren Verständnis der Verse hilft die beigegebene Audio-CD leider auch nicht viel, wenngleich sie den unverwechselbaren Klang des Ladinischen transportiert und zur Gewöhnung bringt. Nichtsdestotrotz ist es in einer seltsamen Art und Weise ein Lesevergnügen und kann aus verschiedenen Gründen weiterempfohlen werden. Vor allem aber wegen dem Motto, das die Autorin dem dünnen Bändchen vorangestellt und programmatisch zur Umsetzung gebracht hat: Ich liebe das Korsett beim Schreiben. Ich brauche die Richtlinien und ich brauche die Angaben, sonst verliere ich mich. Und in der Tat hat sich die Dichterin nicht nur in die Verpflichtung begeben, jedes ihrer Poems (innerhalb der vier Zyklen) durch die Gleichheit des jeweils letzten und ersten Verses zu verbinden, sondern sie auch nach Themen (Gherlanda/Kranz: Tieres/Tiere, Gherlanda/Kranz: Corp/Körper, Gherlanda/Kranz: Antenates/Ahnen und Gherlanda/Kranz: Cross da uni die/Alltagsdinge) zu ordnen, um sich so zweifach in die Pflicht zu nehmen und ins sprachliche, wie methodische Schnürmieder zu zwängen. Das hat gewissermaßen seinen Reiz und weist in der Orientierungslosigkeit, in die man mittels der ladinischen Sprache zu Beginn gestoßen wird, die Richtung. Nämlich das Buch von Anfang bis Ende ganz durchzulesen.

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