Rezensionen von Sieglinde Klettenhammer

 
 

Gertrud Spat, Maria T. eine Mutter.
Frankfurt am Main-Basel: Stroemfeld 2003.

Die literarische Biographik ist seit den siebziger Jahren wieder in Mode gekommen. Davon zeugt die anhaltende Popularität und Publikumswirksamkeit von biographischen Darstellungsformen, seien sie faktual, essayistisch, fiktional oder filmisch aufbereitet. Sie tragen dem Bedürfnis des Menschen nach Geschichtlichkeit und dem Begehren, herausragende Persönlichkeiten kennenzulernen ebenso Rechnung wie dem Wunsch, im Spiegel des Anderen die eigene Subjektwerdung und die eigene Lebenspraxis zu erschließen. Dass Biographien Projektionsfiguren mit Vorbildfunktion schaffen, zeigen die zahlreichen Romanbiographien über Frauenpersönlichkeiten aus Kunst, Literatur, Geschichte und aktuellem Zeitgeschehen, denen sich vor allem Gegenwartsautorinnen im Zuge der Frauenbewegung zugewandt haben.
Auch Gertrud Spat rückt eine fast Vergessene in den Mittelpunkt ihres biographischen Romans "Maria T.", nämlich Maria Trakl geb. Halik (1852-1925), die Mutter des skandalumwitterten Geschwisterpaares Georg Trakl und Grete Langen. Sie gehört jedoch nicht zu den Frauengestalten, die – wie z.B. Goethes Mutter Katherina Elisabeth Goethe – im Lichte standen, vielmehr trifft auf sie das Brechtsche Wort von jenen im Dunkeln, die man nicht sieht, zu. Maria Trakl begegnet uns zwar in den faktualen Lebensdarstellungen Trakls, wie sie in der bekannten und vielgelesenen Trakl-Biographie von Otto Basil oder in der genau recherchierten Biographie von Hans Weichselbaum vorliegen, doch bleibt sie mehr noch als Trakls Vater und Trakls Brüder eine Randfigur – nicht zuletzt deshalb, weil kaum dokumentarisches Material vorliegt: Kein Einzelschicksal, sondern ein Faktum, das Maria Trakl mit vielen Frauen teilt.
"Kühl" und "reserviert" sei sie gewesen, "unverstanden, von ihrem Mann und ihren Kindern", ja "von der ganzen Welt" habe sie sich gefühlt; "tagelang" habe sie sich "in ihre Zimmer" eingeschlossen, Freude nur bei ihren "Barockmöbeln, Gläsern und Porzellan" gefunden – so Trakls jüngerer Bruder Fritz in einem Zeitungsinterview von 1952. Spats Romanbiographie richtet sich gegen dieses Negativbild, das die familiären Katastrophen im Hause Trakl erklären helfen soll. In der Trakl-Biographik ist es sehr bald zum Klischee geronnen und in das Stereotyp vom bodenständigen und gütigen, künstlerisch aber wenig interessierten Vater Trakls und der abweisenden, jedoch feinsinnigen Mutter mit neurotischen Zügen gemündet und es lebt in der psychoanalytischen Trakl-Interpretation – gestützt durch Textpassagen aus dem Werk des Dichters – fort.
"Maria T." wirft vielmehr die Frage auf, wer wohl diese Frau gewesen sein mag, deren zwei Kinder Georg und Grete – in einer verstörenden sexuellen Orientierung sich selbst und Drogen verfallen – durch Selbstmord – einmal vermutet, einmal gewiss – zu Tode gekommen sind; wie mag Maria Trakl wohl auf diese Lebenskatastrophe reagiert haben. Gezeigt wird eine in patriarchale Lebens- und Geschlechtsrollenmuster eingespannte Frau der Gründerzeit, die – wie damals üblich – keine umfassende Bildung erhielt, sich bald standesgemäß verheiratete, aus ihrer ersten, halb arrangierten Ehe jedoch ausbricht, um in der Verbindung mit dem aufstrebenden, ungarndeutschen Eisenhändler Tobias Trakl familiäres Glück zu suchen. Was anfänglich der Wiener Neustädterin böhmischer Herkunft zu gelingen scheint, beginnt ihr sukzessive zu entgleiten und treibt sie in die Einsamkeit: Da ist der Tod des unehelich geborenen Sohns Gustav, die Übersiedlung nach Salzburg, die Sorge um die sechs Kinder, die in rascher Folge geboren werden, die Pflicht, einer Haushaltsführung nachzukommen, die nach außen hin das Bild gutbürgerlicher Solidität vermitteln soll. Die anfängliche wirtschaftliche Prosperität, die den sozialen Aufstieg der Trakls begünstigt hat, verwandelt sich um die Jahrhundertwende in Stagnation und Rezession, die den finanziellen Niedergang der Traklschen Eisenwarenhandlung einleitet. Maria Trakl, wie sie hier von Spat gezeichnet wird, erlebt nicht nur, wie sich ihr der wesentlich ältere, vom wirtschaftlichen Überlebenskampf zermürbte Ehemann, sondern auch ihre Kinder, vor allem Georg und Grete, die auf ihren unkonventionellen Lebensentwürfen beharren, entziehen. Der Drogensucht der beiden Geschwister steht die Familie ohnmächtig gegenüber, ihre ruinöse inzestuöse Verbindung scheint allen verborgen zu bleiben. Privates und Öffentliches werden quasi symbolhaft miteinander verknüpft, wenn die Auflösung der Familie mit dem Kriegsausbruch 1914 zusammenfällt.
Spat hat für ihre Romanbiographie die geschlossene Form gewählt. Über die Präsentation der Lebensgeschichte der Maria Trakl von der Eheschließung mit Tobias Trakl 1878 bis zu ihrem Tode 1925, also wenige Wochen nach der Beisetzung Trakls in Mühlau, wird das Charakterbild einer Frau entworfen, das durchaus allgemeiner angelegt ist und als Projektionsfläche für Probleme und Konflikte, wie sie auch in gegenwärtigen Familienzusammenhängen anzutreffen sind, dienen kann. In diese Richtung weist vor allem die nach Erklärungen, Schuld und Verantwortung fragende und bilanzziehende Schlussreflexion Maria Trakls. Dass die Autorin auf die Einführung eines vermittelnden Biographen als objektive Erzählinstanz verzichtet und stattdessen die Ich-Form als Erzählform gewählt sowie den Text als Lebensrückblick der Maria Trakl konzipiert hat, ist zweifellos ein Vorzug dieser Romanbiographie wie auch die sachlich-nüchterne Sprache, in der Maria Trakl erzählt und in der kaum Sentimentalitäten aufkommen. An manche Stellen fallen allerdings Einsprengsel auf, die auf den heutigen Sprachgebrauch verweisen. Doch nicht lebensgeschichtliche Realität soll authentisch abgebildet oder die Gattung Biographie als hybride Form zwischen Fakten und Fiktion autoreferentiell thematisiert, sondern psychologische Wahrheit glaubwürdig vermittelt werden. Dieses Bestreben konterkariert ein sich weitgehend an die Chronologie der familiären Ereignisse haltendes Erzählen, wie es auch in faktualen (Trakl-)Biographien begegnet und das vor allem im zweiten Teil dem Text manche Spannungsmomente nimmt, insbesondere wenn wiederholt von familiären Festlichkeiten im Jahreskreislauf die Rede ist. Dennoch: Ein Verdienst dieser Romanbiographie ist es, das biographische Gedächtnis auf jene familiäre Person im Umfeld Trakls gerichtet zu haben, deren Leben ebenfalls von Katastrophen durchzogen ist.

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Sabine Gruber und Renate Mumelter (Hg.), Das Herz, das ich meine.
Essays zu Anita Pichler.
Wien-Bozen: Folio 2002. 202 Seiten

Nach dem 1998 erschienenen, der Südtiroler Schriftstellerin Anita Pichler (1948-1997) gewidmeten Erinnerungsbuch „Es wird nie mehr Vorgelbeersommer sein…“ (Folio-Verlag), das neben unveröffentlichten Texten Pichlers eine Reihe von Bilddokumenten und literarisch-künstlerische Erinnerungen langjähriger FreundInnen und WeggefährtInnen enthält, haben Sabine Gruber und Renate Mumelter nun einen sorgfältig gestalteteten, anregenden und informativen Sammelband zum literarischen Werk der Schriftstellerin vorgelegt. Der „Essayband“ soll – so die Herausgeberinnen im „Vorwort“ – „die vor fünf Jahren verstorbene Südtiroler Autorin der literarischen Öffentlichkeit ins Gedächtnis rufen.“ Wie die Publikations- und Rezeptionsgeschichte der Autorin zeigt, ist dieses Anliegen mehr als berechtigt.
Anita Pichler war nach der Veröffentlichung ihrer beiden Erzählungen Die Zaunreiterin (1986) und Wie die Monate das Jahr (1989) bei Suhrkamp als weibliche Stimme der Literatur aus Südtirol über Nacht in aller Munde, vor allem in Nord- und Südtirol. Nach Kaser und Zoderer war ihr der Sprung über die Grenze gelungen, und ihre beiden Erzählungen wurden – wenngleich kontroversiell – im Feuilleton der wichtigsten überregionalen Printmedien besprochen. Inzwischen sind ihre selbstständigen Veröffentlichungen mit einer Ausnahme wieder vergriffen – eine Neuauflage erst in Planung. Trotz ihrer Präsenz im Literaturbetrieb der 80er und frühen 90er Jahre hat sich die Literaturwissenschaft bislang kaum eingehender mit Anita Pichler beschäftigt, sieht man von vier unveröffentlichten, in Wien und Innsbruck entstandenen, Diplomarbeiten ab.
Die erst Mitte der 90er Jahre einsetzende literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Autorin im Rahmen von Diplomarbeiten ist u.a. darauf zurückzuführen, daß sich Anita Pichler allen Etikettierungen entzog und ihre Schreibweise wohl nicht nur die Literaturkritik irritierte. Die traditionelle Muster unterlaufende Erzählweise mit Referenzen auf Mythos, Sage und Geschichte, die eigenwilligen Überblendungen von Gegenwart und Vergangenheit sowie die Reflexion von Wahrnehmung und sprachlicher Annäherung an das Wahrgenommene im Bändchen Beider Augen Blick (1995) verstörten eine Literaturkritik, die eine handfeste Geschichte mit „Fakten“(FAZ, 5. 7. 86) oder ein feministisches Lehrstück erwartete. Erzählerische Zurückhaltung im Hinblick auf das „Erfassen von Wirklichkeit“ wurden als „Unfähigkeit, eine Geschichte klar und verständlich zu erzählen“ (FAZ, 5. 7.86) oder als „jene Art moderner Literatur“ ausgelegt, „die sich unter ständigem Blinddarmreiz mit den Vorausetzungen der eigenen Entstehung beschäftigt“ (FF, 19. 8. 1995). Pichlers Arbeiten ließen sich auch nicht in jene Reihe von Texten aus Südtirol einpassen, in denen mehr oder minder aggressiv unter Verzicht auf eine bilderreiche Sprache, lakonisch-verknappt oder experimentelle Ausdrucksformen nutzend, gegen die Enge der Provinz, gegen Heimat-Ideologie und Abwehr alles Fremden angeschrieben wurde. Sie provozierten im Gegensatz zu Pichlers verrätselten Texten im aufgeheizten kulturpolitschen Klima Südtirols der 70er und 80er Jahre regelmäßig lokale ‚Literaturskandale’ und zogen die Aufmerksamkeit weitaus stärker auf sich als Pichlers vordergründig ‚entpolitisierte’ Prosa.
Daß Anita Pichler zu den ersten WegbereiterInnen einer modernen Literatur aus Südtirol nach 1968 gehört, dokumentiert der vorliegende, literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung und literaturkritische Würdigung gelungen zusammenführende Essay-Band mit Beiträgen von Wendelin Schmidt-Dengler, Janko Ferk, Christine Riccabona, Ulrike Kindl, Petra Nachbaur, Sigurd Paul Scheichl, Siegrun Wildner, Ulrike Kindl, Helga Guitink, Benedikt Sauer, Helmut Luger und Stephan Hilpold. Die zurückhaltenden, für das Verständnis der Autorin dennoch Wichtiges vermittelnden biographischen Hinweise im Vorwort, die unterschiedlich perspektivierten Einzelstudien und die Überblicksdarstellungen zum Werk der Autorin sowie die Beschreibung des Nachlasses von Anita Pichler durch Stephan Hilpold mit beigefügter Ordnungsystematik und Bibliographie fügen sich insgesamt zu einem eindrucksvollen Porträt einer Autorin zusammen, die Südtirol schon sehr früh verließ, sich wechselweise in Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz aufhielt und sich im Literarischen von Beginn an neuen Schreibkonzepten öffnete sowie über den Dialog mit der modernen Kunst wohl auch zur Thematisierung von Sinneswahrnehmung und sprachlicher Umsetzung des Wahrgenommen gelangte.
Wendelin Schmidt-Dengler und Janko Ferk zeigen, daß der von der Literaturkritik gegen Pichler erhobene Vorwurf, nicht ‚erzählen’ zu können, ins Leere geht. Er erschließe nicht Pichlers Texte, sondern lege vielmehr das Literaturverständnis der RezensentInnen offen. Die Textstrategien in Pichlers erster Erzählung Die Zaunreiterin unterlaufen bewusst, eine auf einen „kohärenten Erzählzusammenhang“(S. 35) ausgerichtete Lektüreerwartung. Die Annäherung der Ich-Erzählerin, einer Unbehausten und Ausgesperrten, an die Vergangenheit über die Erinnerung, die Suche nach ihrer Lebensgeschichte vollziehe sich stattdessen in einem Gewebe von „Stimmen“, „Motiven“ (S. 38) und Bildern. Nirgends bündelten sich die Erzähllinien zu einem der Ordnung verpflichteten „Lebenslaufschema“ (S. 36). Selbst die in den letzten Erzählabschnitten hergestellten Zusammenhänge und Klärungen sowie die angedeutete Aufhebung der Entfremdung mahnen – so Schmidt-Dengler – zur Skepsis gegenüber einfachen Deutungsmustern.
Die bereits in der Zaunreiterin vorkommenden Thematiken Identitätssuche, Erinnerung, Kunst bzw. ästhetische Wahrnehmung sowie die Bezüge auf Sage, Mythos und Geschichte kehren in anderer Weise, wie Christine Riccabona in ihrem Beitrag darlegt, auch in Pichlers zweiter, offensichtlich geschlosseneren Erzählung Wie die Monate das Jahre wieder. Die Beschäftigung mit dem Oswald-Stoff und der damit verbundenen Sage von der unglücklichen Liebe zwischen Oswald und Antermoya – sie erinnert an den Mythos von Orpheus und Eurydike – sowie die zeichnerische Annäherung an die Oswald-Figur führt zu einer veränderten Sichtweise der Ich-Erzählerin auf ihre Gegenwart, auf ihre Liebesbeziehung.
Ulrike Kindl befasst sich zunächst in einer essayistischen Einzelstudie mit Pichlers Sagenbuch Die Frauen von Fanis (1992), das den Künstler Markus Vallazza als Co-Autor hat und von ihm illustriert wurde, um sich dann nochmals in einem Überblicksartikel den Themen in ihrem erzählerischen Werk von der ersten bis zur letzten Buchpublikation zuzuwenden. In Kindls Ausführungen zu den Frauen von Fanis werden mehrere Problemkreise angerissen, u.a. das Verhältnis von „Geschichtserzählung“ und „Sage“/“Mythos“, weiters das Verhältnis von Wirklichkeit und Kunst. Im Mittelpunkt steht jedoch die Reflexion des Text-Bild-Verhältnisses, das als zentral für das Verständnis des Buches ausgemacht wird. Die Bedeutung des Sehens für Pichler hat schon Riccabona angesprochen. Kindl interpretiert die Frauen von Fanis als einen weiteren literarisch-künstlerischen Beitrag, der „die Grenzen der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit“ (S. 72) sichtbar mache.
Auf die Thematisierung von Sehen, Sprache und Wahrnehmung bzw. auf die Problematisierung der Übertragung von Sinneswahrnehmung in Sprache und der damit immer auch verbundenen Überführung in Sinn in Pichlers Neun Variationen über das Sehen in Beider Augen Blick gehen dann eingehend und aus verschiedenen Perspektiven Petra Nachbaur, Sigurd Paul Scheichl und Siegrun Wildner ein. Literarhistorische Bezüge werden ebenso aufgezeigt wie Formen der sprachliche Annäherung der Autorin an die „Farbe“ oder die diesen Variationen inhärente Phänomenologie der Wahrnehmung. Die dreifache, sich wechselweise ergänzende und vertiefende Annäherung an diese, in neuer Form an das Genre der Bildbeschreibung anknüpfenden neun kurzen Prosatexte, die aus der Beschäftigung mit neun Bildern von Künstlern der Moderne hervorgegangen sind, zeigt das Potential, das in Pichlers Arbeiten steckt, und macht auf eine thematische Konstante im Werk der Autorin aufmerksam.
Aus Helga Guitniks Vorstellung der in diversen Anthologien und Zeitschriften veröffentlichten Kurzprosatexten von Anita Pichler wird deutlich, daß die politischen Aufbrüche in den 60er Jahre nicht bedeutungslos für Pichlers Schreiben waren. Ihre Entscheidung, aus der Optik weiblicher Figuren zu erzählen bzw. Frauen als Protagonistinnen einzuführen, ist bei Pichler immer auch mit dem gesellschaftspolitischen Anliegen verbunden, weibliche Erfahrung sichtbar zu halten, der Ausblendung des weiblichen Blicks auf gesellschaftliche Verhältnisse entgegenzuwirken. Dies belegt auch Benedikt Sauers Essay über Pichlers Zeit als Dorfschreiberin bei der Villgrater Kulturwiese im Sommer 1994. Der während dieser Zeit entstandene, mit dem redaktionellen Titel versehene autobiographische Prosatext „Schwere Schuhe, keine Namen“ rückt immer wieder die „versteckte Realität von Frauen“ (S. 160) ins Blickfeld. Seine besondere Form – Dokumentarisches verknüpft sich mit Eindrücken der Erzählerin während ihrer „Erkundungstour“ (S. 158) durch das Dorf – ist auch ein Zeugnis für Pichlers sensibler Annäherung an die dörfliche Wirklichkeit.
Bei soviel Anerkennung mag man sich fragen, warum Anita Pichler noch keinen Eingang in den Kanon der Gegenwartsliteratur gefunden hat. Helmut Luger, der eine scharfsichtige, amüsant zu lesende Analyse der Rezeptionsgeschichte vorgelegt hat, verweist auf drei „Selektionsfilter“ (S. 177), die eine Autorin/ein Autor passieren muß, um in den Kanon aufgenommen zu werden: die Behandlung durch die Literaturkritik, die literaturkritische Beschäftigung mit einer Autorin/einem Autor im Rahmen eines thematischen Schwerpunkts sowie die akademische Kritik.
Dieser Essay-Band, der eine Autorin der Peripherie ins Zentrum stellt und damit auch einer Literaturgeschichtsschreibung entgegenwirkt, die nach wie vor der Literatur von den ‚Rändern’ wenig Aufmerksamkeit schenkt, könnte jedenfalls dazu beitragen, daß Pichler Aufnahme in literaturgeschichtliche Darstellungen und in Literaturcurricula findet.

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