Rezensionen 2003

Irene Prugger, Nackte Helden und andere Geschichten von Frauen.
Innsbruck: Skarabaeus, 2003, 172 Seiten.

‚Die Zeit läuft nicht rückwärts, bloß weil man keine Zukunft mehr sieht.’ Dieses Zitat aus ‚Symmetrie’, einer ganz besonders ergreifenden Kurzgeschichte in der Mitte des Buches, nehmen sich Irene Pruggers ‚Heldinnen’ zu Herzen und gestalten Gegenwart wie Zukunft. Mögen die Schicksale dieser Frauen zum Teil alltäglich sein: mit makabrer Konsequenz übersehen werden, nichts gelernt haben, dick, geheime Geliebte oder Witwe sein, alt werden, vom jung sein träumen und so weiter, ihre Bewältigung hat mit Alltag nichts gemein. Hier treibt einen die Spannung eines Kriminalromans, dort wird man von einer unglaublichen Pointe überfallen. Irene Prugger holt kaum Männer von den Sockeln, sie lässt sie Chef sein, Macho, Liebling, Müller oder nackter Bad Boy. Den Absturz besorgen die Mannsbilder schon selber, die Frauen gehen nur behände ihren Weg, außer sie stechen ein Schwein ab, und dann hat letzteres es sich selbst zuzuschreiben und weckt keine Trauer. Es hat Irene Pruggers brillanter Stil an sich, dass Tragisches plötzlich zum Lachen anregt und beste Unterhaltung mit Botschaft kombiniert wird, ohne dass man ein überflüssiges Rufzeichen ausmachen kann. Die Welt bleibt die Welt, die man ‚nur mit Müllers Worten erklären kann’, aber die Zeit wird durch ‚Nackte Helden’ eine andere.

Licha Otto