Rezensionen 2004

Matthias Schönweger, von & zu Peter & Paul.
Innsbruck: Skarabaeus, 2003.

 

SCHÖN-WEG-ERfahrung

 

Nein, ich war noch nie in Meran und nochmals nein, ich kannte Matthias Schönweger bisher nur vom Namen her. Hatte mitbekommen, dass er seit Jahrzehnten diverse Aktionen startete, einst Fußball spielte und in unregelmäßigen Abständen verhältnismäßig dicke, überdurchschnittlich schöne Bücher veröffentlichte, deren Seitenanzahl zuweilen die Wortanzahl übertraf und dann das: von & zu Peter & Paul, ein Buch mit geschätzten 50.000 Wörtern, formal vorwiegend konventionell im Blocksatz abgefasst, auffallend die zentrierten Versalieneinschübe, augenscheinlich die kapiteltrennenden Blickpunkte. Ein Roman von Matthias Schönweger. Und ich, der um seine Verdienste nicht Bescheid weiß, soll darüber schreiben. Gut. Das sind an sich die besten Voraussetzungen für ein unbefangenes, objektives Urteil, für eine sachliche, solide Analyse, für eine klar strukturierte Rezension. Allein dies ist keine solche, denn von & zu Peter & Paul ist ja auch kein herkömmlicher Roman, sondern ein RomanC, ergo ist dies keine Buchkritik, sondern eine BuchkriTikTakTik. Womit die einleitende Kurve salopp gekratzt wäre. Und nun: Klappklapp! Aufgepasst, gleich geht’s los...

Da wird der Schatten eines Kirchturms mit Kreide ausgemalt und es entSteht ein erigierter Penis, da werden Flußbettsteine bemalt, in der Hoffnung so eine Kläranlage zu bekommen, da interessiert sich plötzlich der Spiegel für diesen Steinbemaler und -wascher, da erfährt man: Ewig währt Rom am längsten, da stößt man auf herrliches Verliebtheitsgeträller, auf exotisch Kulinarisches, auf Amtsdeutsch aus dem 19. Jahrhundert, da bekommt man einen interessant angemachten, kompakten - vor allem Erfindungen betreffenden - Geschichtsabriss kredenzt, da verfolgt man den einen auf seinem Fußmarsch nach Wien, wissend was für eine Wundermaschine er kreierte, da folgt man des anderen wegweisenden, in den Fließtext eingewobenen Wortspielen, und so weiter UND SO WEIT ER...

Beispiele her? Bitte sehr!

PARA

DIES

 

UND

JENES

 

oder

 

LIEBER GOTT

ALS OBEN OHNE

 

und natürlich

 

KUNST

STELLT

BLOSS

 

DAR

 

insomma

 

IRRE

PARABEL

 

Nein, mehr möchte ich eigentlich gar nicht mehr zitieren, erklären oder erwähnen. Die SCHÖNverWEGeneERzählhaltung zu durchschauen sei Ihnen vorbehalten, auch werde ich an dieser Stelle den großen Rest des Inhalts nicht vorwegnehmen. Was ich Ihnen aber rate, ist von & zu Peter & Paul zu lesen, es lohnt sich, denn es ist ein fruchtbares Buch. Es sei Ihnen auch mein ganz persönliches Warum verraten. Schon während der Lektüre wuchsen mir wuchernd Ideen aus den Fingern und ich notierte begeistert:

BITTE

AN

SCHNALLEN

 

GEH

SCHEISSEN

 

STUHL

GANG

BAR

FUSS

 

ROM

AN

TISCH

 

PEIN

FREIHEIT

 

Man möge einwenden, dass dies ein höchst individuelles Argument ist, doch ich garantiere Ihnen, dass Sie – egal was Sie machen – (durch die Lektüre von von & zu Peter & Paul) auch Ihr persönliches Erfolgserlebnis haben werden:

-         Schlafen Sie gerne, so schlafen Sie besser nach der Lektüre von von & zu Peter & Paul

-         Lesen Sie gerne, so lesen sie von & zu Peter & Paul lieber

-         Studieren Sie, dann hat Ihr Leben (mit von & zu Peter & Paul) vorübergehend Sinn und Inhalt

-         Arbeiten Sie, dann arbeiten Sie nicht zu viel und nehmen Sie sich Zeit für von & zu Peter & Paul

Denn man kann von diesem Buch vieles (und sowieso immer) lernen.

Zugegeben: Eines ist durch die Lektüre von von & zu Peter und Paul mit Sicherheit nicht zu erlernen: die aktuelle, DUDENdeutsche Orthographie. Aber herzlich egal.

Also Abmarsch in die Buchhandlung

UM
WEG

LOS.....

 

Markus Köhle