Rezensionen 2002

Walter Groschup, Lang lebe Valentins Hut. Dramolette.
Mit einem Nachwort von Walter Methlagl.
Innsbruck: Skarabaeus, 2001, 131 Seiten.

Wenn der Karl Valentin des Walter Groschup seinem Hut nachläuft, ahnt man schon, woher der Wind weht: immer aus der anderen Richtung - was durchwegs für Verwirrung sorgt. Gemäß dem großen Vorbild lässt Walter Groschup die Protagonisten in seinen neun Dramoletten der Bedeutung der gesprochenen Wörter nachrennen wie einem Hut im Wirbel eines Föhnsturmes. Der Hut ist natürlich meistens schneller als der Mensch, der ihn einfangen will. Denn die Sprache bewegt sich leider nicht zielstrebig durch eine Einbahnstraße, die in die einzig richtige Bedeutung mündet, sondern sie trudelt von Missverständnis zu Missverständnis, dreht sich hilflos im Kreis, bleibt kraftlos am Boden liegen und schwingt sich dann wieder zu überraschend bedeutungsvollen Höhenflügen auf. Aus Angst, es könnte ihm auch noch Jacke, Hemd und Hose davon wehen, zieht sich Groschups Valentin bei einem seiner Föhnspaziergänge mit Liesl Karlstadt bis auf die Unterhose aus, klammert sich die Kleidung unter die Arme und steht somit da wie der Mensch, der die Sprache rein in ihrer einfältigsten Form (die mitunter ja auch die raffinierteste sein kann) begreift und gebraucht: nämlich peinlichst entblößt.
In den neun Dramoletten stellt Groschup seinem Karl Valentin verschiedene DialogpartnerInnen gegenüber: am häufigsten die allseits bekannte Liesl Karlstadt, weiters auch einen Kellner, einen Beamten, einen Passanten, einen Regisseur, einen Philosophen. Sie sind, wie Valentin-DialogpartnerInnen nun einmal sein müssen: tapfer und voll ungebrochenen Glaubens an die Möglichkeit der Verständigung im gleichsprachigen Dialog. Hin und wieder scheinen sie allerdings der Valentinaden müde zu sein und dienen dann zu offensichtlich als bloße Stichwortgeber für den lästig lästernden Herrn Valentin:

KARL VALENTIN: ....was machen sie so. im leben!
DER PHILOSOPH: ich sitze.
KARL VALENTIN: sans einglocht worn!
DER PHILOSOPH: ich sitze hier auf der bank.

Das sind eben solche Stellen, da Valentins Hut kraftlos am Boden liegen bleibt, aber wenn man dann geduldig noch ein bisschen zuwartet mit dem Begreifen und Zugreifen, dann schwingt er sich plötzlich auf und trudelt schwungvoll dahin, sodass es wieder großen Spaß macht, ihm nachzulaufen und ihn einfangen zu wollen.

Irene Prugger