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Reimmichls Volkskalender 2016

 

Reimmichls Volkskalender 2016 (Innsbruck: Tyrolia)   Reimmichls Volkskalender 2016 (Bozen: Athesia)
 Reimmichls Volkskalender 2016 (Innsbruck: Tyrolia)  Reimmichls Volkskalender 2016 (Bozen: Athesia)

 

Wer legt schon je die zwei Ausgaben von „Reimmichls Volkskalender“ nebeneinander? Wie viele wissen überhaupt, dass es seit 1949 zwei verschiedene Ausgaben des bekanntesten Tiroler Volkskalenders gibt. Sie ähneln sich wie zweieiige Zwillinge: Bei näherem Hinschauen ist es nicht schwer, die zehn (?) Unterschiede auszumachen. Die offensichtlichen Unterschiede auf dem Umschlag setzen sich auch im jeweiligen Kalenderinneren fort. Während die Nordtiroler Ausgabe (Innsbruck: Tyrolia, 240 Seiten) einen namentlich genannten Kalendermann hat, nämlich seit 2012 Hans Augustin, grüßt aus der Südtiroler Ausgabe (Bozen: Athesia, 288 Seiten) immer noch wie zu Reimmichls Zeiten „Der Kalendermann“. Nach einem Impressum, der eine/n Redakteur/in nachweist, sucht man vergebens.

Das Kalendarium, das seit dem ersten Erscheinen im Jahr 1920 immer ein Herzstück des Reimmichlkalenders war, ist in der Südtiroler Ausgabe (nur mehr) 26, in der Nordtiroler Ausgabe immerhin 48 Seiten stark. Mag sein, dass heute die Angaben zum Kirchenjahr, zu Brauchtum und Wetter auch anderswo zu finden sind, aber damit wären ja gedruckte Kalender prinzipiell obsolet. Was sie offenbar nicht sind, denn wenn sich die Kalender nicht verkaufen würden, würde man sie nicht drucken. Schon gar nicht zwei verschiedene Ausgaben in der vielbeschworenen Europaregion Tirol.

Interessante Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur Tirols fehlen in beiden Ausgaben nicht. Auffallend ist der Unterschied bei den literarischen Beiträgen. Dass in einem Reimmichkalender Reimmichl-Texte nicht fehlen dürfen, liegt auf der Hand. Die Südtiroler Ausgabe füllt zur Hälfte die umfangreiche Erzählung „Der Tuifelemaler“ (1924 als Buch erschienen). Ob dieser Text zur Gänze abgedruckt ist oder nur in einer Auswahl, erfährt man leider nicht. Die Nordtiroler Ausgabe begnügt sich mit zwei kleineren Erzählungen Reimmichls: „Der Rosshandel“ und „Die Thomasmarktfahrt“ (beide gar mit Quellennachweis).

Die Südtiroler Ausgabe enthält Mundartgedichte von Anna Lanthaler, Heidi Schrott Plunger, Helene Knollenberger Hofer und eine Weihnachtsgeschichte von Gisela Brix.

Hans Augustin, selbst Schriftsteller, hat die literarische Seite der Nordtiroler Ausgabe im Vergleich ziemlich ausgebaut. Sie enthält Texte von Toni Aichhorn, Reinhold Stecher, Ulli Scarletti, Stefan Abermann, Hans Aschenwald und Judith W. Taschler. Hervorzuheben sind die Gedichte von Scarletti, der Text „In 80 Navis um die Welt“ von Abermann und „Die Schläue des Anfangens“ von Aschenwald. Gerade dieser Text wird sich dem gemütlichen Geschichtenkonsum auf der Ofenbank energisch widersetzen. Erweitert wird der literarische Teil durch ein Interview mit der Schauspielerin Julia Gschnitzer und Martin Sailer erzählt „Vom Hören & Spielen“. In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die Südtiroler Ausgabe verwiesen, auf den Beitrag von Stephan Pfeifhofer über den Ende 2014 verstorbenen bedeutenden Theatermann Franco Marini.

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