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Literatur im Lichthof (6/2015) - Editorial

 

 

  

Liebe Leserinnen und Leser,

gemeinschaftliches, medial vermitteltes Erinnern orientiert sich bereitwillig an Jubiläen und Gedenkjahren – 2014 brachte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den Tod des Dichters Georg Trakl und nicht zuletzt auch den Mauerfall Berlin 1989 ins Gedächtnis. Dies auch in der Literatur, die bekanntlich verlässlicher Speicher ist. Lutz Seilers preisgekrönter Wende-Roman Kruso erzählt – ewig alt und doch immer aktuell – von Freiheit, Gemeinschaft, Widerstand und Liebe. Und nicht zufällig vertieft sich darin eine Männerfreundschaft auf der DDR Fluchtinsel Hiddensee durch das geteilte Erleben der Gedichte Georg Trakls. Über seinen eigenen Zugang zu diesen Gedichten und ihre überdauernde Aktualität denkt Lutz Seiler in der Süddeutschen Zeitung nach und erinnert sich dabei an die Begegnung mit den Originalmanuskripten Georg Trakls im Brenner-Archiv (zum Nachlesen).
Eine subtile Auseinandersetzung mit Georg Trakl und dessen Fronteinsatz ist auch das bildkünstlerische Projekt feuerlinie von Milena Meller. Sie hat 20 kleinformatige Arbeiten in der Rauchvilla gezeigt, wo Trakl einige Zeit bei Ficker, seinem Freund und Förderer, wohnte.
(Erika Wimmer über die Ausstellung)

2014 wurde das Brenner-Archiv 50 Jahre alt. Dies ist Grund genug, auf bemerkenswerte Forschungsarbeit und Projekte des Archivs in der Veranstaltungsreihe „Im Fokus Brenner-Archiv“ vorzustellen. Ilse Somavillas Vortrag in dieser Reihe über die Philosophie Ludwig Wittgensteins als „Arbeit am Einem selbst“ gibt es in dieser Ausgabe zum Nachlesen.

Last but not least: Wir gratulieren Friederike Mayröcker zu ihrem 90. Geburtstag! Eleonore de Felip wird am 27. Februar der poetischen grande dame der österreichischen Avantgarde einen Abend im Literaturhaus am Inn widmen.

„während des Gesangs eines / angeschneiten / Baums vor dem Fenster – ins Massiv des Herzens / eingestiegen und hochgestiegen“

mit dieser Zeile aus Mayröckers Gedicht Gesang des Winters, erschienen im Band Mein Arbeitstirol, sowie mit den Beiträgen und Lektüreempfehlungen in "Zoom" in der aktuellen Ausgabe von Literatur im Lichthof wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen

 

Christine Riccabona

 Innsbruck, Jänner 2015

 

Foto: Iris Kathan, Vent im Winter 2014.

Iris Kathan hat sich im Rahmen ihres Forschungsprojekts zur Literatur-Land-Karte Tirols für uns auf Spurensuche ins hinterste Ötztal gemacht. Wer Vent im Sommer literarisch erleben möchte, kann außerdem an einer Lese-Wanderung mit Iris Kathan teilnehmen. 

   

© Forschungsinstitut Brenner-Archiv und Literaturhaus am Inn
   

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