Gedenktage 2004


Niklaus Mazohl, 80. Geburtstag (1924 - 1995)

 

 Porträt

Kurzbiografie und Werke

   vier Gedichte aus: An Izumi

1

      Ich bin weitab

      von deinem fernen Lied.

      Doch laß mich silbenzählend ein

      Gefühl versuchen jenes Tags,

      den du gelebt hast.

Glänzend weiß war

das Papier, wohin der Pinsel

stieß im Augenblick, da früh gefallne

Kirschenblütenblätter

hell darüber flogen.

Trauer, die ich kenne,

stieg wie Nebelschatten in dir auf.

23

      Zehnmal hundert Jahre,

      war der Baum dort,

      Izumi, am Waldrand,

      als du lebtest. Kann von dir ein

      Wissen nur verbergen stumm.

Inzwischen ist die Lärche nocheinmal

so alt geworden. Nara, Heian und Kamakura,

bis her zur todesnahen Gegenwart,

hat sie erlebt, und schweigt.

Ich sehe neue töricht-wirre Zweige.

Ein Wind darin macht wenig Lärm,

als spiele er mit deinem Haar.

3

      Die Freude faltete sich auf,

      stieg in der Brust

      geheimsnisvolle Helle,

      als ich am Schreibtisch

      den Pinsel schweigend führte.

Sonnenlicht vom hohen

Stern fiel in das Zimmer

schräg. Die Erde neigte

unbemerkt dem Abend zu.

Stille war.

Da fiel der Todesschatten

Traurigkeit auf mich. 

27

      Erkennst an dem Gedicht,

      das ich dir hinterlassen habe, wie

      mein Sonnengrund so hell

      beschattet war

      von Trauerfahnen.

Viele Fahnen

wehn mit Klagetönen

unterm Lebenswind, und

meine steht dabei. Sie

wissen schon, wie du auch

wußtest: Fallend

haben wir gesiegt.