Die Zeitschrift Der Brenner (1910-1954)

 

Die Kulturzeitschrift Der Brenner wurde 1910 von Ludwig von Ficker in Innsbruck gegründet. Er gab sie bis zu deren letzter Nummer 1954 allein heraus und leitete auch den zur Zeitschrift gehörenden Brenner-Verlag. Für die Namensgebung standen der Brennerpass sowie die von Karl Kraus in Wien herausgegebene Zeitschrift Die Fackel Pate.
Ein erstes Ziel der Zeitschrift bestand darin, den erstarrten bürgerlich-provinziellen Kulturbetrieb Tirols aufzubrechen. Zu Beginn waren denn auch in der Zeitschrift hauptsächlich Tiroler Autoren (Carl Dallago, Max von Esterle, Hugo Neugebauer, Karl Röck, Ludwig Seifert und Arthur von Wallpach) vertreten. Bald erhielt die Zeitschrift jedoch Beiträge von Autorinnen und Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum (Theodor Haecker, Albert Ehrenstein, Else Lasker-Schüler, Ludwig Erik Tesar). Sie entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zu einem brisanten kulturkritischen Blatt mit expressionistischem Einschlag. Die Lyrik Georg Trakls, Fickers wichtigster literarischer Entdeckung, gab der Zeitschrift von 1912 bis 1914 eine besondere Prägung.

Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs führte ab 1919 zu einer intensiven Auseinandersetzung um Christentum und Kirche und damit zu einer neuen Schwerpunktbildung. Aus einem Blatt der literarischen Avantgarde war die Plattform einer disparaten Gruppe von auf christliche Erneuerung bedachten Autoren wie Carl Dallago, Ferdinand Ebner, Theodor Haecker (dieser auch als Übersetzer Søren Kierkegaards und Kardinal Henry Newmans) geworden, an der auch der Geologe Bruno Sander teilhatte, der unter dem Pseudonym Anton Santer seine literarischen Texte veröffentlichte.

Seit 1926 widmete sich die Zeitschrift einer stark visionär ausgerichteten Erörterung theologischer Zeitfragen, Hauptmitarbeiterin wurde Paula Schlier. 1934 erschien der Brenner für lange Zeit zum letzten Mal; eine für 1936 bzw. 1938 geplante Folge erschien aufgrund wirtschaftlicher und konzeptioneller Schwierigkeiten nicht. Aufgrund von vor 1938 erschienenen Beiträgen (v.a. von Carl Dallago, Theodor Haecker, Wilhelm Kütemeyer, Paula Schlier) wurden Der Brenner und der Brenner-Verlag von der nationalsozialistischen Reichsschrifttumskammer 1940 verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen noch drei Folgen: 1946, 1948 und 1954. Sie enthalten eschatologische Beiträge poetischer und essayistischer Art, aber auch Rückblicke auf die erst jetzt im vollen Ausmaß erkannte Bedeutung der Beziehungen des Brenner zu Carl Dallago, Ferdinand Ebner, Karl Kraus, Adolf Loos, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Ludwig Wittgenstein u.a.

Einige dieser Erinnerungstexte sind abgedruckt in Denkzettel und Danksagungen (online).
Die Erinnerungen Ludwig Fickers in Gesprächen mit Walter Methlagl (Brenner-Gespräche) sind hier online nachzulesen.

Der Brenner online mit Volltextsuche
Nach kostenfreier Anmeldung bietet das Online-Portal des Austrian Academy Corpus und des Brenner-Archivs umfassende Recherchemöglichkeiten: zur Zeit nicht verfügbar, wir arbeiten an einem Relaunch

 

Kontakt

Der Brenner, 1.1910,1

Der Brenner, 4.1914,20

Der Brenner, F. 6.1919,1

Der Brenner, F. 13.1932, Herbst

Der Brenner, F. 18.1954















 

 

 

Heft 1, 1. Juni 1910

Die Kulturzeitschrift Der Brenner wurde 1910 von Ludwig von Ficker in Innsbruck gegründet. Er gab sie bis zu deren letzter Nummer 1954 allein heraus und leitete auch den zur Zeitschrift gehörenden Brenner-Verlag. Für die Namensgebung standen der Brennerpass sowie die von Karl Kraus in Wien herausgegebene Zeitschrift Die Fackel Pate.
Ein erstes Ziel der Zeitschrift bestand darin, den erstarrten bürgerlich-provinziellen Kulturbetrieb Tirols aufzubrechen. Zu Beginn waren denn auch in der Zeitschrift hauptsächlich Tiroler Autoren (Carl Dallago, Max von Esterle, Hugo Neugebauer, Karl Röck, Ludwig Seifert und Arthur von Wallpach) vertreten. Bald erhielt die Zeitschrift jedoch Beiträge von Autorinnen und Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum (Theodor Haecker, Albert Ehrenstein, Else Lasker-Schüler, Ludwig Erik Tesar). Sie entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zu einem brisanten kulturkritischen Blatt mit expressionistischem Einschlag. Die Lyrik Georg Trakls, Fickers wichtigster literarischer Entdeckung, gab der Zeitschrift von 1912 bis 1914 eine besondere Prägung.

Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs führte ab 1919 zu einer intensiven Auseinandersetzung um Christentum und Kirche und damit zu einer neuen Schwerpunktbildung. Aus einem Blatt der literarischen Avantgarde war die Plattform einer disparaten Gruppe von auf christliche Erneuerung bedachten Autoren wie Carl Dallago, Ferdinand Ebner, Theodor Haecker (dieser auch als Übersetzer Søren Kierkegaards und Kardinal Henry Newmans) geworden, an der auch der Geologe Bruno Sander teilhatte, der unter dem Pseudonym Anton Santer seine literarischen Texte veröffentlichte.

Seit 1926 widmete sich die Zeitschrift einer stark visionär ausgerichteten Erörterung theologischer Zeitfragen, Hauptmitarbeiterin wurde Paula Schlier. 1934 erschien der Brenner für lange Zeit zum letzten Mal; eine für 1936 bzw. 1938 geplante Folge erschien aufgrund wirtschaftlicher und konzeptioneller Schwierigkeiten nicht. Aufgrund von vor 1938 erschienenen Beiträgen (v.a. von Carl Dallago, Theodor Haecker, Wilhelm Kütemeyer, Paula Schlier) wurden Der Brenner und der Brenner-Verlag von der nationalsozialistischen Reichsschrifttumskammer 1940 verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen noch drei Folgen: 1946, 1948 und 1954. Sie enthalten eschatologische Beiträge poetischer und essayistischer Art, aber auch Rückblicke auf die erst jetzt im vollen Ausmaß erkannte Bedeutung der Beziehungen des Brenner zu Carl Dallago, Ferdinand Ebner, Karl Kraus, Adolf Loos, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Ludwig Wittgenstein u.a.

Einige dieser Erinnerungstexte sind abgedruckt in Denkzettel und Danksagungen (online).
Die Erinnerungen Ludwig Fickers in Gesprächen mit Walter Methlagl (Brenner-Gespräche) sind hier online nachzulesen.

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