„Zeitmesser: 100 Jahre Brenner“


Bis 20.12.2012
Die Tiroler Zeitschrift Der Brenner, von 1910 bis 1954 von Ludwig von Ficker in Innsbruck herausgegeben, gilt bis heute als herausragendes Zeugnis der Kulturgeschichte Österreichs.

Der Entwicklungsbogen dieser Zeitschrift reicht von der Kultur der Moderne (Kraus, Wittgenstein, Broch, Lasker-Schüler, Trakl) bis zur Verbreitung einer prononciert
christlichen Heilsbotschaft (Kierkegaard, Haecker, Ebner).

Vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Der Brenner zu einem brisanten kulturkritischen Blatt. Wichtigste literarische Entdeckung war die Lyrik Georg Trakls, die der Zeitschrift von 1912 bis 1914 eine unverwechselbare Prägung verlieh. Der Erste Weltkrieg führte unter Beibehaltung der kritischen Urteilsschärfe zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Christentum und Kirche. Ab 1926 widmete sich die Zeitschrift einer stark visionär ausgerichteten Erörterung theologischer Zeitfragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen eschatologische Beiträge poetischer und essayistischer Art.

Die Ausstellung wurde unter dem Titel Zeitmesser: 100 Jahre „Brenner“ im Jubiläumsjahr 2010 vom Innsbrucker Brenner-Archiv gestaltet und war 2010 im Ferdinandeum in Innsbruck und 2011 auf Schloss Tirol zu sehen. Die Übernahme der Schau ins Literaturhaus Wien sollte daran erinnern, dass Der Brenner für die literarische und kulturpolitische Diskussion des gesamten Landes bedeutsam war. Zugleich besitzt die Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur im Literaturhaus, deren Sammlungsgebiet mit der Jahrhundertwende beginnt, umfangreiches Forschungsmaterial zu Brenner-Autoren wie Kraus, Broch und Trakl.

Ergänzend zur Ausstellung des Brenner-Archivs präsentierte die Dokumentationsstelle Materialien aus dem im Literaturhaus aufbewahrten Teilnachlass der österreichischen Autorin Martina Wied (1882–1957), die ihre ersten Texte im Brenner veröffentlichte. Zu sehen waren u. a. unveröffentlichte Briefe von Herausgeber Ficker an Wied; sie zeigten, wie schwierig es für ExilautorInnen war, an berufliche wie private Kontakte wiederanzuknüpfen. Zugleich wurde an das Lebenswerk einer heute nahezu vergessenen Autorin erinnert, die 1952 als erste Frau mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet wurde.

Katalog zur Ausstellung: Zeitmesser – 100 Jahre „Brenner“, Brenner-Archiv (Hg.), 2010, innsbruck university press.

Dauer der Ausstellung: bis 20.12.2012

Öffnungszeiten: Mo–Do 9.00–17.00 Uhr 

Literaturhaus Wien


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