Tagung zum 100. Geburtstag von Lilly Sauter

Auf den Spuren der Autorin, Kunsthistorikerin, Übersetzerin und Kulturvermittlerin Lilly Sauter

 
Zum 100. Geburtstag von Lilly Sauter organisierte das Brenner-Archiv eine Tagung, die am 19. Juni auf Schloss Ambras stattfand, an jenem Ort, mit dem sie als Kustodin in der Zeit von 1962 bis 1972 besonders verbunden war.
Die Tagung bot die Gelegenheit einer differenzierten Auseinandersetzung mit Leben und Werk der Autorin. Statements von Dekan Sebastian Donat und Johann Holzner eröffneten die Veranstaltung mit persönlich konnotierten Lesarten der Werke Sauters. Die Vorträge stellten in der Folge verschiedene Zugänge und historische Grundierungen zur Diskussion.
Sigrid Schmids Notizen zu einer literarischen Non-Karriere stellten das erzählerische Werk Lilly Sauters in den Fokus der Ausführungen, in denen Schmid-Bortenschlager auch Perspektiven der feministischen Literatursoziologie berücksichtigte. Der Blick auf die Produktionsbedingungen und die Spannung von Erwerbstätigkeit bzw. Familie einerseits und künstlerischem Schaffen andererseits sowie die Positionierung in der kulturellen Peripherie Innsbrucks der Nachkriegszeit ließ den erschwerten Rezeptionsrahmen einer Schreibenden nach 1945 hervortreten.
Martin Sailers Beitrag zur Hörfunkarbeit Sauters Vor- und Nachband bot ein Hörbild: Den Originalton aus Rundfunksendungen, an denen Lilly Sauter mitgewirkt hatte, mischte Martin Sailer mit anderen Archivaufnahmen sowie mit eigens hergestellten Tonspuren. Es entstand dadurch ein historischen Rückblick auf den Rundfunk der damaligen Zeit, in dem Axel Corti, Otto Grünmandl oder auch Bert Breit tätig waren wie sich auch gleichzeitig ein Porträt der Hörfunkautorin Sauter vermittelte.
Karl Ziegers Vortrag Zur „Lust und Last des Übersetzens“ stellte die Übersetzerin in den Rahmen der Kulturtransferforschung und zeigte anhand ihrer Übersetzungen von Romanen Garys und Mauriacs die spezifischen Probleme literarischer Übertragungen zwischen Werktreue und Adaption auf, u. a. am Beispiel der Übersetzung von Titel und Eigennamen.
Verena Zankl stellte in ihrem Vortrag Pariser Impressionen Sauters vielfältige Vermittlungen der französischen Kunst und Kultur dar. Ihre Nähe zur französischen Kultur brachte sie als Mitarbeiterin des Französischen Kulturinstituts zum Ausdruck wie auch als Redakteurin der Tiroler Nachrichten, als Mitherausgeberin der Kulturzeitschrift Wort und Tat und nicht zuletzt als Autorin.
Abschließend bot Christine Riccabona einen Blick in die Ordnung und in das Profil des Nachlasses, der sich seit 2004 im Brenner-Archiv befindet.
Der Nachlass enthält nicht nur Dokumente und Materialien für Forschungsthemen zur Kulturgeschichte Tirols nach 1945, sondern fördert auch das Porträt einer bemerkenswerten Autorin und Kulturvermittlerin zutage.
Die Vorträge der Tagung erscheinen als Dossier in den Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 2013.
Eine Vitrinenausstellung in der Bauernrüstkammer gibt anhand einiger ausgewählter Manuskripte und Materialien einen konzentrierten Einblick in die zentralen Tätigkeiten und Werke Sauters. Sie ist noch bis September 2013 zu sehen.
Den Abschluss der Tagung bildete die Buchpräsentation und Lesung im Spanischen Saal mit Heide Birkner aus dem neu herausgegebenen Band Mondfinsternis, die durch den Vortrag von vier vertonten Gedichten Sauters umrahmt wurde. (Kompositionen: Gerda Herrmann, Karl Etti, Sopran: Kathrin von Sauter, Klavier: Berit von Sauter).

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