Lange Nacht der Museen 2007 im Brenner-Archiv und Literaturhaus am Inn – ein Rückblick


Auch 2007 bot das Brenner-Archiv, gemeinsam mit dem Literaturhaus am Inn, ein reichhaltiges Programm bei der „Langen Nacht der Museen“, die mit Lesungen, Autorenbegegnungen und Autographenausstellungen wieder eine lange Nacht der Literatur war. Der rege Zustrom der Besucher im Laufe des Abends bewies, dass die Präsentation interessanter und spannender Texte inspirierend und alles andere als museal erlebt wurde.

Zu Gast war Friedrich Pfäfflin, der langjährige Leiter der Museumsabteilung des Deutschen Literaturarchivs Marbach und Karl-Kraus-Experte. Er stellte den Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff vor, der unter dem Titel Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht erschienen ist. Der Leiter des Brenner-Archivs, Prof. Johann Holzner, begleitete die Ausführungen Pfäfflins mit einer Lesung aus den Briefen von Kraus und Wolff. Dieser Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff ist die Dokumentation eines der merkwürdigsten Beispiele einer Autor-Verleger-Beziehung. Kurt Wolff, der Verleger für expressionistische Literatur in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts schlechthin, warb mit Karl Kraus um einen Schriftsteller, der den Literaturbetrieb verachtete. Ergänzt wird der Briefwechsel u.a. durch Korrespondenzen von und an Albert Ehrenstein, Leopold Liegler, Sidonie Nádherny, Berthold Viertel und Franz Werfel sowie die durch Erinnerungen Kurt Wolffs an Kraus, die zum Schönsten gehören, was je über Karl Kraus geschrieben wurde.
Seltene Fotografien, Gedichtmanuskripte und Briefe von Karl Kraus waren u. a. in der für diesen Abend gestaltete Vitrinenausstellung des Brenner-Archivs zu sehen.

Im zweiten Teil des Abends folgte eine Lesung mit Raoul Schrott aus dem im Haymon - Verlag erschienenen Band N. C. Kaser elementar – Ein Leben in Texten und Briefen. Raoul Schrott selbst hat diesen Kaser-Band zusammen gestellt, die Texte ausgewählt und ein Vorwort dazu verfasst. Norbert C. Kaser war nicht nur eine außergewöhnliche, zu Lebzeiten unterschätzte Begabung, sondern zugleich auch eine schillernde, facettenreiche Persönlichkeit: Seine Verse „voller spröder Schönheit, voll Trauer und Empörung“ (NZZ) und seine minimalistischen Prosaskizzen spiegeln Kasers Wesen, die Brüche, die Wendungen und Abgründe seines Lebens, seine Verletzlichkeit ebenso wie seine Rebellion gegen das konservative kulturelle und gesellschaftliche Klima seiner Zeit.
Die Biografie Norbert C. Kasers nahm Raoul Schrott zum Ausgangspunkt für seine Werkauswahl: Briefe, Gedichte und Prosatexte Kasers gaben einen Eindruck der Vielfalt, Energie und poetischem Reichtum von dessen Schaffen. Mittlerweile, knapp 30 Jahre nach seinem Tod, ist er verdientermaßen zum modernen Klassiker erhoben worden.
N. C. Kasers Nachlass gehört zu den Sammlungen des Brenner-Archivs, eine kleine Auswahl der Materialien seines Nachlasses in der Vitrinenausstellung des Archivs ermöglichte es den Besuchern, sich ein Bild von der Art und Weise zu machen, wie der Dichter ans Werk gegangen ist.