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Kultur

Tonspuren

Donnerstag
12. Juni 2014
16:00

Feuer der Fantasie - 50 Jahre Brenner-Archiv.
Feature von Peter Angerer

Als am 1. Juni 1910 das erste Heft von Ludwig von Fickers "Der Brenner" erschien, wurde die "Halbmonatsschrift für Kunst und Kultur" in Innsbruck nicht gerade stürmisch begrüßt. Für den "Allgemeinen Tiroler Anzeiger" war das, was uns im "Brenner" vorgesetzt wird, alles eher als Tiroler Art, mag es auch von Tirolern geschrieben worden sein: verweichlichend, selbst verweichlicht, sinnenschwül. Tirolische Kernigkeit suchte ich vergebens." Die Zeitschrift fand daher auch in Städten wie Wien oder Berlin Abonnenten und war auf Sponsoren angewiesen. Einer von ihnen war Ludwig Wittgenstein, der sich eher schüchtern beim "Brenner"-Herausgeber vorstellte: "Sehr geehrter Herr! Verzeihen Sie, dass ich Sie mit einer großen Bitte belästige. Ich möchte Ihnen eine Summe von 100.000 Kronen überweisen..."

Der Hefttitel "Der Brenner" verwies einerseits auf den Pass und die Wetterscheide, die erst 1919 zur Staatsgrenze wurde, und war andererseits eine allegorische Widmung an die von Karl Kraus herausgegebene "Fackel". Was unter Tiroler Kernigkeit zu verstehen war, erlebte Kraus 1920, als ihn Ludwig von Ficker für zwei Lesungen zu wohltätigen Zwecken nach Innsbruck bat und die zweite Lesung vom Bürgermeister verboten wurde. Dafür widmete Karl Kraus der Stadt Innsbruck eine komplette "Fackel"-Ausgabe. 1964 übergab Ludwig von Ficker (1889 - 1967) sein Redaktionsarchiv, das aus den Manuskripten der "Brenner"-Mitarbeiter, einem Teil des Nachlasses von Georg Trakl, und umfangreichen Briefwechseln mit Paul Celan, Martin Heidegger, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Christine Lavant oder Rainer Maria Rilke bestand, an die Republik Österreich. Seit 1979 ist das Brenner-Archiv ein Forschungsinstitut an der Universität Innsbruck. 30 Mitarbeiter betreuen mittlerweile 230 Nachlässe von Autoren und Autorinnen aus Nordtirol und Südtirol. Für Aufsehen haben zuletzt die Ankäufe der Vorlässe von Felix Mitterer und Joseph Zoderer für jeweils 250.000 Euro gesorgt.

Gestaltung: Peter Angerer · zur Sendereihe

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