Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Po-Ebene – Buchvorstellung im Kunstpavillon Innsbruck am 27.4.2017

 

Buchpräsentation (Foto: © Tiroler Künstlerschaft)Landschaften lassen sich wie ein Buch lesen. Sie geben Auskunft darüber, was in einem bestimmten Gebiet erzählt und erinnert werden darf und was gehört werden will bzw. auch, was nicht erzählt, nicht erinnert und nicht gehört werden will.

Eine interessante Neuerscheinung zum Thema Landschaften wurde am 27. April im Kunstpavillon in Innsbruck vorgestellt.

Das Buch Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Po-Ebene, herausgegeben von Markus Ender, Ingrid Fürhapter, Iris Kathan, Ulrich Leitner und Barbara Siller im Verlag transcript, setzt sich mit Landschaften auf sehr vielfältige Weise auseinander: Namhafte KünstlerInnen, AutorInnen, Literatur- und KulturwissenschaftlerInnen werfen neue Blicke auf die Landschaften dieses Raumes: Die Beiträge widmen sich historischen Landschaften, erzählten und erzählenden Landschaften, schuldig gewordenen Landschaften, Kindheitslandschaften und Wörterlandschaften, Grenzlandschaften und transitären Landschaften, identitätsstiftenden Landschaften sowie konstruierten und transformierten Landschaften. Das Besondere des Buches ist seine Offenheit und seine interdisziplinäre Perspektive, die sich als sehr fruchtbar erweisen. Künstlerische Arbeiten nehmen in der Form eines Dialogs Bezug auf kulturwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche auf literarische usf. Beispielsweise widmen sich mehrere Beiträge den Grenzlandschaften: Hans Heiss befasst sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Brenner als Landschaftsraum zwischen Grenze und Korridor, Elka Krajewska und Gregor Neuerer verfassen einen poetischen Text zum Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien und Katharina Cibulka setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit konstruierten Grenzen auseinander, die sie mit Hilfe von Dachschindeln veranschaulicht.

Das Buchprojekt entstand zwar im universitären Rahmen, verdankt sich aber der Neugier und dem Bedürfnis nach Austausch von Seiten der HerausgeberInnen.

Das 559-seitige Buch ist nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch sehr ansprechend: Die Gestaltung des Buches selbst spiegelt den Gedanken des Räumlichen wieder: Weniger konventionelle Text- und Bild-Einteilungen verweisen auf den Raumgedanken: Alle Beiträge beginnen links, die Fuβnoten sind neben dem Beitrag angeführt, die Seiten lassen genug Platz für Gedanken. Besondere Zitate zum Thema Landschaften sowie Skizzen von Schindeln durchziehen das Buch. Bemerkenswert ist die hohe Qualität der Abbildungen, denen aufgrund des Groβformats des Buches auch ausreichend Raum gegeben wird.

Vom Konzept des Raumes geleitet war auch die Buchvorstellung, die inmitten der Ausstellung der künstlerischen Arbeiten stattgefunden hat. Die Künstlerinnen stellten einige ihrer im Buch abgebildeten Arbeiten im Kunstpavillon aus und der Raum wurde durch Schindeln in zwei Teile geteilt. Neben dem Abend der Buchvorstellung gab es auch in den darauffolgenden Tagen bis zum 30. April ein ansprechendes Rahmenprogramm, so die Promenadologie rundum und durch den Hofgarten mit Iris Kathan, die Lesung mit Anna Rottensteiner und die "Zeitorientierte Umweltbetrachtung" mit Albert Mayr.

Das Buch Landschaftslektüren. Lesarten des Raums von Tirol bis in die Po-Ebene regt dazu an, vertraute, aber auch unvertraute Landschaften (neu) wahrzunehmen. Die HerausgeberInnen wollen es nicht als Überblickswerk verstanden wissen, sondern vielmehr als einen Ausgangspunkt für tiefergehende Diskussionen.

Mehr Informationen zum Buch, ein Interview mit den HerausgeberInnen sowie eine Leseprobe finden Sie unter http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3553-9/landschaftslektueren.

Barbara Siller

 
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