Österreichisches Freilandbotanik-Zertifikat

Österreichische Forschungseinrichtungen bieten mit dem „Österreichischen Freilandbotanik-Zertifikat“ nun auch in Österreich erstmals die Möglichkeit an, einschlägige Kenntnisse aus dem Bereich der Freilandbotanik von unabhängigen Fachkommissionen überprüfen zu lassen. Das Zertifikat ist mit Hauptaugenmerk auf Artenkenntnis auf freilandrelevante Inhalte zugeschnitten. Dazu kommen in Abhängigkeit von der Zertifizierungsstufe weitere Inhalte.


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Was ist das Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat, was ist es nicht?

Das Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat ist eine Bescheinigung über nachgewiesene Kenntnisse aus den Fachbereichen Freilandbotanik und Artenkenntnis.
Im Rahmen der Zertifizierung erfolgt die Prüfungsabwicklung und Ausstellung des Zertifikates. Die Prüfungen werden von öffentlichen Institutionen mit einschlägigen botanischen Fachrichtungen wie Universitäten und Naturwissenschaftlichen Sammlungen angeboten.
Die Ausstellung des Zertifikats erfolgt im Namen des „Vereins zur Erforschung der Flora Österreichs“.
Das Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat ist kein Lehrgang, es werden keine Kurse und Ausbildungen angeboten. Das Zertifikat dient vor allem dem Nachweis von Fähigkeiten unterschiedlichen Niveaus auf dem Gebiet der Floristik und Feldbotanik. Außerdem hoffen wir, dass es einen Anreiz darstellt, einschlägige Qualifikationen zu erwerben, und dass dadurch Artenkenntnis und Freilandbotanik insgesamt gefördert werden.

Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

Der Zugang zum Zertifikat ist für alle offen, es gibt keine speziellen Voraussetzungen. Es sind weder universitäre noch vergleichbare Ausbildungen bzw. die Absolvierung von einschlägigen Kursen notwendig. Interessentinnen und Interessenten erwerben die Fähigkeiten zur Erlangung des Zertifikates selbstständig.

Zertifizierungsstufen

Die Zertifizierung wird derzeit für 3 Stufen angeboten. Grundlage der Benennung der Arten ist die jeweils aktuellste Auflage der Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol (derzeit die 3. Auflage aus dem Jahr 2008). Gängige Synonyme bzw. unterschiedliche Rangstufen werden jedoch akzeptiert (nur bei wissenschaftlichen Bezeichnungen!). Die Stufen sind aufeinander aufbauend. Die jeweils nächsthöhere Stufe enthält stets auch alle Inhalte der vorausgehenden.
Der Einstieg ist auf jeder Stufe möglich. Es ist nicht notwendig, alle Stufen zu durchlaufen!


    Stufe 1: Die erste Stufe umfasst die Kenntnis von 250 Arten und deren Familienzugehörigkeit. Neben den wissenschaftlichen Bezeichnungen können auch die vollständigen deutschen Namen nach der Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol verwendet werden (nur bei dieser Stufe!).

    Stufe 2: Die Anforderungen der Stufe 2 umfassen 500 Arten und deren Familienzugehörigkeit.
    25 Gattungen und deren Merkmale, 20 Familien und deren Merkmale
    Bestimmungskompetenz: morphologische Merkmale, Wurzel, Spross, Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Lebensformen

    Stufe 3: Die Anforderungen der dritten Stufe umfasst 750 Arten deren Familienzugehörigkeit.
    60 Gattungen und deren Merkmale, sowie 40 Familien und deren Merkmale
    Bestimmungskompetenz: morphologische Merkmale, Wurzel, Spross, Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Lebensformen, Anwenden und Erstellen von einfachen Bestimmungsschlüsseln
    Ansprechen von Lebensräumen und Lebensgemeinschaften: Zeigerarten, Zeigerwerte, Charakterarten
    Datenerhebung im Freiland und deren Dokumentation: Erhebung von floristischen Inventaren und Dokumentation von Funddaten einschließlich des Anlegens von Herbarbelegen.

Prüfungsmodalitäten – Wie erlange ich das Zertifikat?

Wie melde ich mich an?
Anmeldungen zu den Prüfungsterminen können direkt bei einer der angeführten Prüfungsstellen vorgenommen werden.
Die Prüfung der Stufe 1 ist kostenlos. Für die Stufen 2 und 3 fallen Prüfungsgebühren an (25 bzw. 75 Euro).
Prüfungen zur Stufe 3 werden ausschließlich in Innsbruck angeboten.

Es gibt keine Beschränkung der Prüfungsantritte.


Prüfungsumfang und -modus
Es werden 25 Arten zur Überprüfung der Artenkenntnis vorgelegt, sowie Vertreter (nicht Teil der Liste) von jeweils fünf verschiedenen Gattungen und Familien.
Geprüft wird anhand von Lebend- oder Herbarmaterial. Das Material enthält Blüten und/oder Früchte, oder im Falle von Holzpflanzen auch nur beblätterte Zweige.

    Stufe 1: Artenkenntnis, d.h. geprüft werden die Art, sowie Gattungs- und Familienzugehörigkeit mit wissenschaftlicher Bezeichnung, alternativ gilt auch der vollständige deutsche Name.

    Stufe 2: Artenkenntnis und zusätzlich die Merkmale von 5 Gattungen und 5 Familien. Es werden ausschließlich wissenschaftliche Benennungen akzeptiert.
    Zusatzfragen aus dem Bereich Bestimmungskompetenz.

    Stufe 3: Artenkenntnis und zusätzlich die Merkmale von 5 Gattungen und 5 Familien.
    Achtung: Hier werden auch Arten, die nicht auf der Liste sind, vorgelegt und müssen als nicht der Liste angehörig identifiziert werden.
    Zusatzfragen aus den Bereichen Bestimmungskompetenz, Kartierung und Dokumentation, Lebensräume und Lebensgemeinschaften.


Beurteilung
Erfüllt: 85 bis 90% der Prüfungsinhalte
Guter Erfolg: 90 bis 95% der Prüfungsinhalte
Ausgezeichneter Erfolg: > 95% der Prüfungsinhalte

Artenlisten

Die Artenlisten sind aufbauend. Die höchste Stufe umfasst die umfangreichste Liste, die niedrigeren Stufen jeweils einen Teil daraus. Es gibt ein österreichweites Zertifikat. Um regionale Unterschiede berücksichtigen zu können, haben die prüfenden Institutionen die Möglichkeit, maximal 50 Arten pro Zertifizierungsstufe auszutauschen. Der Anteil austauschbarer Arten nimmt also mit zunehmender Zertifizierungsstufe ab. Regionale Unterschiede kommen damit in der Stufe 1 stärker zum Tragen, umgekehrt werden die Listen mit zunehmender Zertifizierungsstufe österreichweit immer einheitlicher.
Derzeit liegen neben der Grundliste (westliches Österreich, Vorarlberg, Tirol) modifizierte Listen für den zentralen und nördlichen Bereich (Salzburg, Oberösterreich), den Osten und Nordosten (Niederösterreich, Wien, Burgenland) sowie den Südosten und Süden (Steiermark, Kärnten) vor.
Mit der Wahl des Prüfungsortes entscheiden Sie sich bei den Stufen 1 und 2 auch gleichzeitig für die entsprechende Artenliste. Für die Stufe 3 ist bei der Anmeldung die zu prüfende Liste anzugeben.

Was möchten wir erreichen?
  • Schaffung eines „Gütesiegels“ zu Kompetenzen in Freilandbotanik
  • Qualitätsverbesserung bei Gutachten, Biotopkartierungen, Durchführung von floristischen Kartierungen
  • Wecken von Interesse und Neugierde an der heimischen Flora
  • Fähigkeit zum Erheben floristischer Daten im Freiland als Grundlage des aktuellen Kenntnisstandes der Flora Österreichs
  • Stärkung des Naturschutzgedankens („Nur was man kennt, kann man schützen“)
Kontakt

Institut für Botanik, Universität Innsbruck
Inhaltliche Fragen: Mag. Dr. Konrad Pagitz: Konrad.Pagitz@uibk.ac.at
Organisatorisches: Elisabeth Bassetti: Elisabeth.Bassetti@uibk.ac.at

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