Was ist Stress?

"Stress", der auf Pflanzen einwirkt, kann sich ungünstig auf die landwirtschaftliche Produktion sowie auf die pflanzliche Biodiversität auswirken. Was aber ist Stress? Gemeinsam mit KollegInnen aus England, Südafrika und Russland haben wir kürzlich, analog den Betrachtungsweisen aus der Medizin, ein Stressmodell für Pflanzen vorgestellt (Kranner et al. 2010). Dieses Modell lehnt sich an das Allgemeine Adaptationssyndrom des Endokrinologen Selye (1936) an, welches das derzeit meist anerkannte Stressmodell in der Medizin darstellt. Stress wird hierbei als dreiphasiger Prozess gesehen, bestehend aus Alarm, Widerstand und Erschöpfung. Selye hatte als erster zwischen Eustress und Distress unterschieden. Eustress verbessert Körperfunktionen und Distress verschlechtert sie, wodurch Stoffwechselstörungen und Krankheiten ausgelöst werden. Wir haben die Prinzipien dieses Modells unter Einbeziehung der neuesten molekularbiologischen Forschungen für Pflanzen adaptiert. Ein zentraler Aspekt hierbei ist das sogenannte Stress-Signalling, in das ein komplexes Netzwerk von reaktiven Sauerstoffarten und Pflanzenhormonen involviert ist. Durch den Cross-talk dieser Botenstoffe werden Stressfaktoren von der Pflanze erkannt, die Signale weitergeleitet und Reaktionen im Stoffwechsel herbeigeführt. Derzeit testen wir dieses neue Stressmodell mit dem Hauptinteresse, Stress besser zu verstehen und auf zellulärer Ebene zu quantifizieren.

"Miss alles, was sich messen lässt, und mach alles messbar, was sich nicht messen lässt"
Galileo Galilei (1564-1642)

Stress

Das "allgemeine Adaptationssyndrom", adaptiert für Samen von Höheren Pflanzen. Abbildung aus Kranner I, Beckett RP, Minibayeva FV and Seal CE. 2010. What is stress? Concepts, definitions and applications in seed science. New Phytologist 188: 655-673.

The definitive version is available at http://www.blackwell-synergy.com/loi/nph
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