Kalksteinanlage

Hier findet man ein weiteres Areal, das schon in den dreißiger Jahren gestaltet wurde. Es besteht aus Kalkgestein der gegenüberliegenden Talseite, das mühevoll zur Talstation und dann mittels Seilbahn hierher gebracht wurde. Durch den hohen ph-Wert und den wesentlich schnelleren Wasserabzug haben sich Pflanzenarten auf dieses Gestein spezialisiert. Während kalkliebende Pflanzen auf sauren Böden nicht konkurrenzfähig sind, können säureliebende Arten bei genügend starker Humusauflage auch in Kalkgebieten auftreten. Durch die massive Verwendung von Kalkschotter (und Beton) beim Bau der Stiege wurden auch kalkliebende Pflanzen an entsprechenden Stellen dort angesiedelt
Die Legföhre oder Latsche (Pinus mugo) kann zwar auch lückenhaft trockene, steinige Silikathänge besiedeln, wesentlich auffälliger sind aber die oft quadratkilometergroßen, undurchdringlichen Bestände die so typisch für die Kalkalpen sind. Dieses zweinadelige Föhrengewächs wird je nach Standort bis zu 3,50 m hoch und kann fast senkrechte Felswände noch besiedeln.
Ganz ähnlich verhält sich dies beim Wacholder (Juniperus communis subsp.alpina) der in seiner alpinen Zwergform auf Kalk wesentlich eindrucksvollere Bestände bildet. Dieser niederliegende Zwergstrauch wird etwa 60 cm hoch und unterscheidet sich durch kürzere Nadeln nur wenig vom gewöhnlichen Wacholder. Die Beeren beider Arten finden als Gewürz und zur Schnapsherstellung (Gin) Verwendung. Der Zwergwacholder ist von Europa über Sibirien bis nach Nordamerika weit verbreitet.
Nur in den Westalpen und dort häufig über Kalk finden wir die Spirke (Pinus uncinata) die dort die Zirbe ersetzt. Diese Bergföhrenart wird bis zu 20 m hoch und besiedelt heiße, trockene, steinige Berghänge bis 2400m. Besonders bemerkenswert ist auch ihre Resistenz gegen Überschüttung, man findet in Halden Exemplare, deren Stamm meterhoch von Geröll eingeschlossen sind.

KalksteinanlageVerlässt man die Kalkgruppe so führt der Pfad über eine lang gestreckte Mulde wieder zurück zum Fuß der Stiege. Hierher wird im Winter besonders viel Schnee verblasen, so dass oft noch Ende Juni Teile der Mulde schneebedeckt sind. Obwohl auch hier im Hochsommer viele der bereits erwähnten Hochstauden blühen, findet man gleich nach der Schneeschmelze immer wieder größere Ansammlungen des Kleinen Alpenglöckchens (Soldanella pusilla), einem Primelgewächs. Das zarte Eisglöckchen, wie es auch genannt wird, gehört mit zu den eindrucksvollsten Alpenblumen, weil es sich auf lange schneebedeckten Stellen regelrecht durch den Schnee durchschmilzt. Das beruht weniger auf der durch Atmung erzeugten Eigenwärme, als auf der Absorption der Sonnenwärme durch die rotviolett gefärbten Knospen und Blütenstiele. Das bis zu 10 cm große Pflänzchen hat ausschließlich grundständige, rundliche, gestielte Blätter. Die rötlich-violette, glockenförmige Blüte ist bis auf ein Viertel der Länge zerschlitzt. Es wächst auf humosen, kalkarmen, von Schmelzwasser durchtränkten Böden der Hochalpen. Schon im Juli wird es hier von höheren Stauden überwachsen, und im blütenlosen Zustand ist es nur mehr schwer zu finden. Die Gattung Soldanella reicht bis ins Tertiär zurück, sieben schwer zu unterscheidende Arten besiedeln zum Teil auch Kalkgebiete.