Hochstaudenflur

Die auffälligsten Pflanzengesellschaften feuchter Standorte an und über der Waldgrenze sind die Hochstaudenfluren. Fast alle dieser Pflanzen ziehen jährlich über den Winter ein, im Sommer brauchen sie viel Feuchtigkeit oder Schatten. Der Boden muss locker, durchlüftet und reich an Feinerde undMineralstoffen sein. Hier im Alpengarten sind im Juli/August folgende heimische Hochstauden besonders eindrucksvoll.

Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), ein Hahnenfußgewächs, auch in der Natur meist über Silikat anzutreffen, beweißt im ganzen Garten seinen enormen Ausbreitungsdrang. Er ist eine 50-150 cm hohe Staude mit schwärzlich, rübenartigem Wurzelstock. Aus ihm treiben die aufrechten, steifen Stengel aus, die in einem dichten, dunkelvioletten Blütenstand enden. Alle Pflanzenteile besonders aber die Wurzelknollen sind stark giftig, schon 0,5g können tödlich sein. Sie enthalten die Alkaloide Aconitin und Napelin. Im Altertum als Pfeil- und Mordgift verwendet, werden sie heute in der Homöopathie genutzt. Ein weiteres Hahnenfußgewächs ist der Hohe Rittersporn (Delphinium elatum). Es ist eine an günstigen Stellen bis über 2 m hohe Staude mit großen, handförmig geteilten Blättern. Die blauvioletten Blüten haben einen langen Sporn und bilden einen lockeren, traubenartigen Blütenstand. Mit der Einführung dieser Pflanze in die Gartenkultur nahm die Züchtung des Gartenrittersporns um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Er ist in einigen Unterarten von den Alpen bis Sibirien und Zentralasien verbreitet.

Ebenso zahlreich vertreten ist das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium), ein Nachtkerzengewächs. Die Pflanze wird je nach Standort bis zu 1,80 m hoch. Der Stängel trägt wechselständig die lanzettlichen, bis zu 15 cm langen Blätter. Die Blüten sind purpurrot, bis 3 cm breit und in einer endständigen Traube angeordnet. Aus den Blüten entwickeln sich bis zum Spätsommer schotenartige Samenkapseln, die beim Aufplatzen ein weißwolliges Gewebe mit den winzigen Samen entlassen. Durch diesen Flugapparat können die Samen vom Wind besonders gut verbreitet werden. In den Alpen häufig, ist das Weidenröschen über fast ganz Europa, Asien und Nordamerika verbreitet.

HochstaudenflurDie Meisterwurz (Peucedanum ostruthium), ein Doldengewächs, ist eine bis zu 1,50 m hohe, fast kahle Pflanze. Die bis zu 40 cm großen Blätter sind dreigeteilt. Die Blütendolden sind groß und bestehen aus bis zu 50 weißen Einzelblüten. Die Meisterwurz enthält ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe. In der Heilkunde gilt sie seit dem 9. Jahrhundert als Arzneidroge. In den Alpentälern wird aus ihr der sehr bittere Meisterwurzschnaps gebrannt. Obwohl ursprünglich nur in den Alpen beheimatet, wurde sie in vielen Gebieten als Heilpflanze kultiviert und ist stellenweise verwildert.

Die Familie der Enziane ist weltweit mit über 800 Arten in den gemäßigten Zonen vertreten, etwa 50 sind in den Alpen beheimatet, so der Gelbe Enzian (Gentiana lutea). Es ist eine stattliche 60-140cm hohe, kahle Pflanze mit einer bis zu armdicken, wenig verzweigten Pfahlwurzel. Seine Blätter sind breit elliptisch, die goldgelben Blüten sind am Ende des Stängels und in den Blattachseln zu Scheinquirlen gehäuft. Der gelbe Enzian ist eine alte Heilpflanze, die in ihren Wurzeln den stärksten Gehalt an Bitterstoffen von allen Enzian-Arten aufweist. Noch eine wässrige Lösung von 1:200000 schmeckt deutlich bitter. Vor allem durch die Herstellung des berühmten Enzianschnapses – man benötigt zum Brennen 100kg Wurzel für 1l Schnaps - wurde diese Pflanze, obwohl früher ausgesprochen häufig, an vielen Stellen schon ausgerottet. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Alpen über den Balkan bis nach Kleinasien.

Punktierter Enzian (Gentiana punctata) und Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) sind zwei weitere bis zu 80cm hohe heimische Vertreter dieser Gattung. Während die Blüten des punktierten Enzians hellgelb und innen dunkel punktiert sind, hat der Purpur-Enzian tief violettrote Blüten, die ein feiner Rosenduft auszeichnet. Im Alpengarten haben sich diese beiden Arten zum Teil gekreuzt, so finden sich z.B. punktierte Typen in hell-violett. Leider wurden auch diese beiden Arten zur Schnapsherstellung verwendet, und obwohl längst streng geschützt, stellenweise stark dezimiert. Die bitteren Glycoside in allen Pflanzenteilen schützen diese Enziane vor Tierfraß, weshalb sie almwirtschaftlich gesehen ein Weideunkraut darstellen. Alle drei Arten wachsen sehr langsam, es dauert bis zu 10 Jahren bis zur ersten Blüte, dann können sie ein Alter von etwa 60 Jahren erreichen. Österreich hat als Alpenland eine besondere Beziehung zum Enzian - bereits auf den Schillingmünzen war und auch auf den Euro-Centmünzen ist der Enzian abgebildet.

HochstaudenflurDer Alpen-Ampfer (Rumex alpinus), ein Knöterichgewächs, ist eine stattliche, bis zu 2 m hohe Pflanze mit über 50 cm großen, ovalen Blättern. Die einzelne Blüte ist klein und unscheinbar, auffälliger ist der in dichten Quirlen verzweigte Blütenstand, der sich beim Verblühen rotbraun färbt. Der Alpen-Ampfer wächst überall im Gebirge wo Dung und Jauche hinkommt. Besonders um Almhütten bildet er zusammen mit der Brennessel (Urtica dioica) große monotone Bestände, die man Lägerflur nennt. Wegen des hohen Gehaltes an Oxalsäure wird er vom Vieh nicht gefressen und gilt als Weideunkraut. Die Samen bleiben im Boden bis zu 13 Jahren keimfähig. Die jungen Blätter werden in manchen Gegenden als Wildspinat gegessen, was ihm unter anderen den Namen Bergrhabarber einbrachte. Er ist in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas verbreitet, wurde in Nordamerika eingebürgert und ist dort verwildert.

Eine nur im blühenden Zustand leicht erkennbare Art ist das Gelbe Läusekraut (Pedicularis foliosa), ein Braunwurzelgewächs. Die gelegentlich mehrstengelige Pflanze wird bis zu 70 cm hoch und besitzt langgestielte, doppeltgefiederte Blätter. Die hellgelben Blüten sind traubig in den Achseln der Tragblätter angeordnet. Alle Läusekrautarten sind Halbschmarotzer, die auf den unterschiedlichsten Pflanzen parasitieren. Sie entwickeln zwar selbst Blattgrün zur Assimilation, ihre Wurzeln saugen aber durch spezielle Zellen (Haustorien) ihrem Wirt Nährstoffe und Wasser ab, weshalb sie nach dem Pflücken auch besonders rasch welken. Von den nordspanischen Gebirgen bis zur Balkanhalbinsel ist diese Art verbreitet. Seltener findet sich hier im Garten noch eine weitere, gleich hohe Art, das Gestutzte Läusekraut (Pedicularis recutita), das sich hauptsächlich durch die auffällig, dunkel blutroten Blüten unterscheidet.

HochstaudenflurZu den Asterngewächsen zählen folgende Arten: Das Fuchs-Kreuzkraut (Senecio nemorensis subsp. fuchsii), das über die Alpen bis zum Balkan beheimatet ist. Die Pflanze deren Stängel dicht, lanzettlich beblättert sind wird bis zu 1,5 m hoch. Die vielen dunkelgelben Blütenköpfchen sind doldenähnlich angeordnet. Das Kreuzkraut gilt als Weideunkraut, da es vom Vieh vollständig gemieden wird. Es ist eine der wenigen Pflanzen, die in einer Lägerflur mit Ampfer und Brennessel konkurrieren kann.

Die Österreichische Gemswurz (Doronicum austriacum) mit breit-lanzettlichen, großen Blättern und bis zu 7 cm großen, Sonnenblumen ähnlichen Blüten siedelt auf Kalk und Silikat. Sie ist in den Hochstaudenfluren der Alpen häufig und über den Balkan bis Kleinasien weit verbreitet.

Die Alpen-Scharte (Rhaponticum scariosum), ist eine mächtige, bis zu 1,50 m hohe Staude, deren Stängel wollig filzig behaart sind. Die bis zu 60 cm langen, spitzen Grundblätter sind unterseits weißfilzig. Die einzeln stehenden, kugeligen Blütenköpfe sind bis zu 10 cm groß und purpurrot, der Fruchtstand erinnert an eine Artischoke. Es ist eine eher seltene Art die nur in den Alpen beheimatet ist.

Hochstaudenflur