Fortpflanzung und Vermehrung

Unter den ungünstigen Lebensbedingungen der alpinen Stufe stehen die Pflanzen unter Dauerstress; hier kann sich nur behaupten, sich vermehren und ausbreiten, wer entsprechende Strategien anwendet.
Die vorherrschenden Pflanzengesellschaften der oberen alpinen Stufe sind wenig spektakulär: ausgedehnte dichte Rasen von Seggen, Gräsern und Binsen mit unscheinbaren Blüten. Umso mehr fallen einzeln oder in dichten Polstern wachsende Pflanzen durch ihre leuchtenden Blütenfarben auf.
Wieso können viele hochalpine Pflanzen gleich nach der Schneeschmelze blühen?
Wegen der kurzen Vegetationszeit müssen die Blütenanlagen für den Schnellstart im Frühling schon im Herbst fertig angelegt sein. Die Vermehrung von Pflanzen erfolgt ganz allgemein durch die Bildung von Samen.

Dazu müssen männliche Geschlechtszellen (Pollenkörner, „Blütenstaub“) die Eizelle in der weiblichen Samenanlage befruchten. Diese „Bestäubung“ kann durch Tiere (hpts. Insekten:Fliegen,Hummeln, Bienen, Schmetterlinge)oder durch den Wind erfolgen. „Windblütige“ Pflanzen müssen sehr viel Pollen erzeugen, um eine Befruchtung sicherzustellen (Beispiele: Föhren Pinus sp., Hasel Corylus avellana). Einzelpflanzen im Hochgebirge stehen aber oft sehr isoliert. Nahrung suchende Insekten finden ihre Pollen- und Nektarquellen daher nur, wenn dieseauffallend gefärbte und große Blüten besitzen. Beim Blütenbesuch bleibt Pollen an den Insekten hängen und wird so auf die nächste Blüte übertragen. Die Chancen für eine Befruchtung sind aber insgesamt schlecht. Daher haben sich viele Hochgebirgspflanzen von tierischen Bestäubern unabhängig gemacht und setzen auf Selbstbestäubung (z.B.Fetthennen-Steinbrech Saxifraga aizoides, oder Schwarzbeeren Vaccinium myrtillus) oder viel häufiger auf „vegetative Vermehrung“. Sie bilden Kriechsprosse, Brutknöllchen statt Blüten, Wurzelsprosseoder Tochtersprosse. Besonders bei den Grasartigen“ (Seggen, Gräser, Binsen), die mengenmäßig die Hauptvegetation der alpinen Stufe ausmachen, ist dies die weitaus häufigste Vermehrungs- und Verbreitungsstrategie.

Vermehrung