Lebensbereiche und Höhenstufen der Vegetation

In der Natur fügen sich Einzelpflanzen zu „Populationen“, verschiedene Arten zu gesetzmäßigen Pflanzengemeinschaften zusammen, deren Mitglieder ähnliche Ansprüche an Boden und Klima haben. Wenn sich diese Bedingungen ändern, ändern sich auch die Pflanzengesellschaften. Chemismus und Nährstoffangebot des Bodens sind je nach dem Gesteinsuntergrund sehr verschieden: saure Böden bilden sich über Silikatgestein (oft als „Urgestein“ bezeichnet, weil es dem Magma des Erdinneren entstammt), basische Böden über Kalkgestein, das durch Meeresablagerungen aus den Skeletten von Korallen und Kalkalgen entstanden ist. Die meisten Alpenpflanzen haben sich in ihrem Stoffwechsel auf die eine oder andere Bodenart spezialisiert, einige wenige sind gegenüber beiden tolerant.

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So sprechen wir also von einer Silikat- und einer Kalkvegetation.
Das Klima wird mit zunehmender Meereshöhe rauer, die Luft kälter, Wind Frost und Schneedeckenandauer nehmen zu, die für Pflanzen nutzbare Produktionszeit wird immer kürzer. Bestimmte Pflanzengesellschaften gelangen in verschiedener Meereshöhe an ihre obere Lebensgrenze und so kann man diese „Höhenstufen der Vegetation“ mit den Stockwerken eines Hauses vergleichen: In den trockeneren und wärmeren Innenalpen folgen auf die Laubwaldstufe des warmen Talgrundes nach oben Nadelwaldstufen, zuerst von Föhre (Pinus sylvestris) oder Fichte (Picea abies), zuletzt von Lärche (Larix decidua) und Zirbe (Pinus cembra), die die Waldgrenze bilden. Am feuchten und daher kühleren Alpenrand steigen Buche (Fagus sylvatica) und Legföhre (Pinus mugo) am höchsten.
Alle diese Pflanzengemeinschaften stehen im Gleichgewicht mit den herrschenden Boden- und Klimabedingungen, daher spricht man auch von Klimaxvegetation“. Die Höhenstufen der Vegetation orientieren sich also am Großklima, die einzelnen Pflanzengesellschaften innerhalb der alpinen Stufe am Relief des Standorts.Über der Waldgrenze beginnt das Reich der Zwergstrauchheiden von Alpenrosen und Beerensträuchern, darüber jenes der alpinen Rasen, die oberhalb 3000 m immer mehr in günstige Südlagen ausweichen und schließlich ausklingen.
Auf den basischen bis neutralen Böden über Kalk und Dolomit, wie sie am Kitzbüheler Horn vorherrschen, wächst die Wimper-Alpenrose („Almrausch“ Rhododendron hirsutum), auf sauren Böden über Silikatgestein dagegen die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Die alpinen Rasen sind noch stärker unterschieden: auf tiefgründigen kalkreichen Böden gedeihen üppige blumenreiche Blaugras-Horstseggenrasen (Seslerio-Caricetum sempervirentis), höher oben dann, auf flachgründigen Felsgraten die Polsterseggenrasen (Caricetum firmae). Auch über Kalkgestein kann der Boden durch die Anhäufung von Humus versauern: Bürstlingrasen (Nardetum) bilden dann die weitverbreiteten Weiderasen der Almen. Im Silikatgebirge gehen die Bürstlingrasen bei ca. 2500 m in die fahlgelben monotonen Krummseggenrasen (Caricetum curvulae) über, die stellenweise in Südexposition bis weit über 3000 m steigen können. Der Wind bedroht die Pflanzen nicht nur durch Wasserentzug, so dass sie eher vertrocknen als erfrieren („Frosttrocknis“), sondern spielt eine wichtige Rolle bei der Schneeverteilung. Das kann man sehr schön im Spätfrühling an den Apermustern beobachten. Das Geländerelief entscheidet also meist über das „Mikroklima“ des Pflanzenstandortes und damit über die Vegetationsverteilung: auf schneefreien, abgeblasenen Rippen leben die nur wenige cm hohen winddichten Spaliere der Gämsheide (Loiseleuria procumbens) oder höher oben die Steppenrasen des Nacktrieds (Elyna myosuroides). In Mulden mit langer bis über 6 Monate dauernder Schneebedeckung („Schneeböden“) können nur genügsame Spezialisten wie die Zwergweiden (Salix herbacea, Salix retusa), das Zwerg-Ruhrkraut (Gnaphalium supinum), der Gelbling (Sibbaldia procumbens) oder die Safranflechte (Solorina crocea)

Lebensbereiche und Höhenstufen der Vegetation